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Dibre Emeth · 1900-01-01 · 9 (1900) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
56 (1900)
Issue
9 (1900)
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Cin Älonatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Wr. 9. — 56. Jahrgang. — 1900. Inhakt: Lin geheilter Arzt. — Die pariser Ausstellung. — Zw?i Iudenchristinnen. — was finden wir in der Bibel? — Zn Lzechiel >8, 4a. — Zu Lukas 1\,13 — Zu Johannes JO, 9. — Lin Glückskind. — Prof. 5. heegcnd in Kopenhagen. — Iudentuni, Christentum, weltreligion.— Jüdische Chronik. — Bücherbericht. ' (Ein geheilter Arzt. Der Geheime Sanitätsrat Dr. Gotthold Scholz, langjähriger Badearzt in Tudowa, Entdecker der dortigen nach ihm benannten Gottholdquelle, ist kürzlich mit einem merkwürdigen Buche an die Öffentlichkeit getreten. Er hat im Verlage von h. Tzschaschel in Görlitz, wo er seit lv899 im Ruhestand lebt, religiöse Betrachtungen in gebundener Sprache erscheinen lassen, welche den Titel führen: ,,heimatklänge aus der Ewigkeit." Der jetzt 8\ Jahre alte Meister der ärztlichen Aunst, der sich bis in sein hohes Alter leiblich und geistig frisch erhalten hat, offenbart hier das Geheimnis seiner Araft. Dies Geheimnis ist sein christlicher Glaube. Derselbe hat ihn befähigt, alles Schwere, das ihn selber traf, z. B. den Verlust einer im Alter von ^7 Jahren verstorbenen und auf dem Schloßberg von Eudowa begrabenen Tochter, zu überwinden, hat ihm aber auch die Gabe verliehen, andern Leidenden in der rechten Weise entgegenzutreten. Nicht immer erfüllte der Glaube sein Herz, obwohl er der Sohn eines Pfarrers war. In dem Gedicht: „Wie ich wieder zu Ehristus zurückgeführt wurde" erzählt er, daß er als junger Mann superklug gewesen sei und alle Dinge viel besser gewußt habe als andere. Auch der Gottessohn, dem er als Rind ins Angesicht gesehen hatte, konnte vor dem verstände des jugendlichen Denkers nicht bestehen. Aber ein frommer Gelehrter in Breslau, Ör. Duflos, Professor der Ehemie, Sohn eines französischen Arztes, half dem Irrenden wieder zurecht. Als Scholz vor dem alten Freunde feine Weisheit auskramte, fuhr ihn dieser an: „Dazu bist Du noch viel zu dumm, um so was Großes wirklich zu kapieren." Die Grobheit des Professors erregte natürlich zuerst großes Erstaunen, dann aber eine gründliche Sinnesänderung. Scholz sagt im Rückblick auf die letztere: „Ich konnte dem Gedanken nun nicht wehren: hat denn das bischen Menschenwitz die Macht, die Offenbarung Gottes zu erklären?" Je weiter er nachsann, desto thörichter erschien ihm sein Verfahren: „Der Thon kann nie des Töpfers Araft erkennen." Er lernte des Schöpfers Majestät, aber auch Thristi Lehren und Werke bewundern. Versiegelt wurde die Wendung in seinem innern Leben an einem Sterbebett. Er mußte einst bei Nacht als Arzt einem armen Mann in dessen letzten Augenblicken zur Seite stehen. Das

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