Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2555128-2555130--09890-2566091- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
q,. In Venedig kann sich kein Fremder verirren, obwohl die Straßen sehr enge und die Kanäle vielfach verschlungen sind. In den Mauern am Rande der Kanäle und im Pflaster der Straßen zieht sich nämlich eine dünne Linie von roten Steinen hin, welche den Fremden stets zur St. Markuskirche führt. So zieht sich durch die ganze Bibel, durch die Geschichte, das Gesetz, die Poesie und Prophetie, ein roter Faden, welcher zu Christo hinführt. Er ist der Brennpunkt, in welchem alle Gedankenstrahlen in der Schrift Zusammentreffen. (D. L. Moody.) 5. Es ist kein Grund, warum die, die jetzt ganz außerhalb der Kirche stehen, nicht ganz in den Mittelpunkt kommen und hell brennende, scheinende Lichter werden sollten. O, ihr armen Ausgestoßenen, die ihr noch ferne seid, fasset Mut, öffnet euer Herz dem Trost, kommt zu ILsu Christo und überlasset euch seinen fänden! (Spurgeon.) Jüdische Hhrornk. In Berlin wurde die Lützowstr. J6 erbaute, nahezu 2000 Sitzplätze zählende Synagoge eingeweiht. Der 8. Gemeindetag des Deutsch-Isr. Gemeindebundes, bei dem m Gemeinden und 8 Gemeindeverbände vertreten waren, beschloß, den Entwurf eines neuen Organisationsgesetzes für die jüd. Gemeinden Preußens ausarbeiten zu lassen. — Bei der Feier des fünfzigjährigen Bestehens des jüd. Lehrerseminars in Hannover pries der Direktor, Dr. Knoller, die Talmudjuden als „Menschen von höchster Sittlichkeit." — Eine jüd. Denunziation führte zur Ausweisung von polnischen und galizischen Iudenfamilien aus Frankfurt a. M. — Die 2. isr. Landessynode des Großherzogtums Baden ordnete die Pensionsverhältnisse der Rabbiner und Religionslehrer gesetzlich. — In Basel tagte der zweite Zionisten-Kongreß. Man beriet u. a. über die Gründung einer Kolonialbank. Frau Ellmann zeigte an, daß ein Weltverein jüdischer Frauen mit dem Sitz in Wien in der Bildung begriffen sei. — Nach der Ermordung der Kaiserin Elisabeth fanden in den Synagogen von Österreich^Ungarn Trauerfeiern statt. Auch brannte z. B. in Wien 30 Tage das sogenannte Seelenlicht. Der dortige Kultusvorstand beschloß das Andenken der verstorbenen durch die Gründung einer ihren Namen tragenden Anstalt für jüd. Krankenpflegerinnen zu bewahren. — Dem rumänischen Senat schlug ein antisemitischer Senator den Erlaß eines Gesetzes vor, welches den Juden verbietet, sich taufen zu lassen. — Die Türkei verbot zede jüd. Einwanderung in Palästina. Auch die zionistischen Zeitungen werden vom türkischen Reich ferngehalten. — In Jerusalem empfingen die Oberrabbiner Lljaschar und Salant am 2y. Oktober das deutsche Kaiserpaar unter einer Ehrenpforte mit dem für solche Fälle vorgeschriebenen hebräischen Gruß und kurzen Ansprachen. Der Kaiser dankte und sandte der jüd. Gemeinde der heil. Stadt seine freundlichsten Grüße. Jüd. „Kinder sangen bei dem Empfang das „Beil Dir im Siegerkranz" in hebräischer Übersetzung und deutsch. Am 2. Nov. hatte eine von Dr. Herz! geleitete Abordnung der Zionisten Audienz beim Kaiser. Dieser bezeugte seine wohlwollende Teilnahme an allen Bestrebungen, die Landwirtschaft in Palästina unter voller Achtung der Oberhoheit des Sultans zu heben. — Die Juden von Ispahan leiden junger und Verfolgung. Ihre ärgsten Feinde sind q. schiitische Priester (Muschladihin). Vorwürfe des Gouverneurs beachten diese so wenig wie Befehle des Schahs. — Auch aus Fez und anderen Orten Marokkos kommen traurige Nachrichten über die Behandlung, welche den dortigen Israeliten seitens der Eingeborenen zuteil wird. — In Algier steht es nicht besser. Der dortige Generalrat ersuchte einstimmig die Regierung, den algerischen Juden die politischen Rechte zu nehmen. Er hofft hierdurch ihre Auswanderung herbeizuführen. Der ueue Maire, Regis, mußte jedoch sein Amt niederlegen. Anzeige. Der Zutritt zu den im Berliner Brüdersaal, wilhelmstr. J36, an jedem Donnerstagabend um 8 Uhr stattfindenden Vorträgen steht jedem unentgeltlich frei. Herausgeber: Prediger W. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraße j3. Verlag: Goßnersche Missionsbuchhandlung, Friedenau-Berlin. Iahrespreis: 80 Pf. Druck von I. windolff, Berlin S.W., Lharlottenstraße 88.