Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 59 (1903)
- Issue
- 1 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 alle Tage die vor 100 und 1000 Jahren Gestorbenen zu uns Lebenden kommen und unter uns wandeln sehen, als lebten ne noch. Durch ein Buch spricht der weise zu den weisen und zu denen, die cs werden wollen, ehe sie greisen; freilich zuweilen auch ein Tor zu Toren und zu denen, die es bleiben. Das Luch zieht den Kleinen groß, bringt den Niedrigen empor, erweitert einem jeden die Welt. Ein Buch ist der Schwachen Schutz, der Gewaltigen Furcht, tröstet beit Traurigen, leistet dem Einsamen Gesellschaft. (Klaus Harms.) z. Das Gebot des Gehorsams gegen die Eltern ist nicht aufgehoberr, wenn es da nicht befolgt wird, wo es zur Sünde wider Gott führen oder der Nachfolge Jesu tm Wege stehen würde. Ls ist etwa so, wie wenn man ein Stück Eisen gegen die Stubeudccke wirft, an der ein starker Magnet befestigt ist: es wird dort hängen bleiben, nicht daß das Gesetz der Schwere an sich aufgehoben wäre, aber es ist in seiner Wirkung neutralisiert durch das höhere Gesetz der magnetischen Kraft. (£?. C. Leitner.) gübifdje ßhronik. In Berlin wurde eine Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums gegründet. — In einer Berliner Buchhandlung erschien die berüchtigte Schrift „Tholedoth Ieschu" in neuer Ausgabe mit einer deutschen Uebersetzung. Der jüdische Gelehrte, welcher dies „Leben Jesu nach jüdischen Quellen" wieder veröffentlichte, heißt Sam. Krauß. — Der 1901 in Berlin entstandene „Hilfsverein der deutschen Juden" zählt bereits über 3000 Mitglieder und vereinnahmte mehr als 100 ooo Mark. In Frankfurt a. M. entstand ein Zweigverein. Galizien und Rumänien waren die eigentlichen Arbeitsgebiete. — Der wiener Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien führte an verschiedenen Orten eine weibliche Heimarbeit, die Herstellung von Haarnetzen, ein. Außerdem begründete er hauptsächlich für Männer eine Holzwarenindustrie. — Bei den Landtagswahlen in Nieder- und Gberö st erreich trug der .Antisemitismus den Sieg davon. — In Moskau starb der jüdische Maler Isaak Askenasy. — In Czenstochau verursachte die Mißhandlung einer Christin durch einen Juden eine Erhebung der christlichen Bevölkerung gegen die jüdische. In dein Prozeß, welcher die Folge des Aufstandes war, wurden 54 Angeklagte zu Gefängnisstrafen verurteilt, 21 freigesprochen. — Der französische Antisemitismus veranlaßte die angegriffenen Juden zur Bildung eines Abwehr- und Schutzvereins. — Die jüdischen Literaturvereine in England traten zu einem Derbande zusammen. — In London wurde zum fünften Mal ein Israelit Lordmayor. Der Neugewählte, Sir Markus Satnuel, nimmt in der Handelswelt einen hervorragenden Platz ein. Auch in West min ster und Gravesend wählte man Juden (Ieffel und Davis) zu Bürgermeistern. — vor etwa 150 Jahren wurden von den Muhammedanern der persifcben Stadt Mesch ched viele dortige Juden ermordet. Die Überlebenden nahmen den Islam an. Ihre Nachkommen blieben aber als „Dschediden" (Neubekehrte) von der übrigen Bevölkerung getrennt. Noch jetzt giebt es in Meschched 5000 Dschediden. Diele sind nach Merw ausgewandert, wo die russische Regierung sie als Juden behandelt. — Palästina wurde von der Cholera heimgesucht. Diele Juden griffen zu Zaubermitteln, z. B. Amuletten, um sich gegen die Krankheit zu schützen. — Eine Kundgebung des Nordamerika ui scheu Staatssekretärs Hay richtete sich gegen die Behandlung, welche die Juden Rumäniens von ihrer Regierung erfahren. — Im Teinpel der Gemeinde „Kneseth Iisrael" zu Philadelphia wurden vier Wandgemälde angebracht. Dieselben stellen den Zug durchs Rote Meer, die sinaitische Gesetzgebung, Jeremias Klage um den Fall Jerusalems und die Grundsteinlegung zum zweiten Tempel