Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 10 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblait für Israeliten und Freunde Israels. Ar. 10. - 52. Jahrgang. — 1896. Inhakt: Das Leid. — Beweise für die Unsterblichkeit der Seele. — Aus Bernardino Mchinos 30 Dialogen. — warum? — Zu 2oi). 3,16. — Zu Joh. 5,22 f. — Die Versteigerung einer Menschenseele. — Zum Nachdenken. — Briefkasten. — Empfangsbescheinigung. Das Sage mir, was ist das Leid, Und wie siehst Du's an? Als des Schicksals Grausamkeit, Die nichts wenden kann, Oder als des Vaters Zucht, Der Dich dennoch liebt, Als die Zucht, die eine Frucht Ew'gen Friedens giebt? Ist's das Rächerschwert, womit Gott den Frevler trifft, Oder ist's des Arztes Schnitt Gegen Wundengift? Ist es finst're Wetternacht, Draus der Blitzstrahl dringt, Oder Regen, lind und facht, Der den Frühling bringt? Leid. Sage, was ist Dein Geschick? Dichter Nebelflor, Drin Dein Auge ganz den Blick Himmelan verlor, Oder Morgenduft im Thal, Der in nichts zerscbwebt, wenn der Sonne Segensstrahl Siegreich sich erhebt? Siehst Du denn den Hellen Riß Im Gewölks nicht, Draus in Deine Finsternis Strömt des Trostes Licht, Daß Du Gottes Führung traust Als ein folgsam Rind Und nicht länger ballst die Faust, Als Rebell gesinnt? (Nach dem Edelweiß.) Beweise für die Unsterblichkeit der Seele. Jede Wahrheit ist an und für sich wertvoll, aber es kann nicht jede auf die allgemeine Anerkennung ihres Wertes rechnen. Nehmen wir B. den über alle Zweifel erhabenen Lehrsatz des Pythagoras, dem zufolge in einem rechtwinkligen Dreieck das Quadrat der Hypotenuse gleich der Lumme der Quadrate beider Aatheten ist: wie vielen Menschen ist diese mathematische Wahrheit vollständig gleichgültig! Oder erinnern wir uns daran, daß M. Bipsanius Agrippa, der Lchwiegerfohn des Aaisers Augustus, i. I. J5 v. Thr. als Gast von Merodes d. Gr. in Jerusalem weilte: für wie viele hat diese geschichtliche Wahrheit gar keine Bedeutung! Desgleichen begegnet die geographische Wahrheit, daß Berlin vom Nordostende des preußischen Ltaates (Memel) 98, vom Lüdwestende desselben (Aachen und Trier) 87 Meilen entfernt ist und also ziemlich in Preußens Mitte liegt, einem verhältnismäßig nur kleinen Kreise von Interessenten. Anders aber verhält es sich mit der Unsterblichkeit der Leele. Die Fassung des obigen Themas zeigt, daß wir diese Unsterblichkeit für eine Wahrheit, für einen feststehenden, unerschütterlichen Lehrsatz halten. Wir stellen es nicht in Frage, ob es eine Unsterblichkeit der