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Dibre Emeth · 1897-01-01 · Heft 9 · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
53 (1897)
Issue
Heft 9
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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72 Indische tzlftornk. In Berlin wurde ein verband der orthodoxen Rabbiner begründet und das 25jährige Bestehen der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums gefeiert. Bei der Generalversammlung des Berliner Kirchbauvereins berichtete Oberhofmeister Freiherr v. Mirbach : „Unter den 25 Millionen M., welche in 8 Jahren für Kirchenbauten in und um Berlin verwendet wurden, befinden sich etwa $000 M., welche patriotische Juden für die fast 4 Millionen kostende Kaiser Wilhelms-Gedächtniskirche spendeten, wiederholt wurden von jüdischen Fabrikherren für Kirchen, die im Bereich ihrer Fabriken und für ihre Arbeiter gebaut wurden, Gaben angeboten, aber wegen der in Berlin herrschenden gehässigen Stimmung abgelehnt. Ein treuer Förderer unserer kirchlichen Angelegenheiten seit vielen Jahren ist im Magistrat ein bescheidener, frommer, jüdischer Stadtrat. vor kurzem spendete ein Jude eine sehr große Gabe, welche zum Besteil von Kranken- und Waisenhäusern aller Konfessionen und für die Armenkrankenpflege verwendet wurde und viele Sorge und Glend lindern wird. Solche Dinge sind der Ausdruck des Dankes und der Anerkennung der versöhnlichen Arbeit unserer Vereine, und es ist meine Pflicht, sie dankend zu erwähnen." — Zu Kl ein bürg bei Breslau trat in der Isr. Altersversorgungsanstalt eine Stiftung des Schottländerschen Ehepaars ins Leben. Das Haus bietet für 80 Personen Raum. Gegenwärtig hat es 36 Insassen. — Linen verhandlungsgegenständ der zweiten wür ttem.be rgischen Kammer bildete ein antisemitisches Gesuch um Veranstaltung einer Übersetzung des Schulchan Aruch. Den Bericht über das Gesuch hatte der Lentrumsabgeordnete für Oberndorf, Kaplan Lckard, zu erstatten. Derselbe beantragte Übergang zur Tagesordnung, weil es überhaupt nicht Sache des Staates sei, sich zum Richter in religiösen Fragen aufzuwerfen, und weil die Lehrbücher, welche in den israelitischen Volksschulen Württembergs im Gebrauch seien, keinerlei bedenkliche Lehren enthalten, also der Schulchan Aruch für Württemberg außer Betracht falle. Der Antrag des Berichterstatters wurde angenommen. — Eine unbedachte Äußerung des Professors I. Rosenthal in Erlangen rief auf christlicher Seite heftigen Widerspruch und auch auf jüdischer Seite Mißbilligung hervor. Das eingeleitete gerichtliche Verfahren wurde auf Antrag des Staatsanwalts wieder eingestellt. — Im April wurde zu Wien ein „Allg. österreichischisraelitischer Gemeindebund" nach dem Muster des deutschen begründet. Dr. Lueger wurde zum fünftenmal zum Bürgermeister gewählt und nunmehr bestätigt. Lin nach München einberufener Kongreß der mit Dr. Herz! in Wien verbundenen Zionisten kam nicht zu stände. Jetzt soll ein solcher in Basel statlfinden. Gegen ein die zionistischen Bestrebungen verurteilendes Ausschreiben des Vorstandes des deutschen Rabbinerverbandes erließ eine in Bingen abgehaltene Vorkonferenz eine Gegenerklärung. — In Minsk und Kantakusowo (Gouv. Lherson), sowie in Schodnica, Dorna und Tarnow (Galizien), fanden Judenverfolgungen statt. Dasselbe wird von Oran und Mostagan em (Algerien) und aus Persien berichtet. — In einer zu Birmingham gehaltenen predigt verlangte der englische Oberrabbiner Dr. Adler, daß alle Juden, die sich mit dem verleihen von Geldern zu Wucherzinsen befassen, durch Gemeindebeschluß vom Besuch der Synagogen ausgeschlossen werden. — Die Gemeinde Keneseth Iisrael zu Philadelphia führte vor jo Jahren den Sonntagsgottesdienst ein. Kürzlich erschienen im Druck 2 eigentümliche Proben der hierbei stattfindenden predigten: eine solche von Dr. Krauskopf über gute, und böse Einflüsse des Romans und eine predigt von Rabbiner Levy über die Übel der Schutzzollpolitik. — Die in Lhicago erschienene Schrift „Iüd. Fragen," von Dr. B. Felsenthal beantwortet die Frage: „Giebt es Dogmen im Judentum?" bejahend. Als Dogmen betrachtet her Verfasser Gottes Einheit und Israels Erwählung. — In Siona City wurde Frau I. M. Lohen zur Vorsteherin der jüd. Gemeinde ernannt: wohl der erste derartige Fall. — Die 5 jüd. Ansiedlungen in Argentinien, für welche die jüd. Kolonisalionsgesellschaft sorgt, zählen jetzt 910 Familien gegen \222l I *895. von der 201619 ba betragenden Bodenfläche wurde bisher kaum die Hälfte besetzt. Anerbieten. Der Herausgeber dieses Blattes ist stets bereit, Israeliten unentgeltlich in der christlichen Religion zu unterrichten. Herausgeber: Prediger w. Becker, Friedenau-Berlin, Häuffstraße *3. Verlag: Goßnersche Missionsbnchhandlung, Friedenau-Berlin. Jahrespreis: 80 Pf. Druck von 3. windolff, Berlin S.W., Lharlottcnstraße 88.

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