Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 4 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2554541-2555128-2555132--09908-2566111- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
32 Gemeinde in K. angestellt ist, ließ sich durch seine Frau, welche den evangelischen Gottesdienst besuchte, bemegen, mit ihr am evangelischen Religionsunterricht bei F. teilzunehmen. Lin Halsleiden zwang ihn, sein Lebramt niederzulegen, doch beschaffte die Frau mit Musikunterricht den nötigsten Lebensunterhalt. Mit Rücksicht auf die Erbitterung der Juden in K. empfing das Ehepaar an einem andern Ort die Taufe. In einer entfernten Stadt erwerben sich jetzt beide Gatten ihr tägliches Brot. — An die Stelle des früheren Judenchristlichen Gebetsbnndes in London trat ein Judenchristlicher Bund. Derselbe zählte *898 \62 Mitglieder, wählbar sind alle getauften Juden nebst ihren Frauen und Nachkommen. Die Mitglieder beten täglich, besonders aber Sonnabends und Sonntags für einander und alle christgläubigen Israeliten, desgleichen für alle, die Christum suchen, und für das ganze Haus Israel, ebenso für die Milsionsarbeit unter den Heiden. — wie immer, so erzählt die Britische u. A. Bibelgesellschaft auch diesmal im Jahresbericht von Lickt und Schatten auf ihrem großen Arbeitsfeld. Sie verbreitete q.1/^ Millionen heilige Schriften in vielen Sprachen. Uns fesselt besonders der Verkehr ihrer Angestellten mit Israeliten. von Wien gingen 9200 Exemplare in der hebräischen Sprache und ihren Abarten aus. In der Bukowina und in Ungarn wurden viele Neue Testamente an Juden abgesetzt, von Rumänien heißt es, daß man dort teilweise die Berührung mit „Nazarenerbüchern" fürchte und alles thue, um ihre Verbreitung aufzuhalten. Nicht wenige hat der Judenhaß der Christen verbittert. Dennoch fehlt es nicht an erfreulichen Erfahrungen. In einem Hause, in welchem der Kolporteur eine französische und eine deutsche Bibel, sowie einen hebräischen und einen deutschen Pentateuch verkaufte, bezeugte ihm die Tochter ihren Dank für seinen Besuch und sagte: „Ich bin es müde, Romane zu lesen." Über die baltischen Provinzen und Litauen wird berichtet: „Unsere Kolporteure haben es hier zum großen Teil mit Juden und Römischkatholischen zu thun, wobei sie wundervollen Beispielen von Willigkeit, die heilige Schrift anzunehmen, begegnen, aber auch viel Mißverständnis und Feindschaft zu erdulden haben." willige Juden gab es auch in Egypten und Leuta (auf den Prefldios). In Persien stieß man oft auf heftigen Widerstand, doch wurden ^38 hebräische und 5^ jüdisch-persische Schriften abgesetzt. — Am \8. Oktober v. I. wurde die englische St.-Georgskirche in Jerusalem durch den Bischof von Salisbury eingeweiht. Dies Gotteshaus liegt in der Nähe der sogenannten Königsgräber. Ls soll der Mittelpunkt eines anglikanischen Stiftes werden. In der Lhristuskirche auf dem Zion, die am 2\. Januar ihr fünfzig rühriges Bestehen feierte, fanden seit M9 565 Judentaufen statt. Auch das Jndustriehaus der Mission besteht jetzt fünfzig Jahre (seit dem 2\. Dezember M8). — F'äulein Baily, die neue Missionarin der L. J.-M. für Persien, langte am \o. November v. I. in Teheran an. Auf dem Schwarzen Meer erlebte sie nebst ihren von der Kirchlichen Missionsgesellschaft für die Arbeit unter den muhammedanischen Frauen angestellten Begleiterinnen einen furchtbaren Sturm. Doch konnte sie in einem von Batum nach Berlin gesandten Brief sagen: „wir haben keine Furcht gehabt." Und die Unterschrift begann: „In dem fröhlichen Dienste des Herrn Jesu Christi." Gott erhalte der Missionarin den Geist der Glaubens- und Bekenntnisfreudigkeit unter den Prüfungen, die ihrer warten! — Missionar Zerbib in Mogador sprach früher manchmal mit einem angesehenen, strenggläubigen Juden dieser Stadt. Seine Botschaft rief aber bei diesem immer nur Widerspruch hervor. Der Verblendete lästerte sogar den HLiland. Kürzlich sah Z. nach längerer Zeit zum erstenmal den Mann wieder. Derselbe sagte ihm: „Ich habe seither das Neue Testament wieder und wieder gelesen und muß sagen, ich glaube, daß JLsus von Nazareth der von Mose und den Propheten verheißene wahre Messias ist. Ich habe das Alte und das Neue Testament mit einander verglichen und zweifle nicht daran." Dem Missionar erschien dies trotz Aberglauben und Fanatismus durch die Macht der Wahrheit hervorgerufene Bekenntnis wie ein dem Durstenden gereichter Trunk kalten Wassers. Er erwiderte es mit dem Gebet: ,,Du, HLiland, hast die Welt erobert. Wir trauen Deinen Verheißungen. Dir sei Ehre!"_ Anzeige. Der Zutritt zu den im Berliner Brüdersaal, wilhelmstr. J36, an jedem Donnerstagabend um 6 Uhr stattfindenden Vorträgen steht jedem unentgeltlich frei. Herausgeber: Prediger W. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraße \3. Verlag: Goßnersche Missionsbuchhandlung, Friedenau-Berlin. Jahrespreis: 80 Pf. Druck von windolff, Berlin S.W., Lharlottenstraße 88.