dar.! Zer Statistik. j Bei der Dolkszähluug von 1900 lebten von den 586948 Juden drs Deutschen Reiches 592322 in Preußen, und zwar! hatte Berlin 92206, Rheinland 52250 Hessen-Nassau 46105, j Schlesien 47586, Posen 55327, Brandenburg 25766, Westfalen 20640, Westpreußen 18226,^ Hannover 03393, Ostpreußen'13 877, Pommerns 10880, Sachsen 8047, c Schleswig-Holstein ' 3486, Hohenzollern 532. von den übrigen deutschen Staaten hatte Bayerr'l 54928 (die Pfalz allein 44820), Elsaß-Lothringen'32.379, Baden 26 032, Hessen 24486, Hamburg 17949, Sachsen 12416, Württemberg 11916, Braun schweig 1824, Meckl.-Schwerin J763, Anhalt 1605, Bremen 1409, Oldenburg 1359/Sachs.-Meiningen 1551, Sachs.-Weimar 1188, Lippe 879, Lübeck 670, waldcck 637, Sachs.-Koburg-Gotha 608, Meckl.-Strelitz 331, Schaumburg-Lippe 257, Reuß j. L. 178. Schw.-Sondershaujen 166, Sachs.-Altenbnrg 99, Schw. Rudolstadt und Reuß ä. L. je 48. 2fuf 1000 Einwohner entfallen im ganzen Reich 10, in Hcnnburg 23,4, in Hessen 21,9, in Elsaß-Lothringen 18.8, in Baden 14, in Preußen 11,4 Juden (in Berlin 49, in Hessen-Nassau 25, in Posen 15, in Sachsen und Schleswig-Holstein je 5\ Don 1871—1900 nahm die Zahl der Juden um 74795 zu. In' Prozenten betrug die Zunahme 14,6, während) sich k die Katholiken um 36,7, die Evangelischen um 37,7, die sonstigen Christen tun 147,9 Prozent vermehrten. Also"zeigt der Anteil der^Iuden an der Gesamtbevölkerung eine Abnahme. Todessässe7l902. Frau Baurat Schick: 4. Jan./" Jerusalem. — Frau P. $(ab: 2. Febr., Tunis. — P. I. Zeller: 19. Febr., Jerusalem. — P. A. Denetianer: 27. Febr., Uj Soovü. — P. w. Presse!: 17. März, Cannstatt. — Kolp. Britschin: 22/Wärz, Königsberg. Frau Miss. Blum: 25. Mai, Spandau. — Frau Direktor M. Schneller: 25. Mai, Jerusalem. — Miss. sH. Silberbusch: 28. Mai,? (Atnerika). — Baum. Th. Sandeb: 1. Juni, Jerusalem. — Frau Miss. Ehrlich: 8. Juni, London. — Miss. L. C. Mantlock (Paris):! 4. Aug.,? (England). — Frau'P. C. Hartmann: i?.^Aug., Breslau. — Erzbischof I). Temple:' 23. Dez., London. Antworten. Harnack sagt in seiner Geschichte der altchristlichen Literatur: „Es hat eine Zeit gegeben, in der man die älteste christliche Literatur einschließlich des Neuen"Testamentes als ein Gewebe von Täuschungen und Fälschungen beurteilen zu müssen meinte. Diese Zeit ist vorüber. Für die Wissenschaft war sie eine Episode, in der sie vieles gelernt hat, und nach der sie vieles"vergessen muß. Die älteste Literatur der Kirche ist in den Hauptpunkten und in den meisten Einzelheiten,"' literarhistorisch betrachtet, wahrhaftig und zuverlässig." — Als der größte Bekämpfet des Talmuds giltf Leo deModenay der zur^Zeit des 30jährigen Krieges in veuedig als Rabbiner lebte. Sein Buch „Kol SLkhLl" (Die Stimme des^Toren)" wurde im Jahre'1902 in Breslau wieder abgedruckt. — Durch Förderung der Kolonisation würde die türkische Regierung sich selbst dienen. Als die Ländereien, welche jetzt die deutsche TemplerkoloniefSarona ausmachen, den Eingeborenen gehörten, lieferten^ sie jährlich nur einige Hundert Franks Steuerertrag. Heutzutage aber fließen von dort 20 bis 30 000 Franks^ der^'Staatskaffe^zu. 1 Empfangs - ZSescheinigung. In deutscher Währung: Fr. R.-Berlin 1,50. Hr. P. M.- Berlin 5. Hr. Iac. web. 86u. Wiesb. 4. — In österr. Währung: Fr. D.-Hbg., Frl. B.-Gnad., Frl.^G.-Heid., Hr. P. V.-Kl. je 3,50 Fr. R.-Pl., Hr. M.-Stuttg.' je 5,85. Hr. Sup. D.-Iann. 9.94. Frl. I.-B. 11,70 Hr. P. D.-Lüb. 14,05. Frl. L. u. Frl. W.-A. 14,06. Hr. P. Cr.-D. 14,93. Frl. D.-Fettb. 21,06. Fr. M.-Bresl. 29,69. Herzl. Dank! Herausgeber: Prediger w. Becker, Wien III/0 Hainburgerstr. 20 ~ Schriftleitung und Derlag: I. Windolff/Berlin SW. 12, Charlottenstr. 68. — Iahrespreis: 60 Pf. oder 72 H. ö. w. Druck von I. Windslff in Berlin SW., Charlottenstr. 88.