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Dibre Emeth · 1904-01-01 · 3 (1904) · page 1

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Journal
Dibre Emeth
Volume
60 (1904)
Issue
3 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dibre 6metb. Ein Vierteljaftrsblatt für Israeliten und freunde Israels. 1904. 60. Jahrgang. Y->. 3. InHcrkL: An klänge in Schillers Dichtungen an Bibel und Gesangbuch. — Dr. Th. Herzls Leichenfeier. — Neues aus Abessinien. — Bekenntnisse eines japanischen Christen. — Zu \. Mose — Zu Ies. 43, — Zu Matth. 5, u f. — Zum Nachdenken. — Aus Briefen von Missionsfreunden. — Zur Iudenfrage. — Inden und Heiden. — j)eter Rosegger über die heilige Schrift. — Jüdische Chronik. — Zur Statistik. — Antworten. Anklänge in Schillers Dichtungen an Mel und Gesangbuch. Eine ungemein reiche Gedankenwelt ist es, in welche die Beschäftigung mit den Werken unserer hervorragenden deutschen Dichter uns einführt. Was das Herz des Dichters an hoher Freude, an herbem Leid durchzittert: in seinen Liedern strömt er es aus. Er läßt uns so teilnehmen an seinem verborgenen Seelenleben. In begeisterten Rlängen preisen die Dichter den wonnigen taufrischen Morgen, die erquickende Rühle und Ruhe des Abends. Sie lenken den Blick aufwärts zu des Fimmels tiefdunklem Blau und den dahin eilenden, silberglänzenden Wolken. Sie verherrlichen den Glanz der nach uralten Gesetzen ihre Bahnen ziehenden Sterne und die Pracht des Mondes. Und wie haben sie unser deutsches Vaterland so lieb! Mit Entzücken reden sie von Deutschlands grünen Auen, wogenden Feldern und herrlichen Wäldern, von Deutschlands Felsen und Strömen, besonders dem sagenberühmten Vater Rhein. Aber auch nach fernen Gegenden und fremden Ländern führen sie uns. Sie versetzen uns im Geist auf Rußlands Steppen und eisigharten Schnee, wo die Heere des übermütigen Rorsen dahinsanken. Sie führen uns nach Ungarns weiten Ebenen, zu dem klassischen Gestade Italiens und zu seinen Gefilden, die so viel edles deutsches Blut getrunken haben. Auch die Zedern und Palmen des Morgenlandes, die braunen Söhne der Wüste sind ihnen nicht zu fern, daß sie nicht von ihrer Harfe Rlang besungen werden könnten. Ja, farbenprächtige Bilder sind es, die unsere Dichter vor unserm geistigen Auge entrollen. Und dann — deutsche Sagen und deutsche Geschichte, wie kehren sie wieder in unfern Dichtungen! Sie preisen deutsche Freiheit, deutsches Recht, Frauen- Liebe und Leben, deutsche Mannentreue, die willig für den angestammten Fürsten in den Tod geht. Heiß flammt der Zorn der vaterländischen Dichter auf, da sie sehen, daß ihr Deutschland von dem fremden Eroberer bezwungen und in schmähliche Rnechtschaft gebracht ist. Mit glühenden Worten legen sie da dem deutschen Volke die Zerbrechung der schmachvollen Reiten und den Rampf für die Freiheit des Vaterlandes an das Herz. Sie jubeln, als das deutsche Reich zu neuer Herrlichkeit erstanden ist. Sie jauchzen dem Raiser, dem Melden und Bräutigam Deutschlands, zu. Dieses und noch manches andere preisen die deutschen Dichter in ihren Gesängen. Aber so Großes und Schönes sie damit besungen haben: das Höchste und Beste haben wir noch nicht ausgesprochen. Wir Menschen stammen von Gott; nach Seinem Ebenbilde sind wir geschaffen. So ist auch unserm Wesen ein starker und tiefer Zug nach Gotteserkenntnis und nach Gottesgemeinschaft aufgeprägt. Gott offenbart sich uns in der Schöpfung der Welt, in der Geschichte der Völker und in Seinem Worte, besonders in dem Evangelium. Darum erreichen nach unserer Meinung die Dichter dann den Höhepunkt ihres geistigen Schaffens, wenn sie nach dem Maße des ihnen gegebenen Wissens und Rönnens in Übereinstimmung mit dem Evangelium, oder doch in Anlehnung an dasselbe das Dasein, das Wirken und Walten des großen Gottes besingen und so Führer der Menschheit zu ihrem einigen Helfer und Retter, dem hochgelobten Heiland Jesus Christus, werden. Von diesen Gesichtspunkten aus möchte ich an einigen Beispielen zeigen, wie bei unserm hochstrebenden Dichter Schiller, der nicht zu den positiven Christen gerechnet werden kann, doch manche Anklänge an die heilige Schrift und an christliche Gesänge sich finden. Eine erschöpfende Behandlung des Gegenstandes wird nicht beabsichtigt. Freuen würde es den Einsender, wenn er hiermit eine Anregung zu weiterem Forschen nach solchen Anklängen, namentlich aber zu weiterem Forschen in dem überaus teuern und herrlichen Gotteswort gegeben haben sollte.

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