Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 3 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2554541-2555128-2555131--09892-2566094- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Wr. 3. — 55. Jahrgang. — 1888. Anstatt: Der Schönste unter den Menschenkindern — Die Scheidung der Geister unter Christi Kreuz. — Alexander Severus als Freund Israels und der Christenheit. — Christliche Lobredner des Alten^Testaments. — Audiatur et altera pars. — Die Londoner Iudenmiffion in Berlin 1898.— Au 4. Mose 17. — Au 5. Mose 17,1 und 1. Petri X, 18 f. — Au Mark. 10, H7. — Aus der jüdischen Presse. — Todesfälle. — Empfangsbescheinigung. Der Schönste unter den Menschenkindern. Durch die Welt bin ich gegangen, Und nach dem, was ewig schön, Trug mein Herz ein heiß verlangen. Über Fluren, Thäler, Höh'n Sah ich Schönheit ausgegossen, Fluß und See in Sommerlicht, Manche Blume hold ersprossen, Doch das Schönste fand ich nicht. Durch die Säle, durch die fallen, Wo die Kunst sich nur enthüllt, Ging ich, und mit Wohlgefallen Sah ich manches edle Bild. Und ich tauchte mit Entzücken In der Schönheit Fluten Hell, Doch mit sehnsuchtsvollen Blicken Sucht' ich nach der Schönheit Vuell'. Und ich traf im Weiterwandern Auf Gefährten, jung und alt, Sah bald einen, bald den andern Schön von Antlitz und Gestalt. Hohe Schönheit sah ich strahlen Aus manch liebem Angesicht, Schöner als die Pinsel malen, Doch den Schönsten fand ich nicht. Vorbild, Urbild alles Schönen, O, enthüll' Dich meinem Blick! Meine Sehnsucht mußt Du krönen, Die zum Ürsprung strebt zurück. Schönheit, ewig, uranfänglich, Die allein mein Herz erfüllt, Schönheit, bleibend, unvergänglich, Zeige Dich mir unverhüllt! Und ich trat auf einen Hügel. Dort, im Glanz des Sonnenlichts, Sah ich sie ohn' Bild und Spiegel Aufgedeckten Angesichts: Sah am Kreuz ich hängen einen „Ohne Schönheit und Gestalt", Dennoch fand ich schöner keinen, Und es zog mich mit Gewalt. Ja, ich habe Dich gefunden Und ins Antlitz Dir geblickt, Der mit Dornen, Blut und Wunden Unaussprechlich schön geschmückt: Über alle Erdenschöne, Über Welt und Fimmel weit. Schönster aller Menschensöhne, Dein bin ich in Ewigkeit! (Eleonore Fürstin Reuß.) Die Scheidung der Geister unter Christi Drery. Unterm Areuze schieden sich einst die Geister, unterm Ureuze verbanden sie sich. Unter dem Sterbebett des großen Sterbenden auf Golgatha wogt es hin und her. Über dem Areuze prangt pilati römischer Hohn und U)itz, und unter dem Areuze blickt der römische Hauptmann auf und bekennt sich schlicht zur Herrlichkeit und Unschuld des Gerichteten. Unten höhnt in der heiligen Sprache der Psalmen der Pharisäer und Schriftgelehrten (Lhor, aber neben dem Areuze greift ein verlorener Sohn, die Blutschuld auf dem Gewissen, nach dem Manne der Mitte, dem ewigen Mittler, und seine erblassenden Lippen hauchen das „Gedenke meiner I" hinüber zu Ihm. Vom Areuze iKrt.BihHnthek 25 m.99