Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 10 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Hause das mitnehmen dürfe, was ihr das Liebste sei. Als er in Schlaf gesunken war, ließ sie ihn als ihr liebstes Gut in ihr elterliches Haus tragen. Dies rührte den Mann dermaßen, daß auch er jetzt nichts mehr von Scheidung wissen wollte. Man vergleiche hiermit die Sage von den Weibern von weinsberg.) Hm *56 wurde Simon nach Rom gesandt, um den judenfeindlichen Statthalter von Palästina beim Kaiser Antoninns Pius zu verklagen. Er erreichte die Aufhebung des gegen die Juden erlassenen Gesetzes, wobei ihm angeblich des Kaisers Tochter Faustina behülflich war. Nach seiner Rückkehr äußerte er sich einmal im Gespräch mit anderen Gelehrten mißbilligend über das vielfach unsittliche Leben der Römer. Ein früherer Schüler, Juda, hinterbrachte dies dem Statthalter, und Simon wurde deswegen zum Tode verurteilt. Er floh jedoch und hielt sich nun mit feinem Sohne Eleasar *3 Jahre lang in einer Höhle am Mstufer des Galiläischen Meeres auf. Nachdem Tode von Kaiser verus (*69) wagte er sich wieder in die Öffentlichkeit. Die letzten Jahre brachte er in Meron zu, wo sich wie vordem viele Schüler um ihn sammelten. Er starb um *75. Mit Unrecht wird ihm der Sohar, das Hauptwerk der Kabbala, zugeschrieben. Dies Buch entstand erst in: *5. Jahrhundert. Das verdienstvolle Lewin'sche „Zeitbild", dem wir hier gefolgt sind, hat für christliche Leser noch die besondere Bedeutung, daß es ihnen den gewaltigen Abstand zwischen einem Gesetzesausleger nach Art Simons und einem „zum Himmelreich gelehrten Schriftgelehrten" (Matth. *3, 52) ins rechte Licht stellt. Simon erklärt z. B., das tägliche Lesen von 5. Mose 6, f. sei eine genügende Erfüllung der Vorschrift des Gesetzesstudiums. Er stellt die Schriftauslegung über die heilige Schrift. Er rechtfertigt die Entziehung hoher Steuern. Er mißachtet das weibliche Geschlecht. Er läßt sich von einem bösen Geist bedienen, da ein guter nicht zu ihm kommt. Ein maßloser Hochmut ist die Frucht der Schmeicheleien seiner Verehrer und seines Einsiedlerlebens. Die Jünger Jesu hören bezüglich aller dieser Stücke den Ruf ihres Meisters Matth. 20, 26a. Zur Statistik. Am Anfang dieses Jahres gab es in Berlin beim Kammergericht *8 christliche und 36 jüdische, beim Landgericht I *<*6 christliche und 328 jüdische, beim Landgericht II \2 christliche und *7 jüdische Anwälte, von den *30 Notaren Berlins sind 76 Ehristen und 5<* Inden. — *890 besuchten in Preußen von je 570 Einwohnern 2 christliche und 60 jüdische Schüler eine höhere Lehranstalt. In Bayern war unter *95 christlichen Einwohnern * christlicher, dagegen schon unter 27 jüdischen Einwohnern * jüdischer Schüler. In Sachsen war das Verhältnis * : 3^, bez. *: 28; in Württemberg *: *47, bez. *: *7; in Baden *: *76, bez. *: 2h; in Braunschweig *: 22% bez. * : 7. — Am *. Dezember *89* bezeichnten in Preußen 365 357 Juden die deutsche Sprache als ihre Muttersprache, 2969 die polnische, 856 die russische, 7^* die holländische, 659 die englische, *90 die masurische, **2 die französische, *23 die czechische, 95 die littanische, 83 die friesische, 66 die dänische, 55 die mährische. 2<\ die schwedische, *9 die italienische, *5 die portugiesische, *q. die spanische, ** die kaffubische, 9 die wendische, 7 die wallonische. 626 Juden hatten noch andere Muttersprachen. — Nach dem „Hand- Wörterbuch der Staatswissenschaften" (Jena, Gustav Fischer) beträgt die Zahl der auf der ganzen Erde lebenden Juden 7 403 000. (Ihnen stehen gegenüber bei einer Gesamtbevölkerung der Erde von *480 Millionen: *55 Millionen Protestanten und 233 Millionen Katholiken.) von den europäischen Ländern mit zusammen 6 800 000 Juden hat Rußland die größte Anzahl, nämlich 3 600 000, Österreich-Ungarn * 860 000, Deutsches Reich 568 000, Rumänien 4*00 000, Niederlande 97 000, Türkei 80 000, Frankreich 56 000, Großbritannien und Irland 46 000, Italien ^0 000, Bulgarien und Gstrumelien 2^000. In den übrigen Ländern Europas bleibt die jüdische Bevölkerungsziffer unter *0 000. Unter *0 000 gezählten Personen sind Juden in Rumänien 79-*, in Österreich <*78, 5, in Ungarn ^8, in Rußland 370, in den Niederlanden 2*6, in der Türkei *43, im Deutschen Reich **5, in Bulgarien und Ostrmnelien 76, in Frankreich *4, 6, in Italien *3, in Großbritannien und Irland *2. Herausgeber: Prediger w. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraße **. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Goßner'schen Mission, Friedenau-Berlin. Druck von Mindolff, Verlin Lhcirlotteustrciße 88