Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 7 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblntt für Israeliten und Freunde Israels. 49. Jahrgang )tthat1: Zum neunten Al'. — Das 85. Iahrerfest der 5. I.nn. — Godets Einleitung in das VI. T. — Zu pfcilm l50, l — Zu Mark. Sa. — Gegen das Mißtrauen. — Die Täfelchen tun Tellel-Amarna Jum neunten Ab. Auf der höhe des Olbergs erhebt sich feit mehreren Jahren ein stattlicher Turin, prächtig ist die Aussicht über Jerusalem und das umliegende Land, die man von seineil Fenstern aus genießt, prächtig auch das Geläute der in dem Turm hängenden Glocken der nahen russischen Airche. Oft schweben die melodischen Alänge über Stadt uild Land dahin. Manchem Pilger entbietet Jerusalem durch den ehernen Mund dieser Glocken einen Willkommens- oder einen Abschiedsgruß. Am 9. Ab unternehmen alljährlich große Scharen im Geist eine Wallfahrt nach Jerusalem. Von allen fromnren Israeliten wird dieser Tag als der Gedächtnistag der im Jahre 70 n. Thr. erfolgten Zerstörung des herodianischen Tempels gefeiert. Auch wir wollen uns am 9. Tage des ö. jüdischen Monats, d. h. Heuer am 22. Juli des christlichen Aalenders, jenenr großen Zuge anschließen, der über Länder und Meere zur hochgebauten Stadt hinaufgeht. Die Alagelieder Jeremias, die am 9. Ab in allen Synagogen gelesen werden, können uns die Ohren für die predigt öffneil, welche Jerusalem an diesen! Tage allen Besuchern halten will. Jene Lieder wurden im Einblick auf die schrecken des Jahres 588 v. Thr. verfaßt, gelten aber teilweise auch von dem obigen furchtbaren Ereignis. Wenn wir sie aufnlerkj'anl lese,!, so hören wir deutlich, was uns das Ierusalenr der Gegenwart zum 9. Ab zu sagen hat. Schallt die Rede der heiligen Stadt nicht wie ein Glockengeläute? .Wir vernehmen die bangen Alänge einer Totenglocke (Aap. 2, 5 u. 7), die erquickenden Laute einer Sabbathglocke (5, 5\—35), die erschütternden Töne einer Sturinglocke (5, 40 f.). In dem dreifachen Geläute, welches von Jerusalem her erschallt, macht sich zuerst eine Glocke bemerkbar, von der wir sagen können: ,,Schwer und bang tönt die Glocke Grabgesang." In der Stadt, die heutzutage Jerusalem genannt wird, sucht man äußere Größe und Herrlichkeit vergebens. Auf Schutthaufen sind die Häuser erbaut. Die neuen Entdeckungen, die dort von Zeit zu Zeit gemacht werden, betreffen Gräber. Auf der Spitze des Tempels, welcher jetzt auf dem Hügel Moria steht, prangt der Halbmond, wie er hier allerorten die Herrschaft ausübt. Noch immer leben Tausende auf dem Boden dieser Stadt und andere Tausende werden Jahr um