Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 11 (20.5.1866)
- Date
- 1866-05-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, am 20. Mai 1866. Ein Volksblatt M Belehrung und Unterhaltung für Israeliten. Zweiter Iahrg. Nr. 11 Indem wir uns nochmals veranlaßt sehen, die k. 1?. Herren, denen unser.Blatt seit Monaten zugeht, um endliche Einsendung des Pränumerationsbetrages anzngehen, wissen wir nicht, wie es sich mit der Billigkeit und dem Gewissen verträgt, so lange die Einzahlung zu verschieben, nachdem wir alle Anstrengungen machen, unseren Lesern gerecht zu werden. Wir haben weder den Druck noch Papier und Porto umsonst. Wilhelm Daß jüdische Eltern viel und oft über ihre Kräfte für die Erziehung ihrer Kinder thun, ist eben so bekannt als allgemein anerkannt; aber nicht im Verhältnisse zu diesen Anstrengungen stehen überall die Erfolge derselben, und ist cs vorzüglich die häusliche Ueberwachung und die Intelligenz der Eltern, die hier ins Gewicht fallen, wenn auch die Befähigung der Kinder nicht außer Berechnung bleiben darf. — Aus kleinen, unbedeutenden Städtchen und Dörfern sehen wir daher oft Männer hervorgehen, die in Großstädten sich Geltung zu verschaffen wissen, weil eben ihre Erziehung seitens gebildeter Eltern eine zweckmäßige und gute war. In keinem Hause dürfte sich diese Bemerkung mehr bewähren, als in dem des ehemaligen k. k. Tabakdistriktsverlegers Leopold Frankl in der kleinen böhmischen Stadt Chrast im Chrudimer Kreise, dessen Söhne jeder in den betretenen Laufbahnen ausgezeichnet sind und Tüchtiges leisten, daher in den Kreisen, wo sie wirken, zu den hervorragendsten Persönlichkeiten zählen. Der älteste Sohn dieses Hauses ist der gefeierte Dichter, Orient-Reisende und beliebte Schriftsteller Dr. L. A. Frankl, Secretär der Jsraelitengemeinde in Wien, der zweitgeborne, Eduard ist Kaufmann und Stadtrath in seinem Geburtsorte Chrast. Der dritte, David Bernard war Chef einer bekannten Prager- Firma, Handelskammermitglied, Stadtrath und Director der Handelsschule, ein Mann, der nach einem, viel zu frühen Tode noch allenthalben im besten Angedenken steht; der vierte Frankl. endlich ist Wilhelm, Gemeinderath, Vorstandsmitglied der israelitischen Cultusgemeinde, früher Vorstand des Vereines für fromme und wohlthätige Zwecke, Repräsentant des kaufmännischen Vereins „Union" in Wien, Mitglied des nieder-österreichischen Gewerbevercins und der Handelskammer, k. k. Rath, Ritter des k. k. Franz Joseph-Ordens und des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, und seit Kurzem Director der k. k. privil. Pfandleihanstalt, dessen Porträt wir hiemit bringen. Obwohl in Böhmen ansäßig, stammt die Frankl'sche Familie aus Wien, wo deren Vorfahren vor dem Jahre 1670 Besitzer der Häuser Nr. 28, 29, 38, 39, 48 und 50 am „unteren Wörd", nun Leopoldstadt, gewesen waren, und zu den wohlhabendsten und vorzüglichsten Gliedern der damaligen Wiener Judengemeinde gehörten, ausgezeichnet durch frommen Sinn und Eifer für ihren Glauben, Eigenschaften, die sie durch die That bewährten, indem sie in dem verhüngnißvollen Jahre 1671, als sämmtliche Juden aus der Stadt Wien vertrieben wurden, den jüdischen Friedhof in der Roßau von dem Magistrate um 4000 Silbergulden kaufte, damit selber unangetastet bleibe für ewige Zeiten, was auch dann der Fall war, als der große Kaiser Joseph aus Sanitätsrücksichten allen Leichenhöfen außerhalb der Linie ihren Platz anwies. Nach diesem Vorfälle zog die Familie nach Fürth in Baiern, wo sie friedlich lebte, bis sie, durch Verhältnisse bestimmt, nach Böhmen übersiedelte und der Großvater