Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 51 (1895)
- Issue
- 3 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2555061-2555064--09448-2565606- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ein Monat-Matt fite Israeliten und Freunde Israels. Mr. 3. — 51. Jahrgang. — 1895. Inhalt: Die Verjüngung des Judentums. — Der Messias als Zenrach nach Sach. 6, 12 f. (Schlußl. — Frau Baeyertz. — Die Juden von Spitalfields. — Au 3. Mose 19,17. — Au Jef. 17, 14 ff. — Zu 1. Kor. 15, 10 .1. — Die Kirchenväter. — Die Londoner Iudenmission in Berlin 1894. — Todesfälle 1894. — Zur Statistik. — Empfangsbescheinigung. Die Verjüngung des Judentums., Prof. Moritz Lazarus in Berlin arbeitet seit mehr als zehn Jahren in den besten Stunden, die ihm kommen, an einer Schrift, die nach seinem Tode seinen Glaubensgenossen als ein Vermächtnis übergeben werden soll. Sie handelt von der Erneuerung oder Verjüngung des Judentums. Da das letztere nach des Verfassers Behauptung lebt, darf der Titel das Wort „Wiederbelebung" nicht enthalten. Im Februar, sagt Lazarus, ist ein Apfelbaum nicht tot, obwohl er allerdings auch noch nicht das wirkliche Leben des Baumes führt. „Erft wenn der Stamm feine Laubkrone erhält, wenn die Sprossen religiöser Gefühle, die Blüten religiöser Gedanken und Wahrheiten, die Früchte edler Handlungen erscheinen, offenbart sich das volle, das wahre Leben des Baumes." Eine Erneuerung des Judentums in Deutschland und Asterreich, dessen Gedankengehalt es an Bestimmtheit, dessen Programm es an Rlarheit fehlt, erwartet der Gelehrte erst nach dem Anbruch einer neuen Zeit unter den Juden Amerikas, hier steht es nach Lazarus in mancher Hinsicht besser. Es ist erfreulich, daß in Israel ein Bewußtsein von seiner Reformationsbedürftigkeit erwacht. Auf christlicher Seite hat man schon längst auf dieselbe hingewiesen. Das Judentum der Gegenwart ist ein unhaltbarer Zwischenzustand. Mosaischen Bekenntnisses ist weder der Talmudjude, noch der Reformjude. Mit welchem Recht könnte namentlich der letztere dies von sich behaupten, wenn er die Speiseverbote nicht berücksichtigt, wenn er die Sabbathfeier, ja, sogar die Beschneidung willkürlich behandelt? Und ist denn der Gott, dem er dient, der Gott Moses und nicht im besten Fall der Gott Spinozas? Aber Prof. Lazarus irrt, wenn er von der Zukunft und vom fernen Westen eine aus dem Judentum selber hervorgehende Araft der Verjüngung erwartet. Nach den Zeugnissen der ewigen Wahrheit, d. h. gemäß den in der heiligen Schrift niedergelegten göttlichen Offenbarungen, ist der bereits vor $00 Jahren im heiligen Lande erschienene göttliche Messias der von Gott selbst verordnete Erneuerer Israels. Eine wirkliche Verjüngung des Judentums kann nur durch ihn herbeigeführt werden. Gottlob dürfen wir hinzufügen: Sie wird auch trotz alles Widerstrebens auf diesem Wege einmal stattfinden.