Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 4 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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32 und es ins heilige Land zurückführen könne. Man gab dem Missionar Recht und bat ihn, über diesen Gegenstand einen Vortrag zu halten, damit auch andere zu demselben Glauben kämen. Eine Frau, die er öfter besucht hatte, starb mit Dank gegen Gott und gegen den Messias ILsus. — In Varna, einem Arbeitsplatz des deutschen L^ilfsbundes für Armenien, wirkt P. Amirchanjanz auch unter den sehrzugänglichen Israeliten. Er hat eine Schulklasse, die nur aus jüdischen Kindern besteht. Ein Jude, mit dem er die heilige Schrift gelesen hatte, vermochte eine ihm vorgelegte Frage nicht zu beantworten und holte deshalb seinen Rabbiner. Aber auch dieser konnte die Frage nicht lösen und verabschiedete sich von seinem Glaubensgenossen mit den Worten: „Ich erlaube Ihnen, daß Sie Christ werden. Ich selbst darf es nicht." — 3m 95. Jahresbericht der Britischen u. A. Bibelgesellschaft wird von der jüdischen Bevölkerung Galiziens und der Bukowina gesagt, sie scheine, vielleicht unter dem Einfluß der zionistischen Bewegung, in der letzten Zeit etwas zugänglicher geworden zu sein. In Ungarn wurden hebräische heilige Schriften der Gesellschaft nicht nur von der Iudenmission, sondern auch von jüdischen Schulen bezogen. In Russisch-Polen zeigte sich vielfach ein starker Fanatismus unter den Juden, doch konnte man 2\52 hebräische und zweisprachige heilige Schriften verkaufen. Auch in Rumänien wurden viele Alte, aber auch einzelne Neue Testamente bei den Juden abgesetzt. Als ein armer Geschäftsmann einen hebräischen und einen jüdisch deutschen Pentateuch kaufte, sagte ihm der Kolporteur: „Das Gesetz kann unsere Wunden nicht heilen. Gottes freie Gnade ist durch Christum geoffeubart worden." Dies veranlaßte den Mann, auch ein Evangelium zu kaufen. Jur eigentlichen Rußland, wo die Gesellschaft immer noch nicht die Erlaubnis zur Herstellung einer apokryphenlosen russischen Bibel erhalten konnte, wurden ^789 heilige Schriften in den für Juden veranstalteten Ausgaben verbreitet. Ein Drittel dieser Summe bestand aus Teilen des N. T., während zwei Drittel das A. T. und seine Teile betrafen. Der Agent in Moskau gab einst einem armen jüdischen Soldaten ein jüdisch-polnisches N. T., nachdem er ihm aus demselben etwas von IEsu vorgelesen hatte. Am nächsten Tage erschien ein anderer jüdischer Soldat und kaufte für seine ganzen Ersparnisse, 6 Kopeken, einen jüdisch-polnischen Teil des N. T. Über Algerien sagt der Bericht: „Lin antisemitischer Kreuzzug, der in Algier seinen Anfang nahm, hatte solche Unordnung zur Folge, daß das Bibelwerk sehr gestört wurde." In Tripolis, begegnet die Arbeit großer Unwissenheit und Bigotterie bei Päpstlichen, Muhammedanern und Juden. Auf der Halbinsel Korea wirkt ein Proselyt Namens^pinters, von Geburt ein russischer Jude. Er hat bereits vortreffliche Übersetzungen geliefert und verspricht ein sehr brauchbarer Mann zu werden. — In Tondon wurde auf Veranlassung der L. 3-^- am 25. u. 24. November eine Iudenmissionskonferenz abgehalten, bei welcher viele wichtige Gegenstände zur Verhandlung kamen. Ein ausführlicher Bericht über diese Versammlung erschien im Druck, vor dem mit der £. I.-M. verbundenen Predigerverein hielt ein Rabbiner, Br. Green, am 6. Dezember einen Vortrag, in welchem er seine Anschauungen vom Christentum und von der Iudenmission darlegte. Bei der internationalen studentischen Missionskonferenz, die vom 2. bis zum 6. Januar stattfand, redeten zwei Vertreter der L. I.-M. über die Arbeit an Israel. — Der zu Ierusalem am 25. September J898 gestiftete judenchristliche verein bezweckt die Förderung der geistigen Bildung seiner Mitglieder und die Pflege der freundschaftlichen Beziehungen derselben zu einander. Er versammelt sich einmal im Monat. Die Mitgliederzahl beträgt nahezu 50. Am ersten Iahresfest beteiligten sich 69 Erwachsene und 2\ Kinder. Den Vorsitz führt Dr. Franknn. Als Schrift- und Kassenführer wirkt Miss. Zeckhausen. — Unter den aschkenasischen Juden von Hebron arbeitet jetzt ein dänischer Freimissionar Namens Heuer. — Ans Safed schreibt Miss. Adeney, der ^99 längere Zeit die Stelle von Miss. Friedmann vertrat, er habe sich hier von der dringenden Notwendigkeit einer Iargonübersetzung des A. T. überzeugt. Nicht nur die jüdischen Frauen, sondern: auch die Männer bedürfen ihrer. Manche der letzteren verstehen zu wenig hebräisch, um die heilige Schrift im Grnndtext leset: zu können. Ein Rechtgläubiger erzählte, er habe seine Bibel seit 6 Jahren nicht mehr gelesen. Herausgeber: Prediger W. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraße *5. Verlag: Goßnersche Missionsbuchhandlung, Friedenau-Berlin. Iahrespreis: 80 Pf. Druck von 3. Mindolff, Berlin 8.W., Lhnrlottenstraße 88.