Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 53 (1897)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2555035-2555037--09665-2565844- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Inhatt: Ausgewählte Worte Melanchthons (Schluß). — Der 23. Psalm. — Dunkle Stunden. — Der Hochmut. — Jüdische Chronik. Ausaewälilte Worte Melanchthons. (Schluß.) 9. Wir sehen gar wohl die ernstlichen Mandate und das kaiserliche Edikt, die wider uns und unsere Lehre ausgegangen sind. Des sollten wir billig erschrecken, wenn wir von leichten, geringen Lachen oder von Lachen, die in Zweifel stünden, zu handeln hätten. Nachdem wir aber gottlob durch Gottes Wort in unserem Kerzen und Gewissen des ganz und ohne allen Zweifel vor Gott gewiß sind, daß die Widersacher verdammen die offenbare, göttliche Wahrheit und die rechte, christliche, selige, heilige Lehre, ohne welche keine christliche Airche irgendwo sein kann, und die ein jeder Ehrist, sofern sein Leib und Leben reicht, schuldig ist zur Ehre Gottes zu bekennen, zu retten und zu schützen: so lassen wir uns von solcher heilsamen Lehre nicht abschrecken. Denn wer wollte sich doch nicht wünschen an seinem letzten Ende, daß er im Bekenntnis des Artikels sterben möcht, daß wir Vergebung durch den Glauben, ohne unsere Verdienst und Werke, durch das Blut Lhristi erlangen? Es gilt die Erfahrung, wie die Mönche selbst bekennen müssen, daß sich die Gewissen nicht lassen stillen, noch zu Frieden bringen, denn durch den Glauben an Ehristum. Lie können keinen rechten, beständigen Trost haben in den großen Ängsten der Todesstunde und in Anfechtung wider die großen Schrecken des Todes und der Sünde, wenn sie nicht an die Zusage der Gnade in Ehristo sich halten. Auch können sie keinen beständigen Trost haben wider den Teufel, welcher dann erst stark die Kerzen drängt, ängstet und zur Verzweiflung reizt und alle unsere Werk in einem Augenblick wie Ltaub wegbläst, wenn sie nicht an dem Evangelio, an dieser Lehre festhalten, daß wir ohne unser Verdienst, durch das teuere Blut Ehristi Vergebung der Lünde erlangen. Der Glaube allein erquickt und erhält uns in dem großen Todeskampf, in den großen Ängsten, wenn keine Areatur helfen kann, ja, wenn wir außerhalb dieser ganzen sichtbaren Areatur von dannen in ein ander Wesen und Welt sollen abscheiden und sterben. Darum ist es eine Sache, die wahrlich der Rede wert ist, um welcher willen jeder Ehrist von Kerzen gerne alles wagen und in Fahr setzen soll. Darum alle diejenigen, so unserer Aonfession anhangen, dürfen sich nicht schrecken oder irren lassen, sondern mögen in aller Freudigkeit auf Gott und