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Dibre Emeth · 1894-01-01 · 10 (1894) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
10 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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während es das Leben genießen könnte I Wir begreifen es, daß der Abfall von Gottes Offenbarungen die Glut des göttlichen Zornes entfacht, daß die Sünde Strafgerichte nach sich zieht. Israels Geschichte ist denn auch tatsächlich voll von Zeugnissen des heiligen Unwillens, mit welchem der höchste feine abtrünnigen Rinder betrachtet. Aber er züchtigt dieselben als ein rechter Vater. Ihre Besserung, nicht ihr Untergang ist das Ziel, welches er sich gesteckt hat. Darum mahnt, ja, bittet er sie, während er die Zuchtrute anwendet: „So kehret nun wieder, ihr abtrünnigen Rinder!" Und um ihnen hierzu Mut zu machen, sichert er ihnen eine neue Gnadenerweisung zu: „Ich will euch heilen von eurem Ungehorsam." Namentlich vernimmt Israel an seinem Iom-Rippur den- Bußruf Iehovahs und zugleich die trostreiche Ankündigung, daß Gott sein Verhalten zu seinem Volk ändern werde, wenn dieses seinen Sinn ändere. Aber was gehört zu solcher gesegneten Sinnesänderung? Welche Straße führt von der Sünde zurück zu dem himmlischen Vater? Wie erlangt man Vergebung und Versöhnung? Sollten Beten, Fasten und Almosengeben ausreichen, um die sittlichen Schäden zu heilen? Sollte das Opfer eines Hahns oder einer Henne hierzu imstande sein? — Wir stehen hier an einem Scheidewege. hier tritt die Air che in einen Gegensatz zur Synagoge, der bestehen bleiben wird, solange beide ihren Bestand aufrecht erhalten. Die christliche und die mosaische Religion stimmen in dem Glauben an den einen, heiligen, aber auch erbarmungsreichen Gott überein. Beide erklären den Ungehorsam gegen die Vorschriften des göttlichen Gesetzes für einen der Sühne bedürftigen Frevel. Ueber das Mittel aber, welches den Sünder der verdienten Strafe überhebt, sind sie verschiedener Ansicht. Die Rirchenlehre von der Versöhnung ist von einem Namen nicht zu trennen, welchen ein Israelit in der Regel mit Widerwillen hört. „Das Blut Jesu Lhristi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde," so bekennt die Christenheit mit dem großen Sendboten Lhristi (J. Ioh. s, 7). Sie weist auf das tiefsinnige Wort ihres Stifters hin: „Wer mein Fleisch isset und mein Blut trinket, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken" (Ioh. 6,Sie erinnert an die bei der Einsetzung des neutestamentlichen Paflamahls ausgesprochene Beteuerung: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden." Sie erklärt, es sei nicht genug, wenn der Mensch sich nur schäme und gräme wegen seiner Abweichungen von den am Sinai erlassenen Geboten Gottes und den beleidigten Gesetzgeber um Erbarmen anflehe: er müsse sich auch demütigen wegen seines Ungehorsams gegen den in Jesu erschienenen Sohn Gottes und unter Berufung auf das von Jesu vollbrachte Opfer die Gnade des höchsten suchen. Diese Lehre der christlichen Rirche von der Versöhnung wird aber nicht nur von Zeugnissen des Neuen, sondern auch von Aussagen des Alten Testaments gestützt. Den göttlichen Versöhner, als welchen wir Ehristen Iesum verehren, haben die Propheten

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