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Dibre Emeth · 1904-01-01 · 2 (1904) · page 8

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Journal
Dibre Emeth
Volume
60 (1904)
Issue
2 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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zugeben, daß er in all den einzelnen Punkten, die er anführt, etwas Richtiges betont und ein Recht hat, die Herrlichkeit Israels zu preisen, wenn auch sein Buch manche kühne Kombinationen und Jrrtümer enthält. Aber gegen den Grundton des Ganzen sträubt sich unser christliches Empfinden. Dieser Grundton ist der des Rühmens der eigenen Vortrefflichkeit, der Geist des Leistens Gott gegenüber, des verdienens durch die eigene sittliche Anstrengung. wir sind Luther, Paulus, vor allem unserm Herrn Jesus Christus dankbar dafür, daß er uns von diesem Judentum freigemacht und uns den Blick geöffnet hat für das wahre Wesen des Menschen und die Gnade Gottes, für die allein wahre Religion, d. i. für die Gestaltung des religiösen Verhältnisses, welche durch die Worte: „Gerechtigkeit allein aus dem Glauben" bezeichnet wird. Was könnte der Mensch leisten, daß er vor Gott bestehen könnte? Ls wäre eine Beleidigung für den Vater, sollte das Rind die Liebe seines Vaters irgendwie beanspruchen oder verdienen. Liebe läßt sich nicht verdienen. Gottes strenges Richterauge sieht die Sünde, besser noch als wir sie sehen, und dennoch liebt er den Menschen. . . wissen die Propheten ebenso von Israel zu rühmen wie Güdemann? Alle Propheten sind voll der Klage über Israel, was Güdemann schildert als das Wesen des Judentums ist doch schließlich, wie er selbst zugeben muß, ein Ideal. Was davon Wirklichkeit war, ist und sein wird, ist allein die Tat des Gottes, der da ist alles in allem." Wie Fiebig hervorhebt, klingt uns jener falsche Grundton nicht nur aus der 1902 erschienenen Schrift des Wiener Oberrabbiuers über das Judentum, sondern aus dem Judentum als solchem entgegen. _ Köer die Juden in Mexiko verbreitet sich ein Artikel des „American Israelite“, den die A. Z. d. I. ($03, 5. 390) wiedergibt. Hiernach leben im ganzen Lande 500 jüdische Familien oder 2000 Seelen. Die meisten sind als arme Leute eingewandert. Sie suchen so viel zu verdienen, daß sie endlich in einer europäischen Stadt von den Zinsen leben können. Auch in Mexiko ist der Jude der erfolgreiche Kaufmann. Seine religiöse Ligenart zu betätigen, hat er weder Zeit noch Gelegenheit. Das Judentum ist für ihn eine Erinnerung. Lr verbirgt Raffe und Religion vor den Katholiken, schließt sich aber auch andern Juden nicht an. Jüdische Gemeinden und Vereine gibt es nicht. In den: „nicht immer fairen Kampfe", den der Linwanderer führt, bewahrt er seinen verwandten treue Liebe, und er beweist dieselbe mit der Tat. Dagegen hat er für den Armen nichts übrig. Dieser geht unter, da er die anderswo vorhandenen jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen in Mexiko nicht vorfiudet. In religiöser und sozialer Hinsicht sieht es unter den dortigen Juden überaus traurig aus. Sie selbst sind hierfür verantwortlich zu machen. Sie sind, wie unser Bericht sagt, „moralische Feiglinge". In Mexiko besteht volle Religionsfreiheit, aber die Juden wagen es nicht, ihren Glauben zu bekennen. In den letzten Jahren versuchte man nur eininal, einen Jom-Kippur-Gottesdienst abzuhalten. — wo bleibt da die Heiligung des göttlichen Namens seitens der zerstreuten Söhne Jakobs, von welcher die A. Z. d. I. sonst (z. B. $03, S. 562) so viel Schönes zu sagen weiß? __ Aus der jüdischen Presse. wir klagen über den Untergang eines Reiches, indem ein Gesetz, ein Recht galt, wie für den Einheimischen, so für den Fremden. (A. Z. d. I. $03, 5. 