Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 10
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2555035-2555045--09744-2565931- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
80 meine Seele wie im Wetter gen Fimmel. Lin gewaltiger Sturm trieb alle meine Vorurteile in den tiefsten Abgrund. Lin heiliges Feuer verzehrte all meinen gottlosen Haß und die teuflische Lästerung, die von Kindesbeinen an gegen den Sohn Gottes in mein Herz gepflanzt worden war. Für den Augenblick kam es mir wie ein Traum vor, aber die Majestät der Bergpredigt gewann die Oberhand und zwang mich, weiter zu lesen. Je mehr ich las, desto mehr wollte ich lesen. Je mehr ich wußte, desto mehr dürstete ich nach wissen. Als ich das N. T. durchging, wurden verschiedene dunkle Stellen des A. T. mir so hell wie der Fimmel ohne Wolken am Mittag. Die Abschnitte flogen mir wie ein ruheloser Strom am Geiste vorüber. Dann setzte ich mich nieder, um das Alte mit dem Neuen zu vergleichen, und merkte, wie wenig ich Kenntnis hatte von der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, während ich bemüht war, die meinige aufzurichten. Durch solches Studimn gelangte ich zu der Schlußfolgerung, daß Jesus der Messias Israels ist." ßin Wahrzeichen einer erhabenen Nekigion. Der französische Philosoph Jonsfroi schreibt einmal: „Ls giebt ein kleines Buch, welches man die Kinder lernen läßt, und über welches man sie in der Kirche fragt. Lesen Sie dies Büchlein! Ls heißt: Katechismus. Sie werden darin alle Fragen ohne Ausnahme gelöst finden. Fragen Sie einen Christen, woher das Menschengeschlecht stammt, wohin es kommen soll, wte es dahin kommen wird, so weiß er es. Fragen Sie ein Kind, das noch nie tiefer nachgedacht hat, wozu es auf der Welt sei, und wohin es uach dem Tode komme, so wird es Ihnen eine klare und sichere Antwort geben. Den Ursprung der Welt, des Menschen und seiner Gattung, die Bestimmung desselben hienieden und drüben, seine Beziehung zu Gott und dem Nebenmenschen, des Menschen Rechte auf die unvernünftige Schöpfung: alles dies kennt das Kind. Und ist das Kind herangewachsen, so wird es über Naturrecht, Staatsrecht und Völkerrecht ganz klare Begriffe haben, denn dies alles fließt klar und wie von selbst aus dem Christentum. Das nenne ich eine erhabene Religion. Ich erkenne sie an dem Wahrzeichen, daß sie keine der großen Fragen der Menschheit unbeantwortet läßt." Aas Entgegenkommen der Kirche. Zn Comblain-au-Pont in Belgien steht eine Kirche, die eine merkwürdige Geschichte hinter sich hat. Sie erhob sich früher auf dem bewaldeten Berge, welcher den Ort beherrscht. Um aber den Bewohnern des letzteren die Teilnahme am Gottesdienst zu erleichtern, brach man das Gotteshaus ab und baute es im Thal wieder auf. Nur der Turm blieb erhalten und ist auch jetzt noch vorhanden. In seinem Innern wurde eine Kapelle eingerichtet, die bei den auf dem hochgelegenen Friedhof stattsindenden Beerdigungen gebraucht wird. Linst soll der Turm mit der abgebrochenen Kirche einer Burg, die den Berg krönte, angehört haben. — wie hier das Kirchengebäude seinen Besuchern gewissermaßen entgegenkam, so soll auch die Kirche, die eine Gemeinschaft der heiligen ist, und jeder versuch einer rechten Darstellung derselben, d. h. die evangelische Kirche in allen ihren Abteilungen, den Kirchengliedern entgegenkommen, um ihnen die Erfüllung der ihnen auferlegten Pflichten zu erleichtern. Sie soll nicht eine Gewallherrscherin, sondern eine liebende Mutter sein, wie lehrreich ist in dieser Beziehung Pauli Verhalten zu den voll judenchristlichen Ränken bezauberten Galatern und seine Behandlung der mit heidnischem Sauerteig kämpfenden Gemeillde zu Korinth! Aber das notwendige Lntgegenkommen hat seine Grenze. Unsere Lindigkeit darf nicht zur Schmälerung der Wahrheit führen, voll dem uns anvertrauten Himmelsschatz darf nicht das kleillste Kleinod preisgegeben werden. Fordert der Zeitgeist von uns die Verzichtleistung auf die ihm am meisten anstößigen christlichen Lehren, so gilt es, ihm mit aller Kraft zu widerstehen und den Lwigkeitsgeist, dessen Leib die Kirche sein soll, von jeder Vermischung und Befleckung mit dem vergänglichen Wesen dieser Welt sreizuhalten._ Anzeige. Der Zutritt zu bcn im Berliner Bcüdersaal, Wilhelmstr. ^36, jeden Donnerstagabend um 8 Uhr stattfilldenden Vorträgen steht jedem frei._ Herausgeber: Prediger W. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraße ^3. Verlag: Goßnersche Missionsbuchhandlung, Friedenau-Berlin. Jahrespreis: 80 Pf. Druck von I. windolff, Berlin S.W., Lharlottenstraße 88,