Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 3 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Bethlehemskirche einen Lyklus von predigten zu halten. Für die Bekanntmachung dieser Gottesdienste sorgten Anzeigen in den meistgelesenen Zeitungen und an den AnschlagssLnlen, sowie Einladungsblätter, die an einzelne verteilt wurden. Doch leisteten nur wenige Israeliten dem Rufe Folge: z. B. am 9. Ab, dem Gedächtnisiage der Zerstörung Jerusalems, 4, am purimfest und am Jom-Kippur je 9, am Ostermontag ^7. Einmal verursachte ein jüdischer Hörer durch unfreundliche Bemerkungen über den Inhalt der Predigt eine Störung. Im ganzen verl efen die Gottesdienste in bester Ordnung. Mehrfach äußerten israelitische Teilnehmer ihre Zufriedenheit und Dankbarkeit. — Bei Hausbesuchen trat oft die religiöse Gleichgiltigkeit zu Tage, in welcher so viele Semiten und Germanen der Reichshauptstadt einig sind. Zugleich zeigte es sich, daß die durch den Ahlwardt'schen Prozeß genährte antisemitische Bewegung manche Juden vom Lhristentum zurückschreckt. Indessen fehlte es daneben keineswegs an Empfänglichkeit für christliche Eindrücke. Namentlich durfte der am 30. Juli angestellte Bücherbote, I. G. Felger, ein Württembergs, der schon früher im Verkehr mit den Berliner Israeliten stand, sowohl durch verkaufte oder verschenkte Schriften, als durch kürzere oder längere Unterredungen den guten Samen weithin ausstreuen. — Die schriftliche Verkündigung des Evangeliums geschah vornehmlich mittelst der „Dibre Lmeth". Die gütige Unterstützung unserer christlichen Freunde machte es möglich, Hunderte von Freiexemplaren an Israeliten in Deutschland und in anderen Ländern abzusenden. Einzelne Empfänger wiesen unser Blättchen zurück: die meisten nahmen es an, und einige unter diesen sahen sich durch unsere Zusendungen veranlaßt, einen Briefwechsel mit dem Herausgeber anzuknüpfen. In einem an den letzteren gerichteten Schreiben wird über die Iudenhaffer bittere Klage geführt und der Wunsch ausgesprochen, die Iudenmission möchte sich in eine Lhristenmission verwandeln. Aber so nötig es auch ist, vielen sogen. Christen vorzuhalten, daß sie ihren israelitischen Mitbürgern nach dem Evangelium Liebe schuldig sind, und so bereitwillig wir auch in dieser Zeitschrift der Schändung des Christentums durch sog. Christen je und je entgegentreten: die Predigt von dem Gott darf darum doch nicht unterbleiben, dessen Antlitz Christen und Juden nicht sehen können, es sei denn ihr Bruder Jesus mit ihnen. — von 7 Taufbewerbern standen h am Endo des Jahres noch im Vorhof der chriftl. Kirche und erhielten noch den vorbereitenden Unterricht. 2 hatten Berlin wieder verlassen. Nur an Einem Gliede der Synagoge wurde (am \. Mai) das Sakrament vollzogen: an der Gattin eines christlichen Kaufmanns, deren Kinder bereits der Religion des Vaters angehörten. Manche Israeliten ziehen es vor, sich der Dienste eines Pfarramts beim Übertritt zur christl. Kirche zu bedienen, zum Teil wohl in der unbegründeten Besorgnis, daß die Taufe durch den Träger eines Missioiisamtes sie zu sehr der Öffentlichkeit anssetzen könnte. Unter den von pfarrgeiftlichen vollzogenen Taufen sind die am y*. August in der Dreifaltigkeitskirche stattgehabten zu erwähnen. An jenem Tage trat ein jüd. Fabrikant nebst 5 Söhnen und \ Tochter zum neuen Bunde über. — wie unsere Freunde für die schriftliche Bezeugung des Christentums vor Israeliten ihre Gaben darreichten, so boten sie auch die Mittel zur Unterstützung bedürftiger proselyten. Am 27. Sept. entstand ein „Brandenburgischer Verein von Freunden Israels" zur Förderung der Arbeit der L. I.-M. in unserer Provinz durch jährliche und außerordentliche Beiträge. Bis zum Ende des Jahres gingen \06 Mk. ein. Allen Mitgliedern des neuen Vereins, sowie allen übrigen Helfern, besonders denjenigen in Lübeck, Schweidnitz und Gerlingen, sei herzlich Dank gesagt. Noch einer vereinsbildnng ist hier zu gedenken. Liner Anregung des Missionars wilkinson in London zufolge lud der Schreiber dieses seine Amtsgenoffen von der landeskirchlichen Berliner Indenmiision ein, mit ihm eine in regelmäßiger Wiederkehr abznhaltende Konferenz von Arbeitern und Freunden der Mission unter Israel zu begründen. Dieser Gedanke fiel auf fruchtbaren Boden. Arn 20. Juni traten die Nächstbeteiligten zu einem verbände zusammen. Bis Ende ^892 fanden nun 3 Versammlungen statt, die dem Gebet, der Schriftbetrachtung und der Besprechung beruflicher Angelegenheiten gewidmet waren. Herausgeber: Prediger w. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraße Kommissionsverlag der Buchhandlung der Goßner'schen Mission, Friedenau-Berlin. Druck von X Windol ff, Berlin Lharlottensiroße 88.