Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 3 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblati für Israeliten und Freunde Israels. j Wibre Wmeth - Wr. 3. — 49. Jahrgang. — 1893. < L/^-- -:-----/\_1 Anhalt: Die Gemahlin des Pilatus. — Aus Tiberias. — Die Glaubwürdigkeit der heil. 5chrift bezüglich des Lebens Jesu. — Die Londoner Iudenmission in Berlin 1892. Die Gemahlin des Pilatus. Liner israelitischen Jungfrau galt die Weissagung: „Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie gcthan hat." Jesus sprach dies Wort am Abend vor dem Palmsonntag im Blick auf die Maria, die Schwester des Lazarus von- Bethanien, die versucht hatte, ihre Dankbarkeit für die Auferweckung ihres Bruders durch die Salbung des Hauptes und der Füße des HErrn zu bekunden. Aber unvergessen sollte auch bleiben, was eine Römerin, die Gemahlin des Landpflegers Pontius Pilatus, am Aarfreitag an dem Erlöser der Welt gethan hat. In der neutestamentlichen Darstellung des letzten Abschnitts der Geschichte des HErrn steht neben, der Tochter Abrahams, welche in dem kleinen Dorf am Abhang des Äbergs dem Freund ihres Dauses eine Huldigung darbrachte, die Heidin, welche in Jerusalem dem Messias Israels ihre Verehrung bezeugte, ja, für denselben Fürsprache emlegte, als sich ein großer Teil des jüdischen Volkes von ihm lossagte. Und so fehlt denn auch heutzutage die edle Römerin nicht bei der Predigt des Evangeliums. Ihre Gestalt und ihre That unfern Lesern näherzubringen, ist der Zweck dieser Zeilen. „Da er auf dem Richtstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm," so beginnt der Bericht des Matthäus (27, (9) über die merkwürdige Episode, mit der wir uns beschäftigen, über diesen Lichtpunkt in der Nacht der Passionsgeschichte. Er ist der einzige Evangelist, welcher von der Gemahlin des Pilatus redet. Es kann Geschichtskundige nicht befremden, daß diese sich mit dem Landpfleger in Jerusalem aufhielt. Dem alten römischen Gesetz zuwider hatten die höheren Beamten schon unter Aaiser Augustus angefangen, in die ihnen zugewiesenen Provinzen ihre Frauen mitzunehmen. Dieser neuen Sitte gemäß war Pilatus, der i. I. 26 der christlichen Zeitrechnung das i. I. 6 n. Ehr., nach der Absetzung des Archelaus, geschaffene Amt eines Prokurators von Judäa und Samaria (als fünfter Inhaber desselben) übernommen hatte, von seiner Gattin begleitet worden. Ihre Herkunft wird ebensowenig näher geschildert wie diejenige des Richters Jesu. Die Sage giebt als Geburtsort des Pilatus teils Forchheim bei Bamberg, teils Mainz und andere Orte in Deutschland