Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 6 (15.3.1866)
- Date
- 1866-03-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 66 die vierte Nachmittagsstunde. Da durchwandelt der Professor der Anatomie die Säle, um die Fortschritte seiner Hörer zu beobachten. Es ist sein Wunsch, daß bei seinem Erscheinen Niemand sich in der gewohnten Thätigkeit unterbreche. Die Pfeife und Cigarre, welche hier fast unentbehrlich, brauchen nicht weggelegt, der stille Gesang nicht unterbrochen zu werden. Der geistreiche Lehrer ruft mit Vergnügen sich in solchen Augenblicken seine eigene Studentenvergangenheit in die Seele zurück. In solchen Augenblicken ist seine Laune am heitersten. Manch gelungener Witz, manch geistreiches Wortspiel bringt er bei guter Gelegenheit an, und schallendes Gelächter ertönt am Ort, wo der Tod sein Zelt aufgeschlagcn. Stille beugt er er sich, von einem Studenten zum andern gehend, über die Arbeit derselben, den guten Anatomen ermunternd, auf interessante Einzclnhcitcn aufmerksam machend, den in der Menschenzcrglicdcrungskundc minder Erfahrenen belehrend, manchmal durch harmlosen gelinden Spott zu größerem Fleiß ansporncnd. Der geneigte Leser mag diese Abschweifung von unserer Erzählung entschuldigen. Es war nöthig, ihn jenen Ort des Genaucrn kennen lernen zu lassen, wohin wir heute uns begeben müssen, um Salamon zu treffen. Er ist fast täglicher Besucher des Secirsaales. Er geht nach Beendigung der klinischen Vorträge hin, ungefähr um dieselbe Zeit, da der Professor anwesend zu sein Pflegt. Auch heute, cs ist ungefähr eine Woche nach den bisher erzählten Ereignissen, tritt Salamon in den Saal. Kaum hat ihn der Professor erblickt, als er rasch auf ihn zugeht und ihm, den er seiner schönen anatomischen Arbeiten wegen schon lange kennt, warm die Hand drückt. „Lassen Sie mich, lieber Freund, Ihnen vor allen ihren Collegen jene Anerkennung zollen, die Sie so sehr verdienen. Meine Herren! Sie wissen es wohl schon Alle, welche Ehre unserer Facultät zu Theil geworden, indem die Akademie gestern Herrn Salamon, den ich die Ehre habe zu meinen Schülern zu zählen, den ersten Preis ihrer naturwissenschaftlichen Elaste zuerkanntc. Möge unsere medicinische Schule sich stets vieler solcher Hörer erfreuen, die schon äoeti sind, ehe sie den Doctorhut erlangt, und ich prognosticire ihr eine glänzende Zukunft." Nach diesen Worten umarmt kann. Glückwünschend drängen sich die Collegen um ihn, um ihm warm die Hand zu drücken. Bald legt sich der Gefühlssturm, und Jeder geht an seine Arbeit. Salamon bekleidet sich mit dem rothen Secirmantel, den fast jeder der hier Arbeitenden besitzt, und geht mit Eifer an die Präparation der feinsten Blutgefäße an einer Hand. Ihn umstehen wie gewöhnlich viele Collegen, um aus seinen Arbeiten sich zu belehren, denn er begleitet fast jeden Schnitt mit einer erläuternden Bemerkung. Salamon aber hatte das Maß seines Glückes an diesem Tage noch nicht erschöpft. Vielleicht war es eine Ahnung dessen, was sein Gesicht, das sonst ernst, heute so heiter erscheinen ließ. Er lachte und scherzte wie der lustigsten Collegen einer. Da öffnet sich die Thür. Eine monotone Stimme ruft: „Herrn David Salamon, Medicincr. Man hat mich von der Wohnung hergesendet." Unser Held wird blaß. Er ahnt wohl, was da der Bote des Telegraphenamtes in seinen Händen hält. Er stürzt mit einer Hast auf den Boten zu, die die Collegen, welche den ernsten, bedächtigen jungen Mann kennen, in das gerechteste Erstaunen versetzt. Schnell reißt er das Couvert in der Mitte auf. Zitternd ergreift er die Depesche, um die blauen Zeichen beim Scheine des Gaslichtes, an das er getreten, zu lesen. Ein Ruf der Freude entfährt seinen Lippen. Er küßt das Blatt, Thräncn entstürzen seinen Augen. „Lebt wohl, Collegen! Ich bin glücklich. In zwei Togen sehen wir uns wieder!" und schon ist er aus der dumpfigen Atmosphäre des Secirsaales draußen in der freien, frischen Luft, die wohlthätig seine heiße Stirne umfächelt. Was ihn so glücklich gemacht hat? Erräthst Du's schon, geneigter Leser, mitfühlende, liebenswürdige Leserin. Das Telegramm enthielt nicht mehr, als die Worte: „Theurer Sohn! Da deine Studien ein längeres Verweilen im Elternhause nicht gestatten, so komme nach der Eisenbahnstation L., wo wir und die Schwester dich sehnsuchtsvoll morgen mit dem Nachmittagszug erwarten. Die Reise zu dir war für den Augenblick wegen vieler Geschäfte unmöglich. Deine treuen, liebenden Ettern." So werde ich euch endlich sehen, ihr langentbehrten Lieben. Wie mein Herz pocht! Was sie mir wohl sagen werden. Aber nur so kurze Zeit! Doch, wie lange ist's bis zu den Semestralserien. Da will ich wieder erwärmen im traulichen Elternhause. Doch, jetzt zu meinem treuen Joseph, um ihm mein Glück zu vermelden. Wie er sich freuen wird! (Fortsetzung folgt.) Bunt e s. Ein Luriosmn aus dem Jahre 1741. (Schluß.) barem Rauch-Werk benähet; in der änderten wurde getragen eine daß sie Ihro Majestät der Königin Namen und Eigeulhümer, Herausgeber und verantwortlicher Redacteur Isaak Bloch. — Druck von A. della Torre in Wien. WG Mit einer Beilage.