Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 61 (1905)
- Issue
- 1 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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vibre 6mcth. 6in Olerteljatirsblatt für Israeliten und freunde Israels. 1905. 61. IceHvgcmg. Wo. l. Xntßaif: Die llTnttediebc in bei* Bibel. — Aus dem 96. Jahresbericht bei* L. I.-M. — Dr. Thomas Thaplin. — Zu Mose — Zu i. Mose 6, w ff. — Zu Ioh. 28 b. — Zu Apg. 20, 27. — Die Masaiueger in Gftafrika. — Line Zigeunergeschichle aus Palästina. — Iiibische Lhronik. — Zur Statistik. — Tobesfälle ^04. Die Mutterliebe itt der Mel. Die Bibel ist ein unerschöpflich reiches Buch. Nicht bloß Gottes perz offenbart sie uns, nicht bloß unser Herz deckt sie uns auf, sie läßt uns auch hineinsehen in das Innere zahlreicher Menschen, die in der heiligen Geschichte eine 2\olk spielen, und so schärft sie unser Auge für die uns allen so nötige Menschenkenntnis. Die bunte Menge der Personen, die in der Bibel auftreten, kann inan in verschiedenen Gruppen zusammenfassen, und das ist schon oft geschehen. Es gibt Aufsätze und Schriften über die Rinder, die Jünglinge, die Soldaten in der Bibel u. s. f. Im folgenden sollen die Mütter zusammengestellt werden, von denen die hl. Schrift erzählt. Da sich aber „Mutter" und „Liebe" in der Regel nicht von einander trennen lassen, so haben wir gleich unser Thema formuliert: „Die Mutterliebe in der Bibel", wenn auch nicht allen diesen biblischen Müttern ein unverkürztes Lob ihrer Liebe gezollt werden kann. Mir schauen zunächst ins Alte Testament. Auf einer der höhen desselben, im 2. Teile des Iesajabuches, will der Prophet die unbegreifliche Liebe Gottes zu seinem Volke klar machen. Dazu nimmt er den höchsten Maß stab der Liebe, den Menschen kennen: die Mutterliebe. „Rann auch ein Weib ihres Aindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? And ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen." Ies. d, \5. And wenn der Prophet die Süßigkeit des Trostes schildern will, mit denn der Herr sein Volk ermutigen möchte, so kann er nur sagen: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet." Ies. 66, \5. Er will also trösten mit jenen liebreichen Worten, die dem wärmsten Herzen entströmen und ins wunde Herz dringen wie heilender Balsam. Das ist ein Trost ohne Borwurf, ohne Forderung, nur ein Trost, der uns wieder aufrichtet. Als Echo klingt es aus den.Apokryphen nach: „Gott wird dich lieber haben als deine Mutter." Sir. % Welche Liebe! In solch zarten Tönen preist das Alte Testament die Mutterliebe. Darum achtet cs die Mutterliebe auch am Feinde. Nach 5. Mose 2\, \5 soll eine Kriegsgefangene erst einen Monat lang ihren Vater und ihre Mutter beweinen dürfen, ehe sie zu einer Ehe gezwungen werden kann. Das Band zwischen Eltern und Rind ist heilig, auch beim Feinde, selbst beim Tiere. Es hat etwas ungeniein Rührendes, wenn wir 3. Mose 22, 27 die Bestimmung lesen: Man soll das junge Rälbchen, Lamm oder Zicklein nicht vor dem siebenten Tag nach der Geburt seiner Mutter entreißen, uni es zur Schlachtung zu führen. Ebenso soll nach 2. Mose 25, st) das Böcklein nicht gekocht werden in seiner Mutter Milch. 5. Mose 22, 6f. wird sogar der Vögel gedacht: „Wenn du auf dem Wege findest ein Vogelnest auf eineni Bauni oder auf der Erde mit Jungen oder mit Eiern und die Mutter sitzt auf den Eiern, so sollst du nicht die Miitter mit den Jungen nehmen, sondern sollst die Mutter fliegen lassen und die Jungen nehmen, auf daß dirs wohlgehe und du lange lebest." Bei dieser Achtung des Verhältnisses zwischen Mutter und Rind selbst bei Feinden und Tieren ist es erklärlich, wenn das Gebot der Elternliebe immer wieder eingeschärft wird (2. Mose 20; 5. Mose st); 5. Mose 5), besonders in den Sprüchen Salomos (st 8; 6, 20; 25, 22; 50, \7). geht es fort bis hinein in die Apokryphen (Sir. 5, ); 7, 2)). Die härteste Strafe wird dem angedroht, der seinen Eltern die nötige Ehrerbietung versagt: auf störrigen Ungehorsam steht die Strafe der Steinigung (5. Mose 2st \8 ff.). Wer seinen Vater oder Mutter scklägt, soll des Todes sterben, ja, schon wer ihnen flucht, verfällt dieser Strafe (2. Mose 2st (5. \7). Aus den Sprüchen tönt solchen die schaurige Drohung entgegen: Ihr Licht soll verlöschen mitteil in der Finsternis