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Dibre Emeth · 1903-01-01 · 1 (1903) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
59 (1903)
Issue
1 (1903)
Date
1903-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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haßten und beleidigten, verzieh er. Später beteiligte er sich an der Verbreitung christlicher Blätter, z. B. der „Zeugnisse eines alten Soldaten," die General von Viebahn herausgibt. Der bekehrte Sträfling hat selber seine Geschichte erzählt. Blau findet sie in der dritten Auflage des von dem Lehrer Mühler verfaßten Buches „Dein Glück" (Duttweida, polytechnische Buchhandlung; Preis Mk. (,50). Auch an manchem Israeliten erweist sich das Neue Testament fort und fort als einen Wundertäter, indem cs mit seiner Predigt von der Liebe des menschgewordenen Gottessohnes die erstarrten Kerzen schmilzt und ein neues Leben begründet. Aus dem >14. Jahresbericht der L. J.-M. Die Israeliten, mit denen die Mission zu tun hat, vertreten die verschiedensten Denkweisen. Blanche stecken noch Lief im Talmudismus. In London brachte ein Mann eine in Papier gewickelte Geldmünze, um für dieselbe ein hebräisches Altes Testament zu kaufen. Ts war ein Sonnabend, als er sich mit diesem Wunsch bei denn Kolporteur einstellte. „Ich habe das Geld in Papier gewickelt," sagte er, „weil ich am Sabbat kein Geld tragen darf." Der Aolporteur wies nun darauf hin, daß die jüdischen Überlieferungen das Gesetz Gottes entkräftet haben. In Liverpool antwortete eine Frau auf die Frage, wohin sie beim Sterben zu kommen denke: „Im Lhumesch (den fünf Büchern Moses) steht geschrieben, daß man nach dem Tode an den Strafort kommt, wo Feuer und alles Böse ist. Aber ich fürchte mich davor nicht, denn ich habe sechs Söhne, die für mich Kaddisch (das Gebet für die Toten) sagen werden. Nach vier Wochen werde ich dann in den Garten Eden eingehen." Der Frau wurde erwidert, daß nichts Derartiges in den fünf Büchern Moses stehe. Gott sagt: „Die Seele, die sündigt, ( soll sterben," und „Das Blut bewirkt die Versöhnung! für die Seele". Seit der Begründung des neuen! Bundes gilt der Satz: „Das Blut Jesu Thristi, des! Sohnes Gottes, macht uns rein von aller 5ünde."! Die Eltern eines kranken Mädchens in Tunis wandten > alle möglichen Buttel an, von denen sie sich Heilung versprachen. Einmal versuchten sie die Krankheit durch Musik und Tanz hinwegzuzaubern. Es wurden Frauen bestellt, welche wie Beseffene umher-! sprangen. Aber der Zustand der Kranken verschlimmerte sich nur, und endlich kam der Tod.! Neben dem Aberglauben steht der Unglaube. In! einer englischen Stadt sagte ein Jude: „Ich bin j ein Freidenker aus Verzweiflung." Der Mann! behauptete: „Während der sechs oder sieben Jahre,? die ich in England zugebracht habe, ist nicht ein ein-; ziger Rabbiner an mich herangetreten, uni über geist-; liche Dinge mit mir zu reden." Und doch findet die; Predigt des christlichen Glaubens inmitten Israels! oft freundliche Aufnahme. Dies ergibt sich auch! aus den nachstehenden Mitteilungen. Der Seufzer des gekreuzigten Heilandes: „Vater, i vergib ihnen!" usw. (Luk. 25,5^) entlockte einem! Israeliten in London den Ausruf der Freude: „Jetzt j weiß ich, daß meine Hände an dein unschuldigen! Blut rein sind, und daß Gott mir verzeiht, denn er | hört stets die Gebete seines Gesalbten." (£iu russischer | Rabbiner beantwortete die ZuschriftIines in Bristol wirkenden Missionars mit folgenden Worten: „Ich weiß nicht recht, ob ich Sie für Ihren Brief segnen oder verfluchen soll. Wein Friede ist dahin, ineine Ruhe ist gestört. Ich kann weder essen und trinken, noch schlafen, da ich beständig au das denken muß, was Sie mir schriebeil. Meine Familie wundert sich über liiich und hält niich beinahe für verrückt. Was soll ich sagen? Wenn Sie recht haberi, so verdienen wir Juden in der Meerestiefe ertränkt zu werdeil. Aber ich kann kaunr glauben, daß unsere Rabbiner so jänimerlich geirrt haben. Schreibeil Sie trotzdeiii weiter an inich! Sie könneil dazu beitragen, mir den Frieden wiederzugeben." Eill anderer russischer Rabbiner schrieb all denselben Missionar: „Ihre Flugblätter haben in unserer Stadt eine förmliche Bewegung hervorgerufeil. Rönnen Sie uns nicht noch mehr derartige Schriften senden? Viele meiner Freunde haben das Neue Testainelit gekauft, versteheil es aber leider nicht, da sie nienlaild haben, der es ihnen erklärt. Ich bitte iloch einmal: Senden Sie | uns mehr Bücher!" Beachtenswert ist auch folgendes Schreiben eines jungen Mannes: „Wir gehöreil einer Rabbinerschule an und schätzell solche Worte sehr. Schreibeil Sie wieder, uild senden Sie uns mehr Traktate, da wir nach der Wahrheit dürsten! Wir erk'enlleil jetzt, daß der Gott Israels zugleich der Gott der andern Völker ist. Wir leugnen auch nicht, daß Jesus von Nazareth der Messias ist." Eill wohlhabeiider englischer Jude in Swansea, welcher dem Boten des Heils zuerst die Tür gewiesen hatte, führte mit demselben später zahlreiche religiöse Gespräche. Als er krank wurde, war das Neue Testamellt das einzige Buch, welches er las. Nach seinenr Tode lag es unter feinem Kopfkissen. In Rotterdam spie ein Fanatiker 5em Missionar ins Angesicht. Nach eilliger Zeit bat er ihn um Verzeihung. Als er dann voll öemfelbeu das Heil verkündigen hörte, welches rnls Iefll Blut verschafft hat, wurde sein hartes Herz völlig erweicht, unb er bat den Christen: „Betell Sie mit mir!" Einige Männer, welche in der gleicheil Stadt Neue Testamente erhielten, küßtell die Bücher, tallztell vor Freude uwb riefen: „Gott sei Dallk, daß wir jetzt frei sind und das Neue Testalllellt lesen dürfell!" Eill Schächter in Tiberias verlor sein Brot, weil er trotz aller Wariluilgen das Lesell christlicher Schriftell llicht aufgebell wollte. Man llahlll ihm seinen Erlaubnisschein weg und llötigte ihll hierdurch, die Stadt zu verlassen. Aber auch ill Akko, wohinlerssich nun wandte, wurde er

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