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Dibre Emeth · 1906-01-01 · 3 (1906) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
62 (1906)
Issue
3 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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24 so einen schwerbeladenen Zug befähigt, durchs Land zu eilen. In allen drei Fällen ist Wasser genug im Ressel. Es ist auch dem eigentlichen Anstande nach das gleiche Wasser. Aber welchen Unterschied bringt der Wärmegrad hervor! — Ebenso gibt es drei Arten Christen. Die ersten, die Kaltwasser-Christen, sind erlöst, ihr Glaube ist aufrichtig, ihr Wandel moralisch, aber ihnen fehlt das Feuer der Liebe Jesu und daher die Triebkraft und die Möglichkeit, ihre Umgebung zu beeinflussen. Die Heißwasser-Christen, die zweite Art, sind dem Liedepunkt bedeutend näher, aber ihnen fehlt noch der letzte Grad. Sie haben sich dem Herrn bis auf einen gewissen Punkt geweiht, und dies wenige Fehlende verdirbt oder legt lahm, was sonst vortrefflich zur Ehre Gottes dienen könnte. Die dritte Art von Christen, deren Zustand dem siedenden Wasser gleicht, hat solche sog Rleinigkeiten drangegeben, einige wenn nnd Aber fahren lassen und zeigt etwas mehr Verleugnung. Dies wenige bewirkt Gewaltiges. Es befähigt uns, eine Triebkraft zu entwickeln, die uns zu freudigen, sieghaften, lebengebenden Werkzeugen Gottes macht. (Nach dem „Schles. Familien-Boten".) K. v. Kartmanns Christenlum des Denen Hestaments. Der am 5. Juni d. I. verstorbene Philosoph L uard von Hartmann veröffentlichte $05 e ne Schrift über,,Das Christentum des Neuen Testaments", eine neue Bearbeitung seiner $70 erschienenen „Briefe über die christliche Religion". In einer Besprechung dieses Werkes in der ,.A. Z. d. I." ($06, Nr. 2^ und 25) erklärt der Barmer Rabbiner Uv. Grabowski, dasselbe sei eine Genugtuung für die Juden. Hartmann behandelt den Gegenstand in drei Abschnitten. Der erste ist dein Evangelium Jesu oder dem Christentum Christi, der zweite dem Evangeliunr des Paulus oder der Religion des Glaubens, der dritte dem Evangelium des Johannes oder der Religion der Liebe gewidmet. Der erste Abschnitt schildert die Persönlichkeit und die Lehre Jesu. Grabowski, welcher den zweiten Teil dieses Abschnittes näher berücksichtigt, sagt von dem ersten Teil desselben: „In der Zeichnung der Persönlichkeit Jesu tritt eine Schärfe und Unbefangenheit zutage, die auch uns zuweilen erschreckt, wir müssen es uns jedoch aus leicht ersichtlichen Gründen versagen, über den Teil zu referieren." Was sodann aus Hartmanns Darstellung der Lehre Jesu angeführt wird, zeigt zur Genüge, daß der Philosoph manche Einwände gegen dieselbe vorgebracht hat, die schon oft widerlegt worden sind. Z. B. steht fest, daß Mat. 5, 43 sich nicht auf das Alte Testament, sondern auf die mündliche Lehre bezieht, 2 daß die letztere den Satz enthielt! „Gegen andere, die nicht deinem Volke angehören, magst du rachgierig sein und Zorn halten." wenn Hartmann das Neue Testament vorurteilslos gelesen hätte, so wäre sein Buch ungeschrieben geblieben. Er gehört zu den Blinden, welche von der Farbe reden, Hätte er sich den Star stechen lassen, so hätte er erkannt, daß das von Jesu gegründete Reich der Wiedergeborenen das größte Reich in dieser Welt werden sollte (Mat. 8, u f.; $, 5\ f.; 28, $), und daß es diesem Ziele unaufhaltsam näherkommt. Ls wäre ihm dann nicht entgangen, daß Jesus denjenigen, die reines Herzens sind, das Schauen Gottes verheißt (Mat. 5, 8), daß er auf dem Gebiete des praktischen Lebens die fleißige Arbeit fordert (Mat. 20, t ff.; 25, \‘\ ff.), auch den Gehorsam gegen die Eltern und das Festhalten der ehelichen Gemeinschaft verlangt (Mat. $, H ff.; 5, 52), sofern nicht höhere Gebote zu erfüllen sind (vgl. 5. Mose 33, 9). Wir bedauern jeden Israeliten, welcher nach dem Rate Grabowskis in Hartmanns Buch Aufklärung über das Christentum des Neuen Testaments sucht. Nicht aufk.