Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 62 (1906)
- Issue
- 1 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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keineswegs die Scfyltmmftcu. verhältnismäßig besitzen nur wenige Juden Tiere. Die meisten Tiere sind im besitze vor: Arabern. Die zwei bis drei Tiere, die sich ein Jude hält, werden in der Regel gut versorgt und freundlich behandelt. Auch die jüdischen Fuhrleute sorgen gewöhnlich besser für ihre Tiere'und sind viel weniger grausam als die Araber. Die Tatsache, daß die Araber, welche Tiere besitzen, so viele Juden als Fuhrleute beschäftigen, spricht für sich selbst. Palästina ist ja ein mubammedanisches Land, und von allen Menschen zeigen die Muhammedaner die größte Grausamkeit. Lin Tier zu töten, ist gegen ihr Gesetz, aber es zu martern, bis es fast tot ist, macht niemandem etwas aus. Ls ist sehr 1r.nirig, die schlechte und grausame Behandlung der stummen Kreaturen, die sich überall in den muhannnedanischen Ländern findet, sehen ..zu müssen, aber solche Empfindungen führen noch keine Änderung herbei. Um die Herrschaft der Grausamkeit zu brechen, bedarf es einerseits einer starken Autorität, andererseits einer aus echter Religion fließenden Humanität, wenn in England, wo das Christentum schon Jahrhunderte lang seine veredelnde Macht entfaltet, eine „Königliche Gesellschaft zur Verhinderung von Tierquälereien" am Platze ist, Faun man sich da wundern, wenn die predigt des Evangeliums unter einem von den Herrschern des Landes geringgeachteten Volke, den Juden, einen geringen Lindruck auf die grausamen Gewohnheiten der Muhatnmedaner gemacht hat? Line starke Hand muß die Grausamkeit beseitigein Zuvor aber ist eine gründliche Aufklärung erforderlich. In Palästina herrscht die größte Unwissenheit mit Bezug auf die ordentliche pflege eines Tieres. Unter den Pferden, die für Reisende gebraucht werden, gibt es kaum eins, welches keinen wunden Rücken hat. Ich habe mit den Pferdeknechten oft wegen der schweren Packsättel, die sie benutzen, gezankt. Als ich unter den Sattel meines Pferdes eine leichte Satteldecke legte, behaupteteil sie, das Pferd müsse sich hierbei Wunden zuzieheil. Natürlich war dies nie der Fall. Und doch ruollteu jene, deren Pferde beständig zu leiden hatten, von mir feine Lehre annehmen. Ls bedarf vieler Unterweisungen und einer bestimmten Autorität, um bei solchen grausanien Leuten irgendeine Änderung herbeizuführen. Dagegen sind die Juden eher bereit, etwas zu lernen und die Tiere freundlich zu behandelir, wenn sie sehen, daß dies zweckmäßig ist." — Im Anschluß an die vorstehenden Ausführungen fei in diesem Mlssionsblatt auf ein Werk hingewiesen, welches sich in hervorragendenr Maße dazu eignet, zur richtigen Behandlung des edlen Rosses atizuleiten. Ls ist betitelt: „Die Geheinrlehre, wie nran mit Untugenden behaftete Pferde wieder zu brauchbaren Tieren machen kanil." Das Seiten starke Buch ist von dem Verfasser, Herrn w. Lapobus in Büsum Holstein), welcher aus einer inehr als 50 jährigen praktischen Erfahrung redet, für den Preis von 4 M. zu beziehen. Die beigegebenen 8 Bilder veranschaulichen die erteilten Ratschläge. Jeder, der mit pferdeil zu tun hat, wird das Buch mit Ruhen leseil. _ Jüdische ßhronilr. In Berlill hielt der verband der deutscheil Juden seine erste Hauptversammlung ab. Die Zahl der Abgeordneten betrug 300. — Die Wiener Kultusgemeiude verlangt bis zuin 3t. Dezember $07 Arbeiteil über: „Das Judentum zu Ende des jüdischen Staates" und „Der Anteil der Judeil an der österreichischen Finanzgeschichte in dem Jahrhundert nach bem 30jährigen Kriege." Für die beste Behandlung dieser Themata wurdeil 3500, bezw. 2500 Kronen ausgesetzt. Der Akademische Verlag in Wien gibt „Alonumeuta Judaica" heraus: Verdeutschungen von CharguiN uub Thalmud. — Lin in Budapest erscheinendes jüdisches Blatt suchte eine Koilficmationsfeier für die jüdischen Mädchen einzilrichten, bei welcher bicfelbcu gelobeil sollen, ihrer Religion nie und unter keinen Umständen untren zu werden. — In Szegedin brachen Judenfeinde naä-ts in die Synagoge ein, um sie zu verbreuneil. Sie