Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 10 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. 10. — 56. Jahrgang. — 1800. Anhalt; Eine Aönigsboischaft an abtrünnige Unterthanen. — karlsbader Erinnerungen eines Juristen. — Lin Besuch m Bischon-le-Zijjon. — i'er neue Sekretär der £. 3 -- lNordechai ITTcirfus wolkenberg. — Jüdische Bedenken gegenüber dem Christentum. — Zu £>f. 2, 6. — Zu Iks. 53, 5. — Au Matthäus 12, 36. — Mancherlei Gaben in Einen: Dienst. — Zum Nachdenken. —Empfangsbescheinigung. Kine KönigsöotschafL an abtrünnige ItnLertHanen. Ich lieb' euch doch, obwohl ihr mich verwarft, -Obwohl ich ward ans Holz des Fluchs gebeftet. Als meine Hasser habt ihr euch entlarvt, Seit ich verschied, verschmachtet und entkräftet, Mit Blut beströmt aus manchem Wundenloch: Ich lieb' euch doch. Ich lieb' euch doch, obwohl der alte haß Äoch immer brennt als eine Höllenflamme, .Obwohl ihr heut' noch fleht um Barabbas Und ruft: „hinweg mit dem von Judas Stamme!" Ist auch der Feindschaft Gipfel steil und hoch: Ich lieb' euch doch. Ich lieb' euch doch, ihr Kinder Israels. Ich liebe euch, ihr Jungen und ihr Alten. Und diese Lieb' ist stärker als ein Fels, Und ihre Glut wird nimmermehr erkalten. Wie ehedem, so sag' ich immer noch: Ich lieb' euch doch. Ich lieb' euch doch. Zuletzt erscheint der Tag, Da könnt ihr mir nicht länger widerstehen, Da öffnet meiner Liebe hammerschlag Die harten Kerzen für des Frühlings wehen. Dann heißt es neu, wenn sich der haß verkroch: Ich lieb' euch doch. Karlsbader Erinnerungen eines Juristen. Während meiner Anwesenheit in Karlsbad in Böhmen vom ^5. Juni bis zum Juli d. Js. halte ich öfter Gelegenheit, mit polnischen Juden Gespräche zu führen und sie dabei auf den wahren Trost Israels, den Messias, hinzuweisen. In der Regel vergewisserte ich mich zunächst, oaß die Angeredeten die deutsche Sprache verstanden, fragte sie dann nach ihrer Heimat und erkundigte mich weiter, ob sie auch in ihren heiligen Schriften, im A. T., forschten. Fragte ich dann, ob sie von dem „Maschiach" gelesen hätten, so wurde solche Anfrage wohl mit einer Geberde beantwortet, die darauf hindeutete, baß man über denselben nichts Bestimmtes anzugeben vermöge. Dem gegenüber betonte ich, daß wir Christen uns gerade insofern von den Juden unterschieden, als wir in dem aus dem jüdischen Volke hervor- .gegangenen HLrrn ILsus auch den Christus oder Messias Israels .erblickten, während das Volk Israel selbst noch) nicht an ihn glauben wolle. In der Regel wies ich in derr Gesprächen auf Mose, den .großen Propheten Israels hin, der seinem Volke das Wort ans Herz gelegt habe: ,,Linen Propheten wie mich wird der HLrr, dein Gott, dir erwecken aus dir und aus deinen Brüdern." Ich äußerte, daß dieser von Mose geweissagte Prophet in ILsu erschienen sei und