Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 61 (1905)
- Issue
- 4 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dibre 6metb. £in Vierteljatyrsblatt für Israeliten und freunde Israels. 1905. 61. Jahrgang. Wo. 4. InHcrkt: Noadja. — Aus Indien. — Lin Muhaminedaner über die Lhristnacht. — Das weih nachtsfest. — Noch eine Erinnerung an I- T. Beck. — Dr. med. Nathan 3tnmamiel ITtoffa. — Zn 3efaia 60, 3 — Zu 2. Tim. \o. — guin Nachdenken. — Kleine Missionszeitung. — A. Harnack im jüdischen Schrifttum. — Schaljaxin als Fürsprecher Israels. — Ans der jüdischen Presse. Noadja. Der Thalmud zählt 48 Propheten und 7 Prophetinnen in der Geschichte Israels. In Wirklichkeit ist die Zahl noch größer. Viele von ihnen sind allgemein bekannt, z. B. Wose, Samuel, Nathan, Elia, Elisa, Wirjam, Debora, Hulda. Dagegen werden einzelne wenig beachtet. Dies gilt auch von der Prophetin, deren Namen die Überschrift nennt. Sie kommt freilich nur in einem einzigen Verse der Bibel vor: Nehemia 6, Aber es lohnt sich, bei demselben zu verweilen und ihren Namen, ihr Amt, ihre Zeitverhältnisse und ihre Wirksamkeit näher ins Auge zu fassen. Der Name stellt eine Verbindung des Zeitworts jacad mit dem Gottesnamen dar und bezeichnet eine Person, mit welcher Iahveh (Iehovah) zusammenkommt. Zur Zeit des zweiten Tempels wurde der uralte Gottesname im Heiligtums zunächst noch bei der Erteilung des Segens und am Versöhnungstage ausgesprochen. Aber seit dem Tode Simons des Gerechten, d. h. feit dem Jahre 275 v. Ehr., vertauschte inan ihn auch dort mit dem Worte Adonai, welches ihn außerhalb des Tempels scholl früher verdrängt hatte. Esra 8, 33 erfcheillt ein Levit als Träger des Namens, 6eii unsere Prophetin führte. Wann und Weib sollen eben darin einander gleichen, daß sie mit dem höchsten Wesen verbunden sind. Es gibt kein erhabeneres Lebensziel als dies. Was bedeutet aller Ruhm auf den Gebieten des Handels, des Gewerbes, der Ärmst, der Wissenschaft usw., wenn man die Gemeinschaft mit Gott nicht erlangt hat? Derjellige, welcher im vollen Sinne des Wortes Noadja heißen konnte, war der Wessias Jesus. And wie Gott mit ihm war, so war Gott in ihm mit uns. Ohne diesen Immanuel kanll nienland zu Gott kolnmen. Das Anlt, welches die Neh. 6 auftretende Frau verwaltete, gab ihr den Titel N’bliia. Das arabische liaba heißt: Hervorbringen. Ein Nablri ist ein Hervorbringer, bes. von Worten, also ein Sprecher, insonderheit ein Sprecher Gottes, aber auch des Baal oder der Astarte. Vgl. 2. Wose 7, \ (4, \6). Der ill Gottes Dienst stehende Nabhi kann durch äußere oder innere Einsprache zum Reden befähigt werden. 4. Wose \2 werden drei Stufen des Offenbarungsverkehrs ullterschieden: das Gesicht, der Traum und das Reden voll Wund zu Wund. Das hebräische Wort Nabhi entspricht dem griechischen rroo- oder vnoyrixriQ. N’biiiä ist die tioo- oder vTcocprjng, die Dolmetscherin der Gottheit, das weibliche Orakel. Dem israelitischen Prophetenstande, über dessen Bedeutuilg Waimonides drei Allsichtell vorträgt, gehörte also Noadja an. Sie steht in der Reihe jener auserwählten Rüstzeuge Gottes, welche den Fortschritt der Offenbarungsgeschichte bezeichnen. Diese Reihe beginnt mit Abraham und führt zuletzt vonl alten in den neuen Bund hinein. Johannes der Täufer und Jesus sind der kröllende Abschluß der alttestamentlichen Prophetie. Als eine Empfängerin des göttlichell Geistes vernlochte Noadja llicht nur Gottestatell der näheren und ferneren Vergangellheit im rechten Lichte darzustellen (wie Wirjam, Debora oder die 84 jährige Hanlla), sondern auch zuküllftige Dinge zu weissagen (wie die vier Töchter des Philippus). Das Bild einer geistesmächtigen Frau im Sinne der Bibel sollte allen 6eneu als Vorbild dienen, welche an der Lösung der Frauenfrage arbeiten. Nicht minder not tun unserer Zeit prophetisch ausgerüstete Wänner. Noadjas Leben siel wie dasjenige Waleachis in das fünfte Jahrhundert v. Ehr., gellauer ill die Witte des letzteren. Sie weilte in Ierusalenl, als Nehenlia, der Wundschenk des Perserkönigs Artaxerxes Longinlallns, daselbst an der Wiederherstellung des israelitischen Volkstums arbeitete. Im Jahre 336 waren 4:2 000 Gefangene nach Palästina zurückgekehrt. 457 war (unter Esra) eine zweite Schar