Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 11 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. 11« — 49. — 1893, Anhakt: Aus dem 85. Iahresbeiicht der L. I -M. — puul Eduard „Gottbeil. -- Joh. 3, 8. — Uber El«L)edamije. — Ein jüdischer Herzog im 16. Jahrhundert. — Uber die anthropologische Stellung der Juden. — Bücherbericht. — Anerbieten. Aus dem 85. Jahresbericht der L. I.-M. Daß das Evangelium seine alte Anziehungskraft auch an vielen Gliedern der Synagoge offenbart, beweist jeder Bericht unserer in den 3 Erdteilen der alten Welt wirkenden Gesellschaft. Wie die Kinder einer Londoner Missionsschule, so ließen sich manche Erwachsene gerne zu Jesu führen. Bei öffentlichen Versarymlungen stellten sich hie und da Hunderte ein und hörten das Wort von der Versöhnung predigen. Der Küster einer Kirche in Groningen äußerte im Hinblick auf die vielen Juden, die hier Miss. Adler hören wollten, das Gotteshaus habe sich in eine Synagoge verwandelt. „Dies ist der einzige Platz, an dein ich in meinem großen Schmerz Trost findeil kann", bekannte eine Jüdin, die ein paar Kinder durch den Tod verloren hatte, in einer Londoner Missionshalle in Gegenwart anderer Juden. Ein Mann, welcher bei einem Vortrag als hauptsächlicher Widersacher des christlichen Redners aufgetreten war, ersuchte bald nachher um christlichen Uiiterricht. Auch Rabbiner baten um Aufnahme unter die Katechumenen. In einer rumänischen Stadt lief eilt l2 jähriger Knabe hinter dem Bücherboten Barnescu her und rief ihm zu: „Kommen Sie mit mirl Wir wollen gerne Neue Testamente haben." B. wurde nun zu 3 jungen Israeliten geführt, welche 2 Tage vorher bei einem Gespräch des Kolporteurs zugegen gewesen und durch dasselbe begierig gemacht worden waren, die Evangelien zu lesen. Da sie ihr Handwerk nicht verlassen konnten, hatten sie jenen Knaben abgesandt. In Mogador sagte ein Jude, dem das Neue Testament geliehen worden war: „Ich habe es aufmerksam gelesen und Worte darin gefunden, welche mein her; durchdringen und trösten." Er bezeichnete das Jesaiabuch als das erste Evangeliuln von Jesu und forderte seine Glaubensgenossen dazu auf, die andern zu lesen, die nur eine Fortsetzung des ersten seien. „Wir sollten Gott dafür danken", meinte er, „daß Jesaia vor Jesu lebte. Sonst würden unsere Weisen ihn verworfen haben, denn er spricht ebenso eingehend von Jesu wie Matthäus." Die Missionare Bachert und Urbschat machten die Beobachtung, daß manche russisch-jüdische Auswanderer das Neue Testament kannten. Ein Krakauer Jude, der von Miss, pick einen Traktat erhalten hatte, erklärte später, die kleine Schrift habe ihn so gefesselt, daß er ihretwegen die halbe Nacht aufgeblieben