Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 8 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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58 heimsuchet der Väter Missethat an den Rindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich Haffen" (2. ZHofe 20, 5). A. : Wenn der Gott der Bibel der wahre Gott ist, so bedarf ich einer Arzenei gegen die Sünde. B. : Jawohl, denn die Sünde ist eine Arankheit. Aber sie ist auch ein Verbrechen, das wieder gut gemacht werden muß: darum bedürfen Sie einer Sühne. A. : Von der Sühne sprachen Sie ja schon früher. Nach orthodoxer jüdischer Lehre ist der Jom Rippur der Tag, an dem die Sünden alljährlich gesühnt werden. B. : Der Tag als solcher sühnt nicht. A. : Nein, natürlich muß man selbst etwas thun: fasten, beten, Almosen geben. B. : Alles das ist nicht genug. Auch das an vielen Orten übliche Hahnenopfer genügt nicht. Tin anderes Opfer muß da fein. A. : Im Jahrhundert brauchen wir doch keine blutigen Opfer mehr! B. : Gin göttlicher Rechtsgrundsatz lautet: „Ohne Blutvergießen keine Vergebung." A. : Wollen Sie im Ernst die alte Gottesdienstordnung erneuern? B. : Die Tieropfer der alten Zeit waren Vorbilder des größten Opfers, welches je auf Erden stattfand: der Selbstdahingabe des Sohnes Gottes. Sein Blut sühnt die Sünde. Der Glaube an den getöteten Messias und die aus solchem Glauben hervorgehende Bitte: „Gott, wasche mich wohl von meiner Missethat und reinige mich von meiner Sünde durch das Blut deines Sohnes!" (Pf. 5\, Ioh. \t 7) — das ist der Weg zur Erlösung. A. : Haben Sie sich einmal mit dem Leben Jesu von Strauß befaßt? Dieser Mann weist ja in der Geschichte Ihres Religionsstifters überall Dichtungen nach. B. : Ich kenne ihn einigermaßen. Die merkwürdigste Periode seiner eigenen Lebensgeschichte ist die Zeit, in welcher er — anders denkend als Luther mit seinem überzeugungsfesten „Hier stehe ich; ich kann nicht anders!" — den Rritikern seines Lebens Jesu allerlei Zugeständnisse machte und z. B. einzelne Wunder des Heilands, sowie die Echtheit des Iohannesevangeliums für möglich hielt. Beweise dafür, daß der Bericht des Neuen Testaments als ein unzuverlässiger angesehen werden müsse, fehlen gottlob immer noch. Auch Renan lieferte sie nicht, und sie werden überhaupt nie geliefert werden. A. : Sie halten also wirklich fest an der sündlosen Geburt Jesu, an seinen Wundern, seiner Auferstehung u. s. w.? B. : Allerdings. Namentlich aber beuge ich mich unter das Zeugnis des Neuen Testaments von der Sühnkraft des Todes Jesu, z. B. unter das Wort: „Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht" (2. Ror. 5, 2\: Gal. 5, \5). Mit den hierauf bezüglichen Aussagen stimmen die alttestamentlichen Weissagungen überein. Ich verweise Sie namentlich auf Ies. 53. A.: Ich las heute zufällig in einem christlichen Blatt, der