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Dibre Emeth · 1896-01-01 · 10 (1896) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
52 (1896)
Issue
10 (1896)
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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76 Endlich nennen wir den teleologischen Beweis, den z. B. Fichte begünstigte. Der Lebenszweck wird vielfach nur mangelhaft oder garnicht verwirklicht. Denn mancher verfällt dem Tode, nachdem er eben erst angefangen hat, zu leben. Ein Talmudlehrer meinte, das Weib habe seinen Lebenszweck mit seiner Schönheit erfüllt. Das klingt galant, ist aber in Wahrheit eine Roheit und Grausamkeit. fjat denn ein unschönes Weib keinen Lebenszweck? Vielmehr soll jeder Mensch seine seelischen Anlagen und Kräfte harmonisch ausbilden. Dies wird aber Unzähligen durch einen frühen Tod unmöglich gemacht. Also muß die Weisheit und Liebe des Schöpfers nach dem Tode des Leibes der Seele Gelegenheit geben, auszureifen. — Ohne Gott kommt die Philosophie nicht aus. Je mehr wir Gott in unser Nachdenken über die Seele hineinziehen, desto stärker wird die Gewißheit ihrer Unsterblichkeit. Und Gott selbst erscheint als Zeuge für die letztere. Nicht nur auf Hypothesen und postulaten, sondern auf göttlichen Offenbarungen ruht der Unsterblichkeitsglaube. Das führt uns zu den biblischen Beweisen. (Schluß folijt.) Aus Bernardino Ochrnos 30 Dialogen. Das letzte Kapitel von Benraths Geschichte dieses Italieners (Braunschweig (892) beschäftigt sich mit den {563 in Basel erschienenen Dialogen, um derentwillen der greise Prediger'Zürich verlassen mußte. Ochino hat es in einigen Gesprächen mit einem Juden zu thun, und Benrath stimmt betreffs dieser Dialoge dem Urteil Wolffs zu: „Wo Ochino gegen die jüdischen Anschauungen disputiert, ist er unvergleichlich." Zn der ersten Unterredung fragt Ochino den Vertreter der Synagoge: „Warum glaubt ihr nicht, daß Zesus der Messias sei?" Die Antwort lautet: „Wegen der abergläubischen Bräuche und Lehren, die wir in eurer Uirche finden, wegen der Bilderverehrung, ^eiligenanrufung, Wandlungslehre und Beichte." Der Zsraelit meint, Zefus habe das alles eingerichtet. Ochino erklärt nun: „Wäre dies der Fall, so würdet ihr Recht haben. Aber es verhält sich durchaus nicht so." Nachdem von der Beschneidung und der Sabbathfeier die Rede gewesen ist, findet der Jude in Mal. H ein Zeugnis gegen die Messianität Zesu: „Elia ist noch nicht gekommen," „Doch," entgegnet Ochino. „Elia war Zohannes der Täufer." Dann fährt er fort: „Daß Zesus in der That der Messias gewesen ist, geht auch daraus hervor, daß das jüdische Volk jetzt schon (500 Zahre lang eine so harte Strafe erleidet, weil es jenen verworfen hat." Ein weiterer Beweis ist die mit dem Segen Jakobs (. Mose 4.9 übereinstimmende Thatsache, daß dem Stamme Juda nach Zesu Erscheinen das Szepter genommen wurde. „Wie der Blüte die Frucht, so ist dem Gesetze das Evangelium gefolgt. Nur das Sittengesetz des alten Bundes bleibt: das Eeremonialgesetz bindet uns nicht mehr. Zn Zesu haben sich alle Weissagungen der Propheten erfüllt. Sein Selbstzeugnis, feine Thaten und feine Auferstehung beweisen es unwidersprechlich, daß er der

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