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Dibre Emeth · 1896-01-01 · 10 (1896) · page 2

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Journal
Dibre Emeth
Volume
52 (1896)
Issue
10 (1896)
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seele giebt, sondern wir wollen die Wege angeben, auf welchen man zur Gewißheit über dieselbe gelangt. Im vorigen Jahr beabsichtigte der Sprecher der freireligiösen Gemeinde zu Berlin in einer öffentlichen Versammlung das Thema zu behandeln: „Giebt es in Preußen Religions- und Gewissensfreiheit?" Aber die Berliner Buchdruckerei, welche das öffentliche Anschlagswesen besorgt, ließ diese Ankündigung nicht zu und setzte statt derselben: „Über die Religions- und Gewissensfreiheit in Preußen." Ebenso würden wir es mißbilligen, wenn jemand, namentlich aber, wenn ein von der Unsterblichkeit der Seele Überzeugter diese in der Anzeige einer öffentlichen Behandlung des Gegenstandes in Frage stellen wollte. Nicht weniger anfechtbar wäre natürlich das Thema: „Giebt es einen lebendigen Gott?" Insonderheit wäre es verkehrt, wenn jemand diese Frage aufwerfen wollte, der sie bejaht. Wer an Gott glaubt, darf nicht einmal den Schein erwecken, als ob er nicht an Gott glaubte, als ob er die Gottesleugnung für berechtigt ansähe. Das allgemeine Interesse an der Wahrheit, die uns heute beschäftigt, ist nicht nur ein theoretisches, aus der Wißbegierde fließendes, sondern vor allem ein praktisches, auf der Furcht und der Hoffnung ruhendes. „Wehe mir, wenn mit dem Tode nicht alles aus istl" ruft der eine, während sich der andere für diesen Fall glücklich preist. Wir verwandeln das „Wenn" in ein „Weil". Der eine hat Ursache zu zittern, der andere hat Ursache zu jubeln, weil die Seele nicht mit dem Leibe eingesargt und begraben werden kann. I. Philosophische Beweise. Zunächst steht die Thatsache fest, daß sich der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele unter den verschiedensten Völkern des Altertums und der Neuzeit flndet. Eicero machte einst darauf aufmerksam, daß kein Volk so roh und wild sei, daß es nicht an einen Gott glaube. Dasselbe gilt mit Bezug auf die unbegrenzte Fortdauer des Seelenlebens nach dem Tode des Leibes. An diese glaubten z. B. die alten Egypter und Griechen. Die Vorstellungen der Griechen über die Unsterblichkeit sind namentlich aus dem U- Gesang von Homers Odyssee bekannt. Aber auch die Germanen bezweifelten die Ünsterblichkeit nicht, wie Walhalla und Oelheim bezeugen, heutzutage Hallen die afrikanischen Neger auf der Goldküste nach einem Todesfall ein Trinkgelage ab, weil sie der Ansicht sind, daß der Geist des Verstorbenen sonst zürnen und die Verwandten umbringen würde. Woher stammt nun der unter den mannigfaltigsten Verhältnissen und zu den verschiedensten Zeiten auftretende Unsterblichkeitsglaube? Offenbar bildet derselbe einen Teil von dem eisernen Bestand der menschlichen Natur. Wie das Selbst- und das Gottesbewußtsein, so ist dieser Glaube eine angeborene Denknotwendigkeit. Er steht mit der Erfahrung im Widerspruch: dennoch drängt er sich uns mit Macht auf. Man kann ihn bestreiten, wie man auch gewissen mathematischen Grundsätzen die Anerkennung versagen kann. Aber ist es Thorheit, zu leugnen, daß jede Größe sich selber gleich ist, daß alle Teile einer

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