Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 61 (1905)
- Issue
- 3 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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für mich gelitten nnb gestorben, auf daß ich durch ihn das selige Leben erlange; der soll da allein der weg heißen, wodurch wir in jenes Leben und, wie er selbst sagt, znm Vater kommen, so wir fest an ihm hangen. (Luther.) 2. Den Vorsatz zu unserer Erlösung hat Gott von Ewigkeit her gehabt; die Eröffnung davon hat er in seinen Verheißungen getan, hiermit hat Er Seiner Liebe und Barmherzigkeit bei uns Abtrünnigen eine Adreffe, einen Anwurf gemacht, da wir sonst nicht imstande gewesen wären, uns des geringsten Guten zu Ihm zu versehen. Und nun ist dies das Fürnehmste, daß wir doch auch zu diesem großen Pardon eine Zuflucht nehmen und, da Gott uns darin eingeschlossen hat, nicht uns selbst ansschließen. (I. A. Bengel.) Jüdische KravstciLten in Z*aris. In den „Französischen Reisebildern", die F. Mollmann in diesem Frühjahr im Sonntagsblatt des Berliner Reichsboten veröffentlichte, werden auch Wanderungen durch Pariser Friedhöfe beschrieben, hierbei führt uns der Verfasser von der Hauptpforte des „pere Lachaise" in den kleinen Winkel der israelitischen Abteilung dieses Begräbnisplatzes. Er sagt ($05, 5. 72): „Es sind meist deutsch klingende Namen, die an den prunkhaften Grabkapellen glänzen: so Epstein, Weißweiller, Stern und Rothschild, wir wandeln zwischen Großen des Mammons einher. Haben die Verstorbenen durch sonstige Leistungen von sich reden gemacht, so melden die Grabschriften mit orientalischem Schwung ihre Verdienste: so an dem Denkmal eines „grand rabbin de France“, das die gesamte französische Iudenheit ihrem „venere pasteur“ errichtet hat, an dem Mausoleum der Philanthropin Madame Fould und am Grabstein der Tragödin Rachel." Ueber die jüdische Abteilung des Montmartre-Friedhofs lesen wir (S. 79): „Daß sie an Prunk der Denkmäler den übrigen Grabstätten nicht nachsteht, bedarf kaum der Erwähnung, wieviel Tausende mag der Bankier Daniel Osiris an sein Zukunftsmausoleum gewandt haben, vor dem die Kolossalstatue Moses nach Michel Angelo thront? Nicht zu übersehen ist der tempelartige Prachtbau der Familie Millaud, geschmückt mit dem in dieser Abteilung öfter wiederkehrenden siebenarmigen Leuchter. Die große Marmorstatue des Komponisten Halevy zieht weithin die Aufmerksamkeit auf sich. Einem Aegyxtologen jüdischer Religion ist zum Gedächtnis seiner Verdienste ein großer ägyptischer Obelisk mit Hieroglyphen errichtet. Eins der interessanteren ist das Grabmal des Kupferstechers Gustave Levy. An einer Seite des granitenen Postaments, das vorn sein Bronzemedaillon trägt, ist unter Glas die Griginalplatte seines bestes Stiches eingelassen: das Madonnenbild „Fa belle jardiniere“ von Rafael aus dem Louvre; fein und klar jedes Strichelchen auf der glänzenden Metallplatte, das Ganze ein Werk jahrelangen Fleißes." Die einzige deutsche Grabschrift dieses Friedhofs fand Mollmann an dem in der christlichen Abteilung desselben befindlichen Grabmal Heinrich seines. Das $01 von dem „freisinnigen Wien" errichtete Marmordenkmal ist mit einer Büste des Toten, aber aud? mit einem Kreuz geschmückt. Unter einer von Rosen umgebenen Leier sind folgende Verse des judenchristlichen Dichters in den Marmor gegraben: „Wo wirdeinstdesLebensmüden Letzte Ruhestätte sein? Unter Palmen in dem Süden? Unter Linden an dem Rhein? werd' ich wo in einer wüste Eingescharrt voll fremder Hand? Oder ruh' ich all der Küste Eines Meeres in dern Sand? Immerhin! Mich wird umgeben Gottes Limine! dort wie hier, Und alz Totenlampen schweben Nachts die Sterne über mir." Jüdische Chronik» Der Berliner Genleiilderorstand bewilligte einen Jahresbeitrag für die durch derl Orden B'ne B'rith und den Gemeindebund angeregte