Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 60 (1904)
- Issue
- 1 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dibrc 6metb. €in vlerteljahrsblatt für Israeliten und Freunde Israels. 1904. 60. IcrHvgcrng. Wo. i. Arrhcltt: Das diamantene Jubiläum der „Dibre Lmeth". — Zum hundertsten Geburtstage I. T. Becks. — Der 95. Jahresbericht der £. J.-M. — Lin Brief aus Abessinien an Missionar Flad. — Johann Moses Eppstein. — Zu Jes. 8, *0. — Zu Jesaia 53. — Zu Mat. 5,^. — Zum Nachdenken. — Line römische Bibelgesellschaft. — Die Judenfrage. — Schätze im Staube. — Jüdische Lhronik. — Bücherbericht. — Todesfälle *903. Das diamantene Jubiläum der „Dibre Cmeth". Da unsere Zeitschrift \8^ begründet wurde, so können wir jetzt ihr diamantenes Jubiläum feiern. Obwohl der Wechsel der Zeit mancherlei Änderungen mit sich gebracht hat. dient doch dies Blatt noch immer denselben Zwecken. Wie vor 60 Jahren, so sucht es noch heute Israel und der Christenheit die Wahrheit in Liebe zu verkündigen. Wir wären sehr dankbar, wenn recht viele Empfänger der „D. <£•" unserem Blatte ihre Mitarbeit als eine Iubiläumsgabe schenken wollten. Gerne nehmen wir auch jeden guten Rat mit Bezug auf die Auswahl und die Bearbeitung des Lesestoffes entgegen. Ebenso begrüßen wir mit Freuden alle Bemühungen um die Erweiterung des Leserkreises. Dem Gotte Israels, dem Vater unseres ^errn Jesu Ehristi, sei diese Zeitschrift für die Zukunft anbefohlen. Bum hundertsten Geburtstage J. T. Becks. Am 22. Februar \80^, \0 Tage nach Kants Tode, wurde zu Balingen in Württemberg Johann Tobias Beck geboren, einer der einflußreichsten Theologen der Neuzeit. Seine Größe bestand in seiner Demut gegenüber der heiligen Schrift. Er selbst sagte in der predigt, mit welcher er sich \836 von der Mergentheimer Gemeinde verabschiedete: „Alles, was ich vor manchen mag voraus haben, freudig bekenne ich es, von meiner Bibel habe ich's empfangen, die von Jugend an mir lieb und wert war und Kräfte mir darreichte, daß ich manchen in meinen Freund und fleißigen Zuhörer verwandelte, der anfangs nicht nur mir, sondern dem Lhristentum und dem Gottesdienst überhaupt abhold war". Alsprofeffor in Basel machte er mit seiner Bibelkenntnis einen so großen Eindruck auf seinen Amtsgenossen Hagenbach, daß dieser urteilte, seit Luther habe niemand mehr mit einer solchen, an Bachs Orgelspiel erinnernden Gewalt in die Tasten des Gotteswortes zu greifen vermocht wie Beck. In die Bibel feine Schüler einzuführen, war in Basel und später in Tübingen sein vornehmstes Bestreben. Er rief ihnen zu: „Lesen Sie in der Bibel ohne viele Kommentare, aber mit einem nach der Wahrheit suchenden Herzen! Lesen Sie vorwärts, bis Sie an eine Stelle kommen, welche Sie in Ihrem Kerzen und Gewissen trifft! Da bleiben Sie stehen und lassen das Wort in sich wirken! Lesen Sie weiter, und wenn Sie an eine Stelle kommen, welche Sie nicht verstehen, oder welche Ihnen anstößig ist, so lassen Sie dieselbe einstweilen liegen, und lesen Sie weiter! Beten Sie ernstlich, und suchen Sie nach dem Wort zu leben, so werden Sie immer mehr Klarheit bekommen. Schülergehorsam gegen die Schrift ist die erste Bedingung zur Erkenntnis der ewigen Wahrheit". Einem Schüler schrieb er: „Ich kann Ihnen aus Erfahrung sagen: Darren Sie nur aus in der Zucht der Wahrheit, bleiben Sie im Wort, so wird es sich aus der Gärung hervor zur inneren Wahrheit konsolidieren, daß Sie Erkenntnis und Freiheit bei sich finden". Der Mittelpunkt des Gotteswortes aber ist der eingeborene Gottessohn. Von ihm bezeugte Beck am Grabe eines Jünglings in Mergentheim: „Jesus Ehristus ist Gottes Sohn, und wenn ich das nicht glaubte, wenn ich nicht wüßte, daß er für mich gestorben und auferstanden ist, so möchte ich kein Mensch mehr sein". In einer \85\ entstandenen wissenschaftlichen Arbeit behandelte er die messianischen Weissagungen des A. T. Er zeigt hier, daß eine göttliche Weltordnung sich durchs Gewebe des menschlichen Lebens zieht. Israels Geschichte sollte den Fortschritt zum Vollkommenen, den Sieg des Guten über das Böse, das Zurückweichen der Finsternis vor dem Lichte darstellen. Je weniger das Volk im allgemeinen diesem Ideal entsprach, um so kräftiger wurde es durch die Propheten geltend gemacht, und zwar schilderten diese das ideale Israel in der