Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1891-01-01 · 2 (1891) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
2 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554984-2554986--09019-2565093
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

{6 Iudenmissionsverein sucht einen Nachfolger für den nach kaum einjähriger Thätigkeit bereits abgegangenen Missionar Burger. Einige Vorstandsmitglieder führen das Werk in Paris fort, indem sie Vorträge halten und Schriften verbreiten. — Aus Alexandrien berichtet Missionar Lotka: „Ein armer Falaschajüngling kam zu mir und bat um Unterricht. Ich fragte ihn, ob er etwas vom Evangelium wisse? „Nein", erwiderte er. „Ich bin ein Jude und kenne das Gesetz und die Propheten, aber nicht die Evangelien. Ich möchte lernen, lehren Sie mich!" „wissen Sie etwasvon Christus?" „Nein. Ich bin ein Jude und weiß von Mose, Abraham, Isaak und Jakob, aber nichts von Christo. Aber lehren Sie mich! Ich möchte lernen." Obgleich ich kaum wußte, was ich mit dem armen Burschen anfangen sollte, konnte ich doch meine Ohren seinen ernsten Bitten nicht verschließen. Im vertrauen auf Gott nahm ich ihn auf und sandte ihn in die amerikanische Missionsschule. Einen Teil des Tages unterrichtete ich ihn selbst. Er ist ein verständiger junger Bursche und scheint in seiner eigenen Sprache wohl bewandert zu sein. Ich verschaffte ihm eine amharische Bibel, in welcher er nachliest, während ich ihm arabisch das Evangelium Matthäi vorlese und erkläre. Und oh! welche Lust ist es zu sehen, wie die Strahlen von Licht und Freude sich über dies Gesicht ausbreiten und es erhellen bei jeder angeführten Stelle aus den Propheten, deren dies Evangelium so viele enthält, und init denen er vertraut zu sein scheint. Dieserjunge abesstnische Jude hat mich mehr als einmal in meiner Einsamkeit aufgeheitert. Seine Kenntnis der arabischen Sprache ist sehr beschränkt, aber er versteht es dennoch prächtig, sich verständlich zu machen. Der (englische) Kaplan hat nur freundlich einen kleinen Beitrag zu seinem Unterhalt gegeben. Ich hoffe durch Gottes Gnade aus diesem Jüngling etwas ^zu seiner Ehre machen zu können." — Im August ^890 wurde das neuerbaute Haus der schottischen Mission in Liberias fertig. Der Missionsgehilfe Goldenberg, der lange Zeit kein jüdisches l^ctus betreten durfte, findet jetzt überall Eingang. Er macht täglich bei Kranken und Gesunden Hausbesuche. Manche Juden kommen auch zu ihm. Am 4. Dezember kehrte der Missionsarzt Dr. Torrance, nach längerer Abwesenheit von Liberias hierher zurück. — In Safed starb im letzten Sommer ein greiser Israelit, der heimlich nach den Wahrheiten des Christentums geforscht hatte. Als Lehrer hing er von der jüdischen Gemeinde ab und war daher bei religiösen Gesprächen mit Juden sehr vorsichtig. Aber als er auf dem Sterbebett lag und nun mehrere Freunde und Nachbarn die vorgeschriebenen Gebete um Befreiung seiner Seele von den Schrecken des Todes und Grabes mit ihm lesen wollten, da gab der Kranke Zeichen der Mißbilligung. Nach dem Grunde gefragt