Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 1 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Der Kirchenöesuch eines Zionisten. Nach dem Bericht von Leo Rafaels in der Zeitschrift „Die Welt" (*898, Nr. 39). (Er kann dem Herzenszug nicht widerstehen. (Er eilt am Sonntagmorgen mit hinaus. (Er geht dahin, wohin so viele gehen, Und tritt mit ihnen ein ins Gotteshaus. Man heißt ihn freundlich an der Thür willkommen Und führt ihn durch der Menge dichte Reih'n. Bald ist dem Fremdling alle Scheu genommen: Ins Lied der Lhristen stimmt er jubelnd ein. Dies Lied, das ihm mit seinen hehren Klängen Die tiefste Seele , wunderbar bewegt: (Es ist ja einer von den Fellgesängen, Die seines Volkes Glaube sich geprägt, Es ist ein Psalm aus jenen großen Tagen, Da noch der Tempel auf Morija stand, wie sollte nicht das Herz dem Juden schlagen, Der es in einem Lhristentempel fand! „Ach," seufzt der Gast, „sind wir nicht gleich >dem Sohne, Der endlich kehrt ins Vaterhaus zurück Und hier als Erben Fremde sieht zum Lohne Dafür, daß er mit Füßen trat sein Glück? wir haben schnöde unfern Gott verlassen Und glaubenslos uns weit von ihm verirrt: Nun dürfen andre unser Heil erfassen, Und andre weidet unser treuer Hirt." Dieweil er also sinnt, da sucht der Thränen Gehemmter Strom mit Macht sich einen Lauf, Und unaufhaltsam hebt ein heißes Sehnen Des Juden Geist zur Geisteswelt hinauf. „Mein Vater, laß von mir Dich wiederfinden!" So fleht er. Gottes Antwort bleibt nicht aus: „Der weg zu mir ist IEsus. Frei von Sünden wirst Du durch ihn, Miterb' in meinem Haus!" Hrne AekeSrungsgeschichLe aus Men. In einem wiener Gasthause saßen zahlreiche Israeliten beiderlei Geschlechts in lebhaftem Gespräch beisammen. Plötzlich setzte sich ein Herr, dessen Aussehen den Prediger verriet, an ihren Tisch, nachdem er sie höflich gegrüßt hatte. Seine Anwesenheit schien die Gesellschaft etwas einzuschüchtern. Das Scherzen und Lachen hörte auf, und die Unterredung nahm einen ernsten Ton an.. Da sagteeine Dame so laut, daß der neue Ankömmling es hören mußte: „Ich fühle mich nie so unbehaglich wie in der Gesellschaft eines Geistlichen." Natürlich nahm der Prediger, Miss. Kameras, , den ihm hingeworfenen Fehdehandschuh auf. Er stellte sich der Dame vor^und bat sie, ihm mitzuteilen, warum die Gegenwart eines Verkündigers des Wortes Gottes ihr so unangenehm sei. Sie antwortete: „Man fühlt sich einem Prediger gegenüber seiner persönlichen Freiheit beraubt. Man kann sich nicht so benehmen und reden, wie man möchte." „vermutlich haben Sie in dieser Hinsicht eine unliebsame Erfahrung gemacht," bemerkte K. „Sie sollten aber nicht den ganzen Stand verurteilen, wenn einzelne mit ihrer Engherzigkeit und Unduldsamkeit einen schlechten Eindruck auf Sie gemacht haben. Alle Menschen, auch die besten, sind eben mit Fehlern und Schwachheiten belastet. Es gab nur Einen in menschlicher Gestalt, der hiervon frei war: das war der Messias Israels, der HEiland der Welt. Nur in seiner Gegenwart können wir ein ungetrübtes Glück genießen, weil niemand uns so lieben kann, wie IEsus. Mancher liebt uns und schweigt doch zu unfern Sünden. Das ist keine