Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 62 (1906)
- Issue
- 4 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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die drei Sterne seines Lebens: Evangelium, Vaterland und Hellenismus. Es ist eine wahre Freude, diese Reden zu lesen und zu sehen, wie dieser klassisch geschulte Philologe und erfahrene Pädagoge seinen Abiturienten in allen Tonarten das Evangelium von Christo als der Weisheit letzten Schluß und höchste /fülle preist, und wie er ihnen immer wieder die großen religiösen und sittlichen Grundwahrheiten des Christentums als die einzige Grundlage alles wahren Glückes in Zeit und Ewigkeit in Herz und Sinn einzuprägen sucht." Auch jungen Israeliten sei dies Buch empfoh.len. wer die von dem Verfasser erteilten Ratschläge befolgt, wird es nie zu be reuen haben. Are Juden in Hesterreich-Zlngarn. Einem Aufsatz über dies Thema, welchen Dr. S. Bernfeld in der .,A. Z. d. I." (*906, S. 257 f.) veröffentlichte, entnehmen wir folgendes. 0 In Galizien und der Bukowina lebt fast eine Million Juden unter schwerem wirtschaftlichem Druck. Seit 25 Jahren nimmt in diesen Ländern die Armut immermehr zu. Die wiener Gemeinde trägt schwer an der Last, welche ihr die Pflicht der Unterstützung der galizischen, aber auch der rumänischen Juden auferlegt, von ihren *60000 Mitgliedern stammen *00000 aus den östlichen Kronländern oder aus Rumänien. Diese Leute leben zum größten Teil in drückender Armut. Die Fürsorge der Gemeinde für hilfsbedürftige erfordert etwa zwei Drittel ihrer fast zwei Millionen Kronen betragenden Jahreseinnahme. Auch an die privaten Wohltätigkeitsanstalten werden hohe Anforderungen gestellt. Die Tatsache, daß ungefähr drei viertel aller jüdischen Beerdigungen in Wien unentgeltlich erfolgen, beleuchtet den herrschenden Notstand grell. In ganz Oesterreich leiden die Juden stark unter dem Antisemitismus. Besonders gilt dies vom Mittelstand. Auch der unaufhörliche Nationalitäteuhader wirkt in wirtschaftlicher Hinsicht schädlich. Den Tschechen gelten die Juden als Deutsche, den Deutschen als Fremde. Den innern Zusammenhang der österreichischen Juden beeinträchtigt ihre Kulturverschiedenheit. 2) In Ungarn, besonders in Südungarn, sind die Juden wirtschaftlich besser gestellt. Aber in Nordungarn ist eine wirtschaftliche Krisis eingetreten, welche dazu nötigte, neue Nahrungszweige zu suchen, wie es heißt, ist dies eine Folge davon, daß die Regierung gewisse Gewerbe, die früher zumeist in jüdischen Händen waren, monopolisiert hat. Die politische Lage der ungarischen Juden ist zurzeit sehr günstig, aber keineswegs gesichert. Sie selbst empfinden eine gewisse Unruhe über ihre Zukunft. In kleinen Orten fürchtet man sich, das jüdische Gemeinschaftsgefühl nach außen zu bekunden. Man trug deshalb auch Bedenken, für verfolgte russische Juden öffentlich Geld zu sammeln. Der Klerikalismus nimmt immer mehr überhand. Mit ihm verbindet sich der Antisemitismus. So war jüngst bei der Herstellung des innern Friedens in Ungarn die klerikal-antisemitische volkspartei beteiligt, während der antiklerikale Banffy zu diesem Werke nicht herangezogen wurde. __ Aus der jüdischen Presse. Wir haben eine Ethik, die in ihrer Reinheit von keiner andern übertroffen werden kann. (A. Z. d. I. *906, S. 70. Jene Behauptung gilt einigermaßen von dem christlich beeinflußten Judentum der Neuzeit, aber nimmermehr von dem thalmudischen, ja, nicht einmal von dem mosaischen.)