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Deborah · 1866-05-20 · Heft 11 (20.5.1866) · page 3

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Journal
Deborah
Volume
2 (1866)
Issue
Heft 11 (20.5.1866)
Date
1866-05-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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— 113 — ihnen, wie die Raben, weil die Feldherren beschlossen hatten, neunzig Hebräer für einen Talent zu verkaufen, um auf diese Art für 180,000 Gefangene 2000 Talente zu erhalten. In einem Saale saßen die Glieder der hasmonäischen Familie berathend zusammen. „Lasset sie kommen," sagte Judah mit felsenfester Zuversicht, „mit der Hilfe Gottes schlagen wir sie, wie David den Goliath geschlagen. Gott hält nichts ab, zu Helsen, bei Wenigem, wie bei Vielem." „Wie stark ist unsere Mannschaft?" fragte Eleasar, in Nachdenken versunken. „Sechs Tausend Mann," erwiederte Johann. „Mehr als genug, den Nicanor zu schlagen, wenn wir rasch zu Werke gehen, ehe das zweite Heer zu ihm stößt," versetzte Judah mit kaltmüthiger Ruhe. „Und was meint Bruder Simon?" „Klugheit und Berechnung sind eitel, wenn Begeisterung das Schwert führt. — Schon haben wir die weisesten Berechnungen unserer Feinde mit der Hilfe Gottes zu Schande gemacht. Gott, der bisher geholfen, wird uns auch weiter nicht verlassen." Wieder ergriff Eleasar das Wort: „Unsere Brüder in Egypten, Griechenland und auf den Inseln ermuthigen uns, sie schicken uns Geld, Waffen und Schlachtvieh. In Osten haben sie gegen den Tyrannen die Waffen ergriffen, und in Armenien haben sie den König Artaxias zum Kampfe gegen unfern Erzfeind bewogen. Wir werden kämpfen, weil uns zwischen Tod und Sieg nur das Los der Sclaverei bleibt. Also rasch und schnell ans Werk, vertrauend auf Gott und unser gutes Recht. Eine Niederlage bringt uns um die Frucht aller srühern Siege." „Mit Gott und für unser gutes Recht!" sagte Johann, „und wir werden siegen." Auch die Mutter und Schwester der Heldensöhne Matathia's waren bei der Berathung zugegen. Nach dem gefaßten Entschlüsse, den Feind so bald möglich kräftigst anzugreifen, verließen Eleasar, Simon, Johann und die Mutter den Saal und den mit Rebecca zurückgebliebenen Judah und Jonathan ward ein Fremder gemeldet. Er wurde vorgelassen; es war Amram. Rebecca warf den Schleier über das Gesicht. Amram stotterte, so daß er kaum die Fragen Judah's beantworten konnte. Jonathan beruhigte ihn. „Sobald der Befehlshaber dich entlassen, möchte ich von dir etwas über Alkymos hören." Er ersuchte Judah, den Fremden zu ihm zu schicken, faßte Rebecca's Hand und führte sie weg. „Nun, Fremdling, was hast du mir mitzutheilen?" fragte Judah. „Ich komme von Emmaus, aus dem Hauptquartier des Nicanor," sagte Amram. „Ich hatte Gelegenheit, das ganze Lager zu besehen. Hier ist eine Zeichnung. — Durch meinen Vallr mit Nicanor bekannt, gelang es mir, ihn zu der Annahme zu verleiten, du seist im Thale Kischan noch lange nicht schlagfertig. In wenigen Tagen schickt er Gorgias mit 6000 Mann ins Gebirge, dich aufzusuchen und in die Ebene hinabzudrängen. Du kannst diese Kunde nach Belieben benützen." „Genug, ich weiß genug," sagte Judah. „Wer verbürgt mir aber die Wahrheit deiner Angaben?" „Mein Wort, das Wort eines Mannes," versetzte Amram stolz. „Wenn du ein Ehrenmann bist, warum gürtest du das Schwert nicht um und kämpfst für unsere heilige Sache? Warum als Spion herumkriechen und als falscher Freund den Freund verrathen? Junger Mann, ich traue dir nicht. Du bleibst hier, bis die Sache ermittelt ist." „Ich bleibe nicht hier," sagte Amram. „Ich bin dein Gefangener nicht, will keinen Lohn, aber auch keine Unannehmlichkeit. Für mein gedrücktes Volk habe ich gehandelt, meine Pflicht ruft mich weiter!" Empört verließ Amram den Saal, um sich zu Jonathan zu begeben. Da angekommen, überreichte ihm Jonathan einen Brief mit den Worten: „Verlasse Mizpah. Mein Bruder traut dir nicht." „Und ich soll sie nicht einmal sehen?" „Auch sie theilt Judah's Ansichten." Amram, schnell gefaßt, sagte nun: „Menelaus schickt mich zu dir, um zu erfahren, wohin du Jphigenia gebracht hast." „Sie ist im Hause Jose ben Joesers." „Aspasia weiß es," sagte Amram. „Alkymos, auf seiner Flucht nach der Niederlage Seron's, hat auf ihre Veranlassung die Jphigenia, welche er in Zeredah fand, erdolchen wollen, aber es mißlang ihm." „Also lebt der meineidige Feigling noch immer?" rief Jonathan und man merkte, daß Eifersucht und gekränkte Liebe aus ihm sprach. Statt einer Antwort fuhr Amram fort: „Was soll aus Jphigenia werden?" — „Jose wird sie schon beschützen." „Ist das die Sprache der Liebe?" fragte Amram. „Nein!" war die Antwort Jonathan's. „Wie, du liebst Jphigenia nicht, die freudig für dich in den Tod ging?" — „Nicht mehr!" „Und warum hast du mit Todesgefahr sie dem Tode entrissen?" — „Meine Schuld abzutragen. — Nichts mehr davon! Die Leute haben Auftrag, dich mit verbundenen Augen aus dem Lager zu führen. Lebe wohl! — Vor den Linien öffne und lese den Brief, den ich dir übergeben." Rasch und mit verletztem Herzen verließ Amram die Straßen Mizpah's. Als er im Freien war, erbrach er den Brief und erkannte Rebecca's Handschrift. Mit wilder Gier verschlang er die theuern Züge und las: „Amram! bei dem Gotte Israels beschwöre ich dich, abzulassen von dem gottlosen Treiben. Du bist am Freunde zum Verräther geworden, mein Bruder verachtet dich. Und ich — Gott ist mein Zeuge! ich habe dich sehr geliebt, die Wunden werden lange nicht vernarben. — Lebe wohl und vergesse mich! — Rebecca." Stumm, blaß und zerknirscht stand er regungslos da. „Jetzt begreife ich Euch, stolze Hasmonäer!" rief er endlich. „So lange Ihr die Kinder des machtlosen Matathia wäret, da war Amram gut für Rebecca und Jphigenia dem Jonathan begehrenswerth, nun ist es freilich anders, o jetzt begreife ich Euch." Entmuthigt sank er ins Gras, entschlossen, nicht länger zu leben. Aber Jphigenia, die Leidensgenossin, fiel ihm ein. „Ja, ich muß leben!" rief er und wanderte nordwärts. (Fortsetzung folgt.)

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