Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 54 (1898)
- Issue
- 9 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. ibre Wmelh wm Wr. 9. — 51. Jahrgang. — 1898. Inhalt: Beweise für das Dasein Gottes. — Aus der Segensgeschichte des evangelischen Kirchenliedes. — Zu Joh. 20, 3t. — Lin Gespräch mit Li-tzung-Tschang über die Bibel. — Jüdische Chronik. Beweise für das Dasein Gottes. Viele Gründe nötigen uns zu dem Glauben, daß es einen überweltlichen, allmächtigen und allweisen Geist giebt, von dem alles Sichtbare abhängt. Der gelehrte Jesuit Athanasius Aircher (f M0) zählte nicht weniger als 656( Beweise für das Dasein dieses Geistes, also Gottes, auf. Seine Berechnung mag eine etwas eigentümliche gewesen sein, indessen deutet sie darauf hin, daß dem christlichen Denker, welcher seine Aufmerksamkeit dem höchsten Gegenstand zuwendet, zureichende Gründe für seinen Gottesglauben von allen Seiten her Zuströmen. Bei dem Bemühen, den reichen Stoff zu ordnen, zeigen sich uns alsbald zwei verschiedene Gesichtspunkte. Wie wir die Jahrtausende der Weltgeschichte nach der Geburt Ehristi von einander scheiden, so scheiden wir die Gründe für den Glauben an Gott von einander mit Rücksicht auf ihre Beziehungen zu dem in der Bibel niedergelegten Gotteswort. Zur ersten Gruppe gehören die philosophischen oder außerbiblischen, zur zweiten die biblischen Beweise für das Dasein Gottes. Der Gang der nachfolgenden Erörterung, der vom Geringeren (der Philosophie) zum Größeren (der Bibel) führt, ist also derselbe wie bei der früher veröffentlichten Behandlung der Unsterblichkeit der Seele (D. E. (896, No. (0 f.). (. Der aus der Eichel erwachsene Baum muß die Art des Baumes an sich tragen, dessen Frucht die Eichel ist. Zn der jungen Eiche muß die alte zu erkennen sein. Wie könnte der Schöpfer der Welt in seinen Geschöpfen verborgen bleiben? Dem forschenden Sinn tritt er hier vielmehr überall entgegen: mögen wir z. B. auf das menschliche Seelenleben oder auf den äußeren Weltbestand oder auf die natürliche und die sittliche Weltordnung achten. Zn ersterer Einsicht, bei den Beweisen der Psychologie für Gottes Dasein, haben wir dreierlei zu bedenken. Vor allem ist Gott in unserer innersten Erkenntnis vorhanden. Wie das Selbstbewußtsein oder die Elternliebe bildet der Gottesglaube einen Bestandteil der menschlichen Natur. Daher findet er sich auch überall, wie schon Licero hervorhob. Sollte es ein Volk geben, bei dem er nicht vorkäme, so würde von demselben das Wort von D. F. Strauß gelten: „Mit der Gott.esidee fehlt jedenfalls die wahre, bl.Bihliothek 1Q.X1.98