erreichtell jedoch ihren Zweck ilicht. Am folgeildeii Sonntage ließ der katholische . Bischof in allen Kirchell der Stadt jene Brandstiftung als eine I Todsünde bezeichnen. Auch veranlaßte er die Absetzung des! Hauptmann; der Feuerwehr, der sich geweigert hatte, feine! Leute zum Löschen des Feuers zusammeuzurufen. — Entsetzliche Ausbrüche der Judenfeindschaft ereigneten sich in zahlreichen russischen Städten im Zusammenhang mit der Gegenrevolution. Sie führten außerhalb Rußlands zu lnanchen Trauernub Lntrüstuugs - Versammlungen, aber auch zu einer großartigen Betätigung der Nächstenliebe. — In Basel kam es beim siebeilten Zionisten-Kongreß zu einer Spaltung unter den Teilnehmern. Den Zion-Zionisten traten die Territorial- Zionisten schroff entgegen. Etwa (00 voll den 760 Abgeordneten hielten eine besondere Versammlung ab. Der Kongreß ehrte das Gedächtnis H.'rzls durch den Beschluß, in Palästina einen Mlivemvald von jooo Bäumen zu seiner Erinnerung zu pflanzen. Auch bewilligte er ein Kapital von 200000 Kronen, sowie ein zehll Jahre fang zu zahlendes Jahresgeld von 6000 Kronen für Herzls Kiilder. Da Nordau, welcher den Kongreß eröffnet hatte, erfraufte, hielt Wolfsohn die Schlußrede. Der letztere wurde sodann zuin Leiter der Bewegung erwählt. — In Paris starb der Großrabbiner voll Frankreich, ZadokKahn. Er war fast 40 Jahre lang ein Mitarbeiter der ^llianes Isr. Line von der letzteren begründete ZTieberlaffuiig in Argentinien trägt feinen Rainell. — Das neue eliglifche Ministeriunl ernannte einen Juden, Herbert Louis Samuel, zuin Staatssekretär. — Jeru salem wird mehr und nlehr eine überwiegelld jüdische Stadt. Man berichtet von dort: „In jeder Woche kommell (00 und mehr jüdische Falniliell an, um sich hier uiederzulasseu. Manche andersgläubige Llemente werden auf diese weise verdrängt." — Die zur Erforschung der Synagogenruiuell Galiläas von der Deutschen Grientgesellschaft entsanöten Gelehrten konntell in 4 Monaten die Ruinen von \\ Synagogen untersuchen, ifre Grundrisse anfnehmen und eine große Zahl von iiitereffauteu Resten der ihnen eigentümlichen Ornamentik iill Bilde festhalten. Lins der wichtigsten Ergebnisse der Forfchuligsreife war die Feftstettuilg der Grundrißfornl dieser uliter röinischer Herrschaft uub römischem Einfluß entstandenen jüdischen Bauwerke. Lntgegell den früheren euglifd?eu Forschungen, welche bei einigen Ruinen drei bis vier Säulenreihen im Innern ftnbeii zu können meinten, wurde bei sämtlichen uiltersllchtell Synagogen ein breites Mittelschiff mit einern Säulenumgang auf drei Seiten, der eine Empore trug, nachgewieserl. — Am 30. November v. Js. feierte man in allen Syllagogen der vereilligten Staaten voll Nordamerika die 250 Jahre zuvor stattgehabte Ankunft der ersten jüdischen Einwanderer. — Der in Newyork im 56. Lebensjahre verstorbene Jargondichter Schaikowitz verfaßte 30 Schauspiele und mehr als 3O0 Novellen. Zur Statistik. tgO3 besaß Großbritannien 262000 Juden, von denen 252000 ill England und Wales (^8000 in London), 26000 in Schottland und 4000 in Irland lebten. Konstantinopel zählt jetzt etwa 60000 Juden. Dieselben besitzen 32 Synagogen, 33 Komillulla!schu!en, 3 Allianzschulen und \ Rabbinerseminar. In Saloniki (50000 Juden) gibt es 36 Synagogen uub 9 Schulen, in Smyrna (25000 Juden) 9 Synagogen und 6 Schulen, ill Adriauopel ((5OOO Judeil) 5 Synagogen und q Schulen, in den Dardanellen (3500 Juden) 3 Synagogen und 2 Schulen, in Gallipoli ((600 Juden), Rodosto (^500) und Laballa (70a).je 2 Synagogen und \ Schule. Ill Ägypten gibt es unter \o000000 Einwohnern mehr als 25000 Juden. Nur \2000 find ägyptische Bürger. Die übrigen gehören aubent Staaten cm (3000 sind Franzosen, 4000 Italiener).__ Bitte. viele in der weiten Welt haben ciuft dies Blatt bestellt, aber offellbar indessen das Bezahlen 'ganz vergcffell. Ihr vergeßlichen Besteller, seildet, bitte, Eure Heller (72) oder Pfennige (60) herbei! Achtungsvollst Die Druckerei. Verantwortlicher Herausgeber: Prediger w. Becker, Wien III/j, Hainburgerstr. 2(. — Jahrespreis: 60 Pf. oder 72 H. ö. w. Verlag und Druck: I. windolff, Berlin SW.68, Lharlottenftr. 68.