Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 52 (1896)
- Issue
- 6 (1896)
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Nr. 6. — 52. Jahrgang. — 1896. Inhalt: Neues Leihen. — Bekenntnisse on Abrabahom Geiger. — Die Berqp edigt im Talmud — Das vierfache paradikfeserbe.— Leidinand Thnstian Ewald.— Ein Rind der Welt aus Israel. — Zu Psalm 103,2. — Zu l ‘Kor. 2, io ff und Jod. l, I ff. — Zwei christliche Philosophen. — Zum Nachdenken. — Zur Statistik. — Empfangsbescheinigung. Neues Leben. Schon ist's, wenn die Helle Sonne aus dem Morgennebel taucht Dnd mit ihrem roj'gen Schimmer Feld und Fluren überhaucht. Fiöhlich regt sich's auf den Triften, die die finstre Nacht bedeckt. Alles wird zu neuem Leben durch der Sonne Gruß erweckt. Schön ift's, wenn des Frühlings Stimme durch die weite Scböpfung klingt Und aus seiner Knospenhülle jeder Keim zum Leben dringt. Wenn das Kleid der alten Erde jugendfrisch der Lenz erneut Und darauf in bunten Farben seiner Blumen Fülle streut. Aber schöner noch und sel'ger, sel'ger, als man denken mag, Ist's, wenn Du, o Licht des Lebens, bringst ins Herz den neuen Tag, wenn der Nebel alten Wesens vor der Morgensonne flieht Und Dein Bild, o lieber Heiland, leuchtend hell tm Herzen glüht. Sel'ger als-der Erde Lenze ist der Lenz, der ewig bleibt, Wenn's vom weh'n des heil'gen Geistes in der Seele sproßt und treibt. Komm, o komm. Du Lebenssonne, sende Deiner Strahlen Schein! Laß mein Herz in Deinem Lichte einen Garten Gottes sein! (Franz Oeters.) < Bekenntnisse von Abraham Geiger. „Gott st^ht in der jüdischen Religion zu hoch. Solange er Nationalgott war, lebte er in unserer Nähe. Nimmt man aber dem Judentum auch dieses, und hat es ferner jenes Annähernde der höchsten Liebe auch nicht, auch natürlich nicht die Vermittlung eines Menschen, dann steht uns der weise Herrscher, wenn er auch einige Milde hinzufügt, sehr ferne. Das Judentum ist als positive Religion etwas zu abstrakt, und der Rationalismus macht es noch abstrakter. Gesetzt, es sei wahr, daß die jüdische Religion wegen ihres Dogmenmangels, der aber auch eben leider den Mangel der als das höchste anerkannten religiösen Ideeen anzeigt, weit entwicklungsfähiger fei als andere, was sich in der Erfahrung nicht zeigt, so wiU dies bloß so viel heißen als: es lassen sich die verschiedensten Ansichten mit dem Judentum verbinden, eben ein Beweis, daß in ihm fast keine liegt, und wer preßt dann aus einer nackten Hülse der Art Erbauliches?^ Die vorstehenden Äußerungen Geigers finden sich in einem Brief an Dörenbourg v. I. \835 (A. Z. d. I. M6, L. Der Schreiber läßt hier