Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 59 (1903)
- Issue
- 2 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2554541-2555092-2555094--10247-2566484- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dibre 6metb. €ln Vierteljahrsblatt für Israeliten und Freunde Israels. ||^ 1903. SS. Jahrgang. Wo. 2. IrrHcrkt: In Karlsbad. — wiener Zwiegespräche. — Lin judenchristlicher Uhrmacher in Nordafrika. — Die Astrologie bei den Babyloniern und bei den Hebräern. — Gedanken eines Juristen über Luk. ^7,5. — Zu Psalm 8,3.^— Der Fortschritt der evangelischen Mission ein Fortschritt der Humanität. — Zu 2. Mose 4, \o ff. — Die wahre Sühne. — Zu Micha 6,6. — welche Brücke führt von der Lrde zum Fimmel? — Jesus meine Liebe. — Zum Nachdenken. — Der reichste Mann der Welt. — Kleine Missionszeitung. — Misstonsopfer. — Lin verlorener und wiedergefundener Sohn Abrahams. — Aus der jüdischen Presse. — Zur Statistik. — Bücherbericht. — Antwort. In Karlsbad stellte sich dem Berliner Hofprediger Frommet ein wohlhabender Pelzhändler mit der Erklärung vor: „Ich halte wenig von der Religion. Gott Vater lasse ich mir noch gefallen, denn er ist ja zu notwendig. Aber mit Gott Sohn weiß ich garnichts anzufangen." Fromme! erwiderte: „Da wird sich ja Gott freuen, daß Sie ihn noch leben lassen." Auf seine Frage erfuhr er, daß der Pelzhändler 6H Jahre alt und zum erstenmal in Aarlsbad war. Da der Mann sich bisher einer guten Gesundheit erfreut hatte, war er früher nie dorthin gekommen. Erst Schmerzen in der Leber, die von Gallensteinen herrührten, hatten ihn auf ärztlichen Rat ins Bad geführt. Jetzt sagte Frommei: „Also 6^ Jahre lang konnten Sie mit Aarlsbad nichts anfangen, aber weil Sie Gallensteine haben, kommen Sie hierher. Sehen Sie, nicht weit von der Leber ist noch so ein fatales lebendiges Ding: das nennt man Herz, wenn es einmal da drinnen anfängt zu drücken — und das sind die Sündensteine —, da werden Sie auch nach einem Heiland, nach einem Arzt, nach Gottes Sohn gehen, der Ihnen nun schon 6H Jahre links am Wege liegt." Gegenüber dem Rat, den der Pelzhändler von seinem Arzt empfangen hatte: „Nach Aarlsbad! Nichts als nach Aarlsbad! Das hilft I" — gab Fromme! die Losung aus: „Nach einem Heilandl Nichts als nach einem Heiland! Das hilft!" Seine Antwort brannte dem Pelzhändler auf dem pelz. Derselbe stand auf und ging fort. Ob feine Seele kuriert wurde, wird die Ewigkeit offenbaren. Als der katholische Bischof Sailer im Juli s7W zum erstenmal in Aarlsbad weilte, gab er die dort empfangenen Eindrücke mit folgenden Gebetsworten wieder: „wie vielerlei Menschengestalten! Ehristen, Juden, Hohe, Niedere, Gelehrte, Ungelehrte, weise, Toren, Reiche, Arme wandeln hier unter einander, suchen alle, wie sie sagen, Gesundheit, und nicht alle finden, was sie suchen. Es steht mir die wahre Quelle des Lebens vor Augen. Lehre Du mich Dich suchen! Denn Du bist allen Suchenden nahe, lässest Dich von jedem finden, der Dich sucht von ganzem Herzen, wie süß bist Du dem Sucher sckon! was mußt Du erst dem Finder fein! Das Lhristentum ist ein göttlicher Gesundbrunnen und hat auch das Los eines Gesundbrunnens: denn s. es kommen nicht alle Aranken zum Gesundbrunnen; 2. es kommen nicht alle aus dem Triebe, gesund zu werden; 3. es trinken nicht alle aus dem Brunnen, wie sie könnten und sollten; H. es verhalten sich nickt alle Aurgäste vor und nach dem Gebrauch der Quelle, wie sie sollten. Deshalb macht der Gesundbrunnen so wenig gesund. HErr, lehre mich Deine Weisheit kennen und verleihe, daß ich durch sie gesund und in Dein Ebenbild verklärt werde!" Wiener IwiegesjirSche. Ich lese nur juristische Sachen, was soll ich mit den Psalmen anfangen? — Auch in den Psalmen finden sich manche Worte, an denen ein Rechtsgelehrter seine Freude haben kann, z. B. „Recht muß doch Recht bleiben" (ps. 9^, s5). Die Religion der Psalmen schließt das Recht nicht aus, sondern ein. So heißt es einmal von Gott: „Im Reiche dieses Aönigs hat man das Recht lieb" (Ps. 99, ^). — Die Rechtssatzungen, die für mich maßgebend sind, stehen nicht in den Psalmen. — Aber die ewigen Grundlagen des Rechts werden Ihnen hier enthüllt. Übrigens enthält das Bücklein, welches ich Ihnen vorlegte, auch das ganze Neue Testament. -— Aber das hat ja für mich als Juden erst recht keinen Wext. — Das Neue Testament ist für jeden denkenden Menschen von wert, für einen Israeliten muß es