Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 62 (1906)
- Issue
- 4 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dibre 6metb. Gin Vierteljahrsblatt für Israeliten und Freunde Israels. 1906. 62. Icrhrrgcrrrg. Wo. 4. InHcrkt: Die Wahrheit über das Glück. — Die salige Frau. — Was machst Du aus Dir selbst? — Die Rechtfertigung vor Gott. — Vuudratus. — Aus der Nacht zum Lichte. — Zu Sacharia 2, (\o). — Zu Psalm 87. — Zu Matthäi \i, 27. — Zu 2. Korinther 6, — Zürn Nachdenken. — Kleine Missionszeitung. — Ratschläge auf den Lebensweg. — Die Juden in Oesterreich-Ungarn. — Aus der jüdischen Presse. — Bücherbericht. — Zur Statistik. — Empfangsbescheinigung. Die Wahrheit über das Glück. Unter Glück verstehen wir einen Lebenszustand, welcher uns zufrieden stellt. Das hebräische Wort für Glück bezeichnet dasselbe als einen geraden Gang. Im Griechischen ist Glück eine erfreuliche Begegnung. Gin günstiges Zusammentreffen hat auch das englische Wort zu bedeuten. Im Lateinischen stellt der eine Ausdruck das Glück als die Frucht einer gedeihlichen Entwicklung dar, während der andere es als ein Aind des Zufalls erscheinen läßt. Das französische Wort erinnert an die gute Jahreszeit, eigentlich an den ägyptischen Sonnengott horus. In den slavischen Sprachen fällt das Glück mit dem Wohlergehen zusammen. Die Frage, worin das Glück bestehe, wird aber nicht nur sprachlich, sondern auch sachlich verschieden beantwortet. Nach der pessimistischen Weltanschauung eines Buddha, Theognis und Schopenhauer gibt es überhaupt kein wirkliches Glück. Resigniert und blasiert verkündigt man: „Da, wo du nicht bist, da ist das Glück." Nach der entgegengesetzten Auffassung, der optimistischen, kann der Mensch allerdings zum Glück gelangen. Inbetreff der zu diesem Ziele führenden Wege sagen die einen: Irdische Güter und menschliche Aräfte, Besitztümer und Arbeiten beschaffen das Glück. Gesundheit und Reichtum, Freundschaft und Familie, Wissenschaft und Aunst werden als Glück bringende Mächte bezeichnet. Die andern aber erklären: himmlische Güter und göttliche Aräfte und Araftleistungen machen wahrhaft glücklich. Wer Gott erkennt und in der Gemeinschaft mit ihm lebt und wirkt, so sagen sie, der wird von der Sonne des Glücks bestrahlt. Ohne Zweifel hat der Pessimismus eine gewisse Berechtigung. Infolge der Empörung der Menschen gegen ihren Schöpfer wurde die Erde ein Jammertal. Aber es gibt noch Freuden neben den Leiden. Unter den Dornen wachsen noch Rosen. Aöstliche Gaben können uns zuteil werden, wenn Gott, von dem das Glück abhängt, uns leiblichen Segen in irdischen Gütern beschert, noch mehr aber, wenn er uns geistlichen Segen in himmlischen Gütern schenkt. Das höchste Glück besteht in der Gesundheit des Geistes, die auch die Arankheit des Leibes überwindet, in dem Besitz der göttlichen Gnade, der frei macht, während das Geld sich nur zu oft als einen Tyrannen erweist, in der durch den Geist Ehristi, des größten göttlichen Liebesboten, in uns geweckten Liebe zu Gott und den Mitmenschen, die Bestand hat, während die natürliche Liebe schnell vergeht, auch in der mannigfachsten wissenschaftlichen und künstlerischen Betätigung der von oben stammenden Fähigkeiten, bei welcher wirkliche und nicht nur scheinbare Triumphe über die niedere Welt gefeiert werden. Dies Glück entspricht allein dem tiefsten Glücksverlangen des Menschen. Der Mensch ist so veranlagt, daß er ohne Gemeinschaft mit Gott nie ganz zufrieden sein kann. Die Gajatri, das tägliche Gebet um Geisteserweckung, welches die Brahmanen seit mehr als 3000 Jahren sprechen, ist einer von den vielen Sehnsuchtsseufzern der zu wahrem Glück berufenen, aber durch die Sünde von demselben getrennten Menschheit. Das Gebet lautet: „Laßt uns in Gedanken uns vertiefen über den anbetungswürdigen Abglanz des Schöpfers, unseres Gottes! Möge er unfern Geist erwecken." Die göttliche Offenbarung in der Bibel, vor allem im Evangelium, stillt diese Sehnsucht. Sie zeigt den Abglanz der göttlichen Herrlichkeit in Lhristo(hebr.b 3), verbindet aber auch mit den: heiligen Geiste, welcher den menschlichen Geist erweckt. Wir bekämpfen die Lüge über das Glück, der zufolge es überhaupt nicht zu erlangen: ist. Wir bekämpfen auch die halbe Wahrheit, nach welcher es in irdischen Dingen besteht. Wir finden es in der