Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 5 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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HO Hier hielt er mit ihnen allemal vor der Verteilung der Gaben eine Besprechung über ein Stück des Katechismus oder der Bibel, vormittags nahm er die Erwachsenen, nachmittags die Jugend vor. - Jüdische Khronik. In Berlin wurde der erste Delegiertentag des Verbandes der jüdischen Lehrcrvereine im Deutschen Reich abgehalten. Zionistische Massenversammlungen, die im Januar und März stattfanden, nahmen einen sehr stürmischen Verlauf. Am *4. März verschieden der Politiker £. Bamberger und Prof. Dr. H. Steintbal, Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Im Aufträge der historischen Kommission für die Geschichte der Juden in Deutschland erschien in Berlin das *296 angelegte, bis *392 reichende Gedenkbuch der Nürnberger jüd. Gemeinde, welches um MO nach Mainz kam und daher auch nach dieser Stadt benannt wird, unter dem Titel: „Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuchs^. Der Bearbeiter, Rabb. Dr. S. Salfeld, hat dem wertvollen Werk eine deutsche Übersetzung beigegeben. — Die große Synagoge in Köln besitzt^nach dem Wunsch ihres Erbauers, des Freiherrn Abr. v. Oppenheim, dessen ganze Nachkommenschaft zum Lhristentum übergetreten ist, keine Orgel. Auch für die am 27. März eingeweihte neue Synagoge wünschten die Altgläubigen keine Orgel. Bei' einer Umfrage an 2506 steuerzahlende Gemeindcmitglieder antworteten *30* bejahend, 282 verneinend, 57 unentschieden. Dennoch wurde schließlich die Aufstellung einer Orgel unterlassen. — Der am 2*. Januar verstorbene Aachener Stadlbibliothekar Dr. L. Fromm beschäftigte sich mit Vorliebe mit dem berühmten Werk „Die Nachfolge Lhristi". Er schrieb mehrere Abhandlungen über dasselbe und veröffentlichte *889 eine eigene Übersetzung dieses Buchs. — Lin Nürnberger Israelit, Lazarus Schwarz, hinterließ letztwillig Stiftungen von **000 und 400000 M. für arme Glaubensgenossen. Mit der zweiten soll eine Altersversorgungsanstalt errichtet werden. — Die wiener Rappaxort- Stiftung verlangt bis zum 30. September $00 eine Geschichte der jüd. Apologetik und bestimmt 2500 Kronen ö. w. als Preis für die beste Schrift. — Die Baronin Hirsch errichtete sür die Juden Galiziens eine Stiftung von *1/2 Millionen Gulden, durch welche die von ihrem Gatten begründete Schulstiftung erweitert wird. Die Zinsen sollen zur Bekleidung und Beköstigung armer Schüler, sowie zur Ausbildung armer Mädchen in Wirtschafts- und Handwerksschulen dienen. Seither ist die Baronin ihrem Gemahl in die Ewigkeit gefolgt. — Im Januar besuchte der Pariser Baron E. Rothschild Palästina, besonders seine eigenen Ansiedelungen. Da der in den letzteren gezogene wein sich schwer verkauft, sollen die Kolonisten vom Weinbau zum Ölbau übergehen, was ihnen keineswegs bebagt. Line Ölxflanzung liefert erst nach Jahren einen ordentlichen Ertrag. In Jerusalem nahm der Baron im Widerspruch mit dem Gebrauch der Altgläubigen die Omarmoschee in Augenschein. — Der jüd. Gemeindebund in den vereinigten,Staaten Nordamerikas, dem 94 Gemeinden angehören, erklärte bei seiner letzten Jahresversammlung: „Die Juden sind keine Nation. Amerika ist unser Zion. Die Mission des Judentums ist eine geistige. Ihr Zweck ist nicht, einen Staat zu gründen, sondern die Wahrheiten der Religion und der Humanität durch die ganze Welt zu verbreiten." — In Manila predigte der katholische Regimentskaplan Doherty bei einem Jom-Kippur-Gottesdienst, den amerikanisch-jüdssche Soll aten abhielten/ Die Zuhörer rühmen die Schönheit und tröstende Kraft der Rede. Jur Statistik. t Am 2. Dezember 4898 zählte man in Berlin *3349 jüdische Ehen und *587 jüdisch-christliche Mischehen gegen 9720, bezw. *086 i. I. *888. Die Zunahme beträgt also 27, bezw. 460/0. Die Übertritte vom Judentum zum Lhristentum in Berlin betrugen in den 5 Jahren *892—96: *03+*70+*40+*03+*05, die vom Lhristentum zum Judentum: 7-j-2-i-4-j-*0-i-8. *897 traten in Berlin *36, in Breslau 36, in Dresden 32 Israeliten zur Kirche über. In Wien erfolgten *894 424, *895 435, *896 457, *897 465, *898 468 Austritte aus dem Judentum. Herausgeber: Prediger w. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraße *3. Verlag: Goßnersche Misflonsbuchhandlung, Friedenau-Berlin. Iahrespreis: 80 Pf. Druck von g. windolff, Berlin S.W., Lharlottenstraße 88.