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Dibre Emeth · 1897-01-01 · Heft 10 · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
53 (1897)
Issue
Heft 10
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Straffolgen zu. Dreimal wird er die Ursache unserer Rechtfertigung, viermal unsere Sühnung, fünfmal unsere Versöhnung mit Gott genannt. Viermal heißt er ein Stellvertreter, sechsmal ein Priester. Neunmal erscheint er als der Besitzer, dem wir unsere Loskaufung verdanken. Aber wer bürgt dafür, daß die Schriften der ältesten Christen die Wahrheit sagen, daß ihre Verfasser recht hatten? Rein Geringerer als Spinoza stellte den Satz auf: „Die ewige Weisheit hat sich in allen Dingen, zumeist im menschlichen Geiste, am allermeisten in Thristo IEsu geoffenbart." Dies Urteil floß aus dem tiefen Gindruck, den die Geschichte IEsu auf den großen Denker gemacht hatte. Ebenso muß jeder, welcher diese Geschichte unbefangen auf sich wirken läßt, IEsum als den Offenbarer der höchsten Gerechtigkeit verehren. Wer aber von Gott die Gnade empfängt, noch weiter vor-, noch tiefer einzudringen, der darf schließlich bekennen: „IEsus ist meine Gerechtigkeit." Ihm geht es..wie dem geheilten Kranken, der sich durch keinen Widerspruch die Überzeugung nehmen läßt, daß sein Arzt ihm vom Tode zum Leben geholfen hat. Neben dem Erfahrungsbeweis steht als Bürge für die Wahrheit der Apostellehre der Umstand, daß die alttestamentliche Weissagung gerade ein solches Bild, wie es das Neue Testament in voller Ausführung zeigt, skizziert hat. Jesaja redet wie Plato von einem vollkommenen Gerechten, der leidet und stirbt. Aber während das Todesleiden bei Plato nur als Bewährungsleiden gilt, ist es bei Iesaia ein 5ühn- und Versöhnungsleiden. Daß der große Dulder Ies. 53 für andere leiden kann, beruht auf seiner ebendort gelehrten Sündlosigkeit. Schon hieraus folgt die Unmöglichkeit, des Propheten Aussage anders zu deuten als von dem Messias, den Israel aufgrund zahlreicher göttlicher Ankündigungen erwartete, und der auch nach manchen von diesen weiteren Aussprüchen sein Reich auf fein Blut gründen sollte. IEsus ist der Messias, in welchem die Gerechtigkeit verkörpert erscheint, so daß die Sünde von ihm ferner ist als der Nordpol vom Südpol, der aber zugleich den Sündern naht, sich mit ihnen umgiebt, seine Gerechtigkeit ihnen mitteilt und sie mit seinen durchbohrten Händen zu dem nunmehr ausgesöhnten Gott bringt. Also befindet man sich auf einem Irrwege, wenn man den Jom-Kippur feiert, ohne die Vermittlung des göttlichen Gesandten zu begehren, welcher vor $00 Jahren im Aufträge des Höchsten die neue Heilsordnung begründet hat. Infolge des Todes IEsu ist das alte Opferwesen in Wegfall gekommen. Vor Gott hat es keinen Wert mehr. Auch äußerlich hat der Allmächtige es den Israeliten unmöglich gemacht, in ihrem Heiligtum zu Jerusalem dem Gesetz des alten Bundes gemäß die Bedeckung ihrer Sünden zu erlangen. Sein Verwerfungsurteil trifft ebenso jeden Versuch einer Ersetzung der früheren Gottesdienstformen am großen Versöhnungstage durch andere, mag er vom rabbinisch-talmudischen oder vom modern-philosophischen Standpunkt aus angestellt werden. Rann ein König es ruhig geschehen lassen, daß seine Unterthanen sich über die ihnen bekanntgegebene Hofordnung einfach hinwegsetzen und nach eigenem Gutdünken einen

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