Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1901-01-01 · 5 (1901) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
57 (1901)
Issue
5 (1901)
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2554541-2555102-2555107--10135-2566361
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

40 Über die Folgen von Täuschungen, die mit Geisteskranken behufs ihrer Überbringung in ein Irrenhaus vorgenommen werden, äußerte sich ein früherer Seelsorger von Irren im „Nachbar" (4900, S. 94) folgendermaßen: „wenn die Wahrheit an den Tag kommt, steigt das tiefste Mißtrauen gegen die Betrüger im Kerzen des Kranken auf, oder es befestigt sich darin, wenn es schon vorher da war, und es steigert sich wohl bis zur schlimmsten Abneigung. Tiefer noch als bis dahin spinnt er sich in seine melancholische Gedankenwelt ein. Sein Zustand wird schlimmer. Im besten Fall verzögert sich seine Besserung." Jener Pfarrer erklärt, man solle, wenn es freundlichen und zugleich festen und bestimmten Worten nicht gelinge, die Zustimmung des Kranken zur Übersiedlung in eine Anstalt zu erlangen, lieber zur Gewalt als zu Betrug und List greifen. „Nach kurzem Widerstande wird der Kranke, der keinen andern Ausweg sieht, sich fügen und dies Verfahren schließlich eher verzeihen, als seine ebenso lieblose wie kurzsichtige Hintergehung." Jüdische tzhronilr. Öffentliche Äußerungen des preußischen Iustizministers über die Ernennung jüdischer Notare und über die Anstellung jüdischer Assessoren in der Justizverwaltung bewogen den Vorstand der Berliner Synagogengemeinde, bei dem preußischen Ministerpräsidenten vorstellig zu werden. Auch zahlreiche andere Gemeinden suchten auf demselben Wege die von dem Iustizminister feftgestellte staatsbürgerliche Zurückleßung der Juden zu bekämpfen. Der Kölner Gemeindevorftand lehnte die Beteiligung an dem Pelitionssturm ab, mußte aber hierauf feine Entlassung einreichen. — Die deutsch-israel. Gemeinde in Hamburg besitzt wohlthätigkeitsstiftungen im Betrage von 222^300 Mk. Die jährlichen Zinsen belaufen sich auf 93. 600 Tttt — In Hannover wurde ein neues israel. Krankenhaus eingeweiht. — El ne Feier zum Gedächtnis des verstorbenen jüdischen Bankiers Plaut begingen in dem von demselben errichteten interkonfessionellen Altersheiin zu Nord Hausen Israeliten und Lhristen. Ein Pfarrer und ein Rabbiner betraten hierbei nach einander die Kanzel, auf deren Decke der Satz cingestickt ist: „Ehre sei Gott!" Der Synagogenchor sang zum Schluß: „Harre meine Seele!" — Der von Prof. Philippson in Berlin angeregte Gedanke eines „Iudentages" siel auf fruchtbaren Boden. Der Indentag hat den Katholikentag zum Vorbild. Er will den Gemeindebund, die Litteraturvereine, den Lehrerverein, den Rabbinerverband, den B'ne-B'rith-Grden, den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens und ähnliche Vereinigungen zu gemeinsamem wirken zusammenfassen. Eine vorberatende Versammlung tagte tu Berlin am 3. März. — In Lemberg wurde eine Christin zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt, weil sie eine elfjährige Jüdin entführt hatte, um dieselbe in ein Kloster bringen und taufen zu lassen. — In Wilna wurde der jüdische Friseur Blondes zu p/3 Jahr Gefängnis verurteilt, weil er ein christliches Mädchen absichtlich verwundet hatte. Lin Ritualmord lag auch hier nicht vor. — Der Sultan hob das Verbot des Landankaufs in Palästina, welches fremden und türkischen Juden galt, auf. Jüdische Pilger dürfen sich daselbst drei Monate lang aufhalten und brauchen bei der Ankunft fortan keine Kaution mehr zu hinterlegen. — Italien erhielt wieder einen jüdischen Finanzminister. Dieser, Leo Wollemborg, ist in Padua geboren, aber deutscher Abstammung. Er gehörte bereits dem Parlament als Abgeordneter an, war auch schon eine Zeitlang Anterstaatssekretär im Finanzministerium. Man schätzt ihn als den Begründer landwirtschaftlicher Hilfskassen. — Am 48. Januar wurden die Juden von Teheran durch einen muhammedan schen Volkshaufen angegriffen, den der Scheich Ibrahim auführte. Der Gouverneur der Stadt stellte die Ruhe wieder her. Empfangsbescheinigung. Hr. P. B.-v., Fr. P. B.-N., Hr. K.-H. je 0,80. Hr. Dech. Kl.-L. 4. Frl. Bl.-Sp. 2. Hr. Pr. B. 3. Fr. Dr. V.-D. 5. Diak. I. W.-A. 8. Hr. P. M.-w. 8,50. Koll. i. Helmstedt *6,50, i. Gnadau 26,^9. Herzl. Dankl Herausgeber: Prediger W. Becker, Friedenau-Berlin, Häuffstraße 43. Verlag: Goßnersche Missionsbuchhandlung, Friedenau-Berlin. Iahrespreis: 80 Pf. Druck von windolff, Berlin 8 W., Lbarlottenüraße 88

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.