äreud, sondern verdunkelnd muß dies Buch wirken. Die best: Einführung in das Verständnis des zweiten Hauptteils der Bibel findet mau überhaupt in keiner menschlichen Schrift. Sie besteht in der Leitung des heiligen Geistes, welcher wie das Alte Testament so das Neue Testament durchwaltet, wie das Gebet die Augen für die Wunder des Gesetzes öffnet (Ps. $), so macht es auch fähig, die Wunder des Evangeliums zu sehen, wer um Erleuchtung durch den Geist Gottes fleht, der wird sie empfangen. So wird er die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird ihn frei machen (Ioh. 8, 32). Jüdische Ghronilr. Das Berliner Zentralbureau für jüdische Auswauderungsangelegenheiten verausgabte im Jahre $05 rund 260 000 Mk. Es erhielt Anfragen von Auswanderern: 800 aus Rußland, 2{0 aus Oesterreich, 80 aus Rumänien. 8698 Auswanderern wurde Hilfe gewährt. Im ganzen wunderten im Jahre $05 $3000 Juden aus Europa aus: 28 93* über Hamburg, $$3 über Bremen. — In Leipzig erschien eine deutsche lieber* setzung der von Claude G. Moutefiore verfaßten Schrift über das liberale Judentum. Im jo. Kapitel d'efes Buches wird den liberalen Juden empfohlen, das Neue Testament zu lesen. — In S0ndershausen starb an seinem 92. Geburtstage der Rabbiner Prof. Heidenheim. Er hatte der dortigen jüdischen Gemeinde von $53 bis zu seinem Tode gedient. Mit seiner Gattin, die ihm $9? entrissen wurde, hatte er die silberne und die goldene Hochzeit gefeiert. — Dev badische Oberrat der Israeliten veröffentlichte den ersten Teil der bereits $95 beschlossenen neuen Ausgabe des Gebetbuches mit Zugrundelegung der in Deutschland am meisten verbreiteten Rödelheimer Ausgabe. Der Preis des gebundenen Exemplars beträgt \ Mk. — Für die verfolgten russischen Juden wurden in ganz Oesterreich etwa 856 000, in Wien allein fast 500000 Kronen gesammelt. Für die Versorgung der nach Galizien Geflohenen wurden 263 695 Kronen, von denen 9^ 578 von der wiener Israelitischen Allianz herrührten, aufgewandt. — Im ungarischen Abgeordnetenhause sitzen jetzt 20 Israeliten. — Eine furchtbare Iudenhetze ereignete sich in Bialyftok. Die neugeschaffene Duma nahm sich der verfolgten kräftig an. — Angesehene Israeliten Frankreichs suchen ein Reformjudentum zu begründen. Dasselbe soll die strengen Riten beseitigen, aber die religiös-sittlichen Grundsätze des alten Glaubens erhalten und iu moderner Form durbieten. Diese Bewegung hängt damit zusammen, daß das Gesetz über die Trennung von Staat und Kirche in Kraft trat. — Der pariser Kassationshof hob das von dein Kriegsgerichte in Rennes gegen Dreyfus ausgesprochene Urteil auf, ohne die Sache an ein anderes Gericht zu verweisen. — Das in Jerusalem von dem Hilfsverrin der Deutschen Juden errichtete Lehrerseminar zählte in diesem Sommer 38 Schüler, von denen zwei Hospitanten waren. Es hat eine Präparandenklaffe und drei Seminarklassen. — Professor Flinders Petrie entdeckte in Tell el Iehudije, dem alten Leontopolis. den Tempel des Onias. Der jüdische Hohepriester Onias lebte unter Ptolemäus Philometor und erbaute für die vor Antiochus Epiphanes aus Palästina geflohenen Indem im östlichen Nildelta ein Heiligtum, welchem der Tempel in Jerusalem als Vorbild diente. — Das große Sammelwerk „The Jewisli Encyclopaedia“, welches im Verlage einer christlichen Firma in New-Hörk zu erscheinen begann, liegt mit dem in diesem Frühjahr veröffentlichten zwölften Bande abgeschlossen vor. Die Zahl der jüdischen und christlichen Mitarbeiter betrug fast 600. Antworten. Coruill bekennt, daß er an der Geschichtlichkeit Abrahams festhalte. Er sagt: „Abraham ist eine geschichtliche Persönlichkeit im vollsten Sinne des Wortes, wie Alarich, der Westgotenkönig, und Rurik, der Führer der Waräger". (Entstehung des Volkes Israel, S. 9.) — w. His, der Leipziger Professor der Anatomie, schrieb über Ernst Häckel: „Nach meinem Urteil hat er durch die Art seiner Kampfführung selbst auf das Recht verzichtet, im Kreise ernsthafter Forscher als Ebenbürtiger mitzuzähleu." — Das Wort: „Dieser säet, der andere schneidet" (Ioh. 37) wird einem Iudeumissionar oft ins Gedächtnis gerufen. Aber auch auf dem Gebiete der Heidenmission fällt die Lrntearbeit manchmal nicht dem Berufsarbeiter zu, der die erste Aussaat bestellt hat, sondern irgend einem andern. Verantwortlicher Herausgeber: Prediger w. Becker, Wien Ulft, Hainburgerftr. 2(. — Iahrespreis: 60 Pf. oder 72 H. ö. w. Verlag und Druck: I. Windolff, Berlin SW. 68, Lharlottenstr. 66.

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