Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 1 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Die Ursache der Zerstörung Jerusalems. Nach einer talmudischen Legende wurde Jerusalem i. I. 70 n. Lhr. zerstört, weil die Juden ein Lamm, welches Cäsar im Tempel opfern lassen wollte, verwarfen. Sie erklärten, das ihnen übersandte Tier sei nicht untadelig und daher zu einem Opfer nicht geeignet. In dieser Angabe liegt etwas wahres. Nur ging die Sendung des Lammes nicht von Läsar, sondern von dem König aller Könige aus. Lr sandte „das Lamm Gottes", damit es für unsere Sünden geopfert würde. Dies Lamm verwarfen die Juden, vgl. Jes. HO u. 53. (63. Jahresber. der L. I. M., S. *26.) Jüdische Chronik. Der Berliner Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden kaufte in Pankow ein Haus, welches den Lehrlingen als Heim dienen soll. Der Erbauer der jüdischen Taubstummenanstalt in Weißensee, Maurermeister Fränkel, übernahm es, dasselbe für diesen Zweck umzubauen. Die von uns schon erwähnte Einweihung der neuen Synagoge in der Lindenüraße erfolgte am 27. Sept., nachdem am 6. das 25jährige Bestehen derjenigen in der Oranienburgerstraße gefeiert worden war. Eine von dem Buchdruckereibesitzer Küchenmeister gebildete „Vereinigung zur Bekämpfung der Rassenhetze" will den Antisemitismus mündlich in Versammlungen bekämpfen. — Am *0. Sept. fand in Breslau die Beerdigung des am 7. zu München im 74. Lebensjahre verstorbenen Professors Heinr. Grätz statt. Derselbe war namentlich als Verfasser einer *2bändigen Geschichte der Juden bekannt, von den Bewerbern um das durch den Tod von Di'. Joel erledigte, mit einem Gehalt von 7500 Ji/. verbundene Rabbinat wurde Dr. Guttmann, bisher in Hildesheim, gewählt. Ein neugeschaffenes jüdisches Mädchenheim konnte seiner Best mmung übergeben werden. — Durch Stettin kamen in der zweiten Hälfte des abgelaufenen Jahres mehr als *0000 russisch-jüdische Auswanderer. Über 7000 nahmen die Hilfe des Unterstützungsausschuffes in Anspruch, von diesen wurden etwa <*000 nach Hamburg, 3000 direkt nach Amerika befördert, alle aber beherbergt und verpflegt, sowie mit Kleidungsstücken und Reisegeld versehen. — In Hamburg feierte man am 23. Sept. die weihe der neum Synagoge an der Ellernthorsbrücke. Ein dort lebender russisch-jüdischer Kaufmann Koskus wurde zum Generaldirektor der von Baron Hirsch gegründeten Aktiengesellschaft für jüdische Kolonisation ernannt, die ihren Wohnsitz in Paris hat. — In kanten wurde am 29. Juni, dem Peter- und paulstage, der 5jährige Knabe Johann Hegmann in einer Scheune ermordet aufgefunden. Die volksstimme bezeichnete den jüdischen Metzger Buschoff als den Thäter, und eine allgemeine Erbitterung gegen die Juden griff Platz. B. wurde verhaftet, indessen aus der Voruntersuchung kürzlich wieder entlassen. — Gegen einen von dem „Deutschen Reformverein" zu Lisleben veröffentlichten, von Judenhaß strotzenden Geschäftsanzeiger erließen acht evangelische Geistliche dieser Stadt eine Erklärung, in welcher sie jede Gemeinsamkeit mit einer solchen Kampfesweise ablehnten und das vertrauen aussprachen, ihre christlichen Mitbürger würden mit solchen Waffen nichts zu thun haben wollen. Bald darauf fanden auf Anordnung des Staatsanwalts polizeiliche Haussuchungen nach jener Druckschrift statt. — Die jüdischen Stiftungen in Frankfurt a. M. vermehrten sich seit *8^, wo die erste gemacht wurde, auf 7V2 Millionen Mark, die christlichen in derselben Zeit nur auf 2 Millionen. . Dabei sind 90% der Bevölkerung Christen und nur *c>o/g Juden. — In Wien giebt der Verein zur Förderung der Kolonisation Palästinas „Admath Jeschurun" eine Zeitschrift unter dem Titel „Selbstemanzipation" heraus. „ Die Schriftleitung liegt in den Händen von Dr. Nathan Birnbaum. — Auch in Österreich giebt es jetzt einen nichtchristlichen Universitätsrektor. Dies Amt verwaltet in Lzernowitz der jüdische Professor der Chemie, Dr. pribram. Ebendaselbst bildete sich ein jüdischer Studentenverein, der sich „Hasmonäa" nennt. — Die zu Warschau in hebräischer Sprache erscheinende politische Zeitung „Hazefirah" zählt 20000 Abonnenten. — In Wilna wurden *6 jüdische Bethäuser polizeilich geschlossen. — Aus Rußland sollen bis zum Dezember *69* im ganzen ^0000 Juden ausgewandert sein. — Am 27. Sept. feierte die jüdische Bevölkerung Frankreichs den Jahrestag ihrer Emanzipation. Schon am 3. August *789 brachte der Abbe Grsgoire bei der Nationalversammlung einen auf dieselbe bezüglichen Antrag ein, der sowohl vom Könige als von Males-