— Ich behaupte, daß das Judentum überhaupt keine Religion im üblichen Sinne des Wortes ist, sondern eher eine Wissenschaft. (S. *30. Line Bestätigung von *.Joh. 2, 25.) — Unter dem tiefsten Drucke der Knechtschaft keimten vielleicht die erstell Gedankell von deln einen, gemeinsalnen Gott, von beut Volke von Priestern. (Seite *86. Die Bibel lehrt eine alldere Entstehullg des Monotheismus.) — Wenn die Redakteure des N. T. dem Ausspruch: „Du sollst deinen Nächsten lieben" die Worte: „und deinen Feind hassen" angefügt haben, so geschah es, weil sie die Lehre ihres Stifters in dem Nachsatze (Mat. 5, <*<*) wenn auch auf Kosten der Wahrheit glorifizieren wollten. (S. *92. Der von Prof. Strack ans Licht gezogene Satz aus den: Siphra beweist die Richtigkeit des auf die mündliche Lehre, nicht auf das A. T. sich beziehendeil Verses Mat. 5,43.) — Es fehlt uns der Segen eines innigen Gebetsverkehrs mit Gott. Daher unsere Kraft- und Haltlosigkeit. (S. 235. Eine Besserung wird erst der auf den Durchbohrten hinweisende Gnaden- und Gebets-Geist herbeiführen. Sach. *2, *0.) — Ist es wohlgemut (dem Verfasser der „Beiträge zu einer jüd. Homiletik") unbekannt, welche Begriffsverwirrung bei manchen osteuropäischen Juden auf dem Gebiete des Sittengesetzes herrscht? (S. 272.) — Auch fyeute, meint wohlgemuth, gehen viele Prediger dem winde nach. „Die Größe Israels und seine Herrlichkeit, die Mission und die Nächstenliebe und ab und zu ein paar Scheiterhaufen des Mittelalters, das wird immer und immer wieder vorgeführt. Phrase reiht sich an Phrase, öde Leere gähllt uns all. Nein, mit diesem hauche sind die toten Gebeine nicht zu leleben." „Ls sind gar nicht die Forderungen der Sittlichkeit, die allein oder auch nur im wesentlichen den Inhalt der prophetischen Reden charakterisieren, viel wichtiger ist ihnen, ulld im Mittelpunkte der prophetischen Wirksamkeit steht der Gedanke, daß es einen Gott gibt, der jeden Schritt des einzelnen und der Völker lenkt, daß der Gehorsam gegen ihn allein das Glück und den Bestand der Völker verbürgt." (S. 273.) — Anklagen wider die Juden, so unbegründet sie auch sind, haben ein zähes Leben; aus ihren abgeschlagenen Köpfen wachsen, wie den Ungeheuern des Altertums, immer neue Häupter. (S. 298. Dasselbe gilt von den jüdischen Angriffen auf das Christentum.) — wenn unsere Feiertage kommen, da gehen noch immer Juden in die Synagoge, manche sogar, um zu beten; vielen ist allerdings dies Bedürfnis abhanden gekommeil; sie würdell vielleicht auch beten, wenll sie die Gebete verständen. Gesalig ulld Rede follen bei vielen ersetzen, was ihnen an Verständnis und religiöser Andacht fehlt. (S. 307.) Wücheröericht. E. Rautenberg, Königsberg i. Pr.: K. Kunert, Der Messias, der Gesalbte Gottes. 40 S. *5 Pf. — Longmans, Green & Co., London etc. : Judaism & Ohristianity. Short Studies. II & III (52-|-28 p.) ä 3 d. — London Jews’ Soc.: A. Bernstein, Der Brief an die Hebräer. (Jargon.) **2 S. — Lv. Missionshaus, Berlin NO. 43: Das 200 jährige Jubiläum der deutschen ev. Heidenmission. 20 S. *0 Pf. — Buchdr. d. R., Dicsdorf bei Gäbersdorf (Schlesien): *) w. Becker, Anmerkungen zu ausgewählten Stetten des Alten Testaments. Drittes Heft. 48 S. 60 Pf. 2) Derselbe, Der Glücksbote. Geistliche Gedichte. 32 S. *0 Pf. Zur Statistik. Nach den Veröffentlichungen des preußischen ev. Oberkirchenrats traten von *689 b's *902 (also binnen *<* Jahren) *90* Juden zur Landeskirche Preußens über, während in derselben Zeit *33 Glieder der Landeskirche zum Judentum übergingell. Für die einzelnen Jahre liegen folgende Zahlen vor: 5*> 50, 57, 7'*, 76, *20, *22, *36, *57, *3'*, *63, *70, 2<*0, 3^8, bezw. *9, *0, 7, 5, 7, *6, 5, W, *0, **, 3, *0, 9, 7. Hmpfangsöefcheiniguug. I. In Mark: *) P. B.-Vorw. und Frl. K.-Schreib. je *. P. M.-Berl. 3. 2) Aus Aich 5. Aus Fellb. q.*, 60. — II. In Kronen: P. V.-Kl. Sulz 3. Frl. B.-Gnad. 4. Aus Jannowitz *0, 57. herzl. Dank! Verantwortlicher Herausgeber: Prediger w. Becker, Wien III/*, hainburgerstr. 2*. — Jahrespreis: 60 Pf. oder 72 h. ö. w. Verlag und Druck: I. Windolff, Berlin SW.68, Lharlottenstr. 88.