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Dibre Emeth · 1894-01-01 · 6 (1894) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
50 (1894)
Issue
6 (1894)
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Jahre feierte die Kralicer Bibel ihr 300jähriges Jubiläum. Sie ist die Frucht einer ^jährigen Arbeit von . Gelehrten der böhmisch-mährischen Brüderunität, welchen Johann von Zierotin zu diesem Zweck sein Schloß bei Kralic in Mähren eingeräumt hatte, wie er auch die Verlags kosten trug. Die böhmische Übersetzung ist mit Erklärungen versehen. Das großartige Werk, welches in Kralic gedruckt wurde, erschien in 6 Teilen unter Kaiser Rudolf II. i. I. *593. Obgleich die Leinde des Evangeliums, wie der Brüderbischof Domensky klagte, foviele Exemplare verbrannten, als sie nur erhaschen konnten, blieb diese Bibel durch Gottes Gnade dennoch erhalten. Die reformierten Kirchen Böhmens und Mährens veranstalteten ^893 besondere Gottesdienste, um dem höchsten für den Segen zu danken, der auf dem kostbaren Vermächtnis der Brüderunität geruht hat. Neuerdings wurde nicht nur das Kralicer Neue Testament von der evangelischen Traktatgesellschaft in Prag neu herausgegeben, sondern die ganze Bibel von katholischen »Verlegern wieder abgedruckt und verbreitet. Aus der jüdischen Presse. Die englisch-jüdische Zeitschrift „The Jewisli Ckronicle“ druckte vor einem Jahr (in der No. vom 30. Juni) ein Schreiben ab, welches auch in Deutschland beachtet werden sollte. Dieser Brief eines Israeliten nimmt die ernstgesinnten Christen, welche aus Liebe zu den Juden ihnen das anzubieten suchen, was den Christen selbst als das höchste Gut erscheint, in Schutz gegen die so häufigen Schmähungen der jüdischen Presse. Es heißt hierin: „Das Anerbieten wird in gutem Glauben gemacht. Der Jude kann es annehmen oder ablehnen. Aber jedenfalls möge es als das Anerbieten einer christlichen Kirche angesehen werden, das ehrlich, offen, in teilnehmender Liebe gemacht wird." Lin anderes englisch-jüdisches Blatt, „1116 J. Quarterly Review“, veröffentlichte kürzlich eine christologische Betrachtung des Rabbiners Upton, in welcher zwar die Gottheit und die wunderbare Empfängnis des Heilandes bestritten, dann aber gesagt wird: „Der Urkirche stand es fest, daß es kein der Endlichkeit angehöriger Mensch sein könne, der sich da über alle persönliche Selbstsucht erhob und seine Mitmenschen mit wirklich unendlicher Eingebung lieb hatte, daß es kein bloß endlicher Mensch sein könne, welcher selbst da noch sagen konnte, er sei nicht allein, denn der Vater sei bei ihm, als auch seine nächsten Freunde ihn verließen." Der Dreieinigkeitslehre schreibt Upton die Bedeutung zu, daß sie den Menschen immer wieder die Wahrheit vor die Augen gestellt habe, „daß Gott wirklich und wesenhaft im Gemüte und Kerzen Jesu gegenwärtig und wirksam gewesen sei." Weiter sagt er: „Die tiefe religiöse Erhebung, welche in der Bibel dargesteüt ist, hat in dem Leben und den Äußerungen Jesu ihren Höhepunkt erreicht und ist der eigentümliche und ganz unschätzbare Beitrag, den der Genius der hebräischen Rasse zu dem geistigen Schatze der Welt geliefert hat." Unwillkürlich fragt man im Einblick auf diese Auslassung: „worauf wartet Israel noch, wenn sein religiöses Leben in Jesu gipfelt?" In der „Allg. Zeitung des Judentums" OW, Nr. \2) wird mit Recht über den „sträflichen Leichtsinn" Beschwerde erhoben, mit dem manche nichtjüdische Gelehrte („die namhaftesten" ist zu viel gesagt) „ihre sog. Forschungen über Judentum und Juden zu Tage fördern." Als Beispiel dient die von Lessing, Renan und Lombroso ausgestellte Behauptung, daß der Unsterblichkeitsglaube bei den Juden fehle, bezw. erst auf einen christlichen Einfluß zurückzuführen sei. Aber derselbe „sträfliche Leichtsinn" giebt sich vielfach auch in der Ärt und weise zu erkennen, wie jüdischerseits über christliche Dinge abgeurteilt wird. Mars lese z. B., was der Dresdener Rechtsanwalt L. Lehmann in Brülls „Monatsblättern" (^893, Nr. 5) über die letzteren zu sagen weiß! Oder man nehme das in Paris erscheinende jüd. Wochenblatt „La Vraie Parole“ zur Haikd, welches Jesum zu einem „begeisterten Schüler der religiös-sozialen Lehren Moses und der Propheten" macht! Herausgeber: Prediger w. Becker, Friedeuau-Berlin, Hauffstraße *3. Verlag: Goßner'sche Missionsbuchhandlung, Friedenau-Berlin. Jahrespreis: 80 Pf. Druck von ). Mindolff, Berlin S.W., Lharlottenflraße 88

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