Gründung eines Archivs für die deutschen Juden, in welchem widrige UrFinibeu und Aktellstücke aufbewahrt werden sollen. Der Sitz des Archivs soll Berlin fein. — Der jüd. Hilfsverein verausgabte vom Januar bis zum 1- Juni d. I. 210 000 M. für russische Inden. — Der Verein Esra spendete von $00 bis $04 42 604 M. für den jüd. Ackerbau in Palästina und Syrien. Im Königreich Sachsen entstanden neue Zweigvereine. — In Breslau überwies Frau Bertha Schottländer, die ihren 85. Geburtstag feierte, der jüd. Gemeinde 500000 M. für Wohltätigkeitszwecke. Ihr Verwandter, der Rittergutsbesitzer Julius Schottländer, errichtete aus Anlaß seines 70. Geburtstags eiue allen Religionsbekenntnissen zu gute kommende wohltätigkeitsstiftung von z Millionen Mark. — Der in Hannover verstorbene Konsul A. M. Simon hinterließ etwa 3 Millionen M. für Werke der Wohltätigkeit. — In Frankfurt a. M. fand die zehnte Tagung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes statt. Die Versammlung erklärte die Einrichtung von Bezirksrabbinaten für unerläßlich. — In Karlsruhe starb Dr. M. Ellstätter. Er war der erste jüdische Minister in Deutschland. Er stand bis 169z dem badischen Finanzlninisterium vor. — Der Wiener Stadtrat ordnete die Abschaffung des Schächtens in den städtischen Schlachthäusern an. Der israelitische Kultusvorstand erhob hiergegen bei der Statthalterei Einsprache. Diese hob das Schächtverbot auf. — Das zionistische Aktionskomitee beschloß, dem für den 27. Juli uad? Basel einberufenen Zionistenkongreß ein Triumvirat von M. Nordan, D. wolffsohn und O. warbnrg für die Leitung der Bewegung vorzuschlagen, ihm aber die Ausfürung des Ostafrika betreffenden Ansiedelungsplanes nicht zu empfehlen. — In verschiedenen Teilen Rußlands fanden Indenhetzen statt. Eine von Ministerialbeamten gebildete Kommission arbeitet ein Gesetz über die Regelung der Verhältnisse der russischen Juden aus. Dasselbe soll im September dem Reichstage vorgelegt werden. — Das von dem italienischen Könige Viktor Lmanuel III. begründete internationale Ackerbauinstitut wurde von einem Juden, dem Kaufmann und Landwirt David Lnbin in Franzisko, der vor etwa 50 Jahren nad? Amerika auswanderte, geplant und angeregt. — Die jährlichen Einnahmen der 65 jüdischen Gemeinden in Frankreich betragen 1058347, die Ausgaben 1005803 Francs.— Das englische Unterhaus.nahm die aufs neue eingebrachte Fremdenbill an. — Am Öiberg bei Jerusalem fand man das Grab eines Sohnes des Nikanor, welcher eins der Tore des Herodianischen Tempels erbaute, in der Umgebung des Syrischen Waisenhauses dasjenige der jüdischen Familie Besani, welches derselben Zeit angehört. — In Persien erweist fid? einer Mitteilung der A. I. U. zufolge die von dieser erst vor wenigen Jahren eröffnete erziehliche Tätigkeit als besonders segensreich. Mit der Errichtung von Schulen verschwinden die zu frühen Heiraten und die nicht seltenene Fälle von Polygamie, während die Zahl der Ehescheidungen bedeutend abnimmt. — Nördlich vom Sinai entdeckte Prof. Flinders petrie einen uad? dem Vorbild des Salomonischen Heiligtums erbauten, gut erhaltenen semitischen Tempel. — Die Zahl der Juden New- Horks stieg auf 675000, die der Synagogen und Bethäuser daselbst auf 280 (darunter 70 in eigenen Gebäuden). — Line dort seit 1890 bestehende Kolonisationsgesellschaft hat fast in allen Teilen der vereinigten Staaten jüdische Farmen errichtet. Am zahlreichsten sind die jüdischen Ansiedelungen in Connecticut, New-Hampshire und Massachusetts. Bitte. Um gefällige Einsendung des Iahrespreises (60 Pf. — 72 H. ö. W.) ersucht der Verleger I. windolff. Herausgeber: Prediger w. Becker, Wien III/i, Hainburgerftr. 21. — Schriftleitung und Verlag: I. Windolff, Berlin SW. \2 Eharlottenstr. 88. — Iahrespreis: 60 Pf. oder 72 H. ö. w. Druck von I. Windolff, in Berlin SW. 12, Lharlottenstr. 68.