362. Gegen 5 Mose 14,2p, 17,15; 23, 20 u. a. St.) — Das Heiligtum sank in Trümmer, auf daß Israel inmitte,l der Völker Gott das Heiligtum seiner Erkenntnis und Verehrung errichte. (Lbd. Gegen 5. Mose 28, 20; Luk. 21, 22 f.) — Allen Ansprüchen unserer Zeit genügen noch die im Talmud enthaltenen ethischen Vorschriften und Anschauungen. (S. 373. In Wahrheit steht die Minderwertigkeit der talmndischen Ethik fest, und auch die alttestamentliche zeigt manche Unvollkommenheiten.) — Unser ganzer Gottesdienst ist auf den äußeren Effekt berechnet. Mehr Einfachheit, Natur, wahre Andacht und weniger eitle Selbstgefälligkeit könnten unserm Gottesdienste nur zum Nutzen gereichen. (S. 376.) — Ls fehlen uns die Leute. An dieser „Leutenot" kranken unsere Kolonisationsversuche. wir müssen so lange warten, bis ein neues und besseres Geschlecht entstanden ist, welches uns mit anspruchslosen Bauern, mit sachverständigen und pflichtgetreuen Beamten versorgen könnte. (S. 385.) —- Ob unsere gegenwärtige, für uns Juden so tieftraurige Zeit dazu angetan ist, die zweite Hälfte des Abh ha Racliamajim- Gebetes (die Verwünschung der Feinde Israels) zu streichen, überlaffe ich dem Solidaritäts- und Pietätsgefühl der jüdischen Gemeinden. (S. 396. Gegen Röm. 12,19.)— Die Armen (die Herren Rabbiner) haben mit der Misere unseres Gottesdienstes während des ganzen Jahres so viel zu schaffen, daß wir es ihnen nicht verübeln, wenn sie während der Erholungszeit gerne aus der Kutte springen. (S. 425.) — Der Großrabbiner laß in der Nähe der Chorknaben, ohne scheinbar das Entehrende dieser „Andacht" (eines Jom-Kippurgottesdienstes in Kairo) zu empfinden, da er sie wohl von jeher in diesem Stile kennt. (S. 511.) , welch ein Jammer, zu sehen oder noch mehr zu hören, wie sich dies Publikum in den Synagogen (Österreichs) benimmt! (Dies wird besonders im Hinblick auf die „Herbstmanöver" im Thifchri gesagt.) wie auf einem Schlachtfelde braust und stürmt es hier. (S. 521.) — Die Juden Deutschlands sind in Wahrheit gar kein einheitlicher Organismus, der gemeinsame Interessen hat. Nichts positives hält uns zusammen, sondern nur das negative Moment des gemeinsamen Bedrücktseins. (S. 568.) — was ist den meisten dieser „Auchjuden" ihr Judentum? Lin Bleigewicht, das, wie sieI.fagen, mitgeschleppt wird, das sie an der vollen Entfaltung ihrer nach großen Zielen strebenden Persönlichkeit hindert. In den Gemeindestuben sprechen meist diejenigen, die nichts zu sagen haben. Das Heil erblickt man gar oft in der Anstellung von Rabbinern, denen während des ganzen Jahres kein Mensch zuhört, weil ja an gewöhnlichen Sabbaten die Synagogen meist von Öde und Leere starren. Die wahrhaftigen Bedürfnisse unseres Judentums kennen nur wenige unserer Gemeindevertreter. ($04, S. 42.) — Selbst die Superiorität der jüdischen vor allen andern monotheistischen Religionen ist eine keineswegs von allen Juden ausnahmslos anerkannte Tatsache. (S. 49. Manche vermögen eben die Stimme des Gewissens, welche den Christenglauben als die höchste Form des Monotheismus bezeichnet, nicht zum Schweigen zu bringen.) Zur Statistik. Im Dezember $00 zählte Österreich 1224 899 Juden gegen 1 $3 305 i. I. 1890 und 1 005 394 i. I. 1680. Die Juden vermehrten sich von 1890—1900 nur um 81594, dagegen von 1880—1890 um 137 911* — Bulgarien zählte zu derselben Zeit 33 663 Juden, 6000 mehr als i. I. 1895. — Petersburg hatte i. I 1900 unter 1439615 Einwohnern 20 585 Juden. — Unter den 50 000 jüdischen Bewohnern Konstantinopels gibt es 1200 Handelsgehilfen, 1000 selbständige Geschäftsleute. Nur 100 Familien gelten für reich, 500 leben vom Bettel, 2000 vo.n Hausiergewerbe, 5000 vom Kleinhandel. •— In der Stadt Saloniki leben 70 000 Juden, in der ganzen Provinz 80'000. Aber nur 7584 jüdische Kinder besuchen in dieser Provinz die Schule. Hmpfaugsvescheinigung. I. Hr. R.-A. 0,90. Fr. R.-B., Frl. K.-Sch., Hr. Hptm. S.-S h., Hr. Pf. V.-K.'je 1. Hr. P. F.-Gr., Hr. P. M.-w., Hr. P. K.-L. je 1,20. Hr. Pred. M.-B. 3. Hr. O.S.-H. 5,40. Diak. W.-A. 124-4,80. — II. Fr. deM.-B. 1,80. Hr. Fl.-K., Hr. Pr. V.-K., Frl. B.-Gn. je 3. Hr. Pr. R.-N.,..Hr. M.-St., Fr. R.-Dr. je 5. Frl. J.-B., Hr. R.-Lüb., Hr. Ü.-H. je 10. Frl. L. u. W.-A. 12. Fr. M.-Br. 23. Herzlichen Dank! Herausgeber: Prediger w. Becker, wlen II1/i, Hainburgerftr. 21. — Schriftleitung und Verlag: I. windolff, Berlin SW/ l2' __ Charlottenstr. 88. — Jahrespreis: 60 Pf. oder 72 H. ö. w. _ Druck von I. windolff in Berlin SW., Charlottenstr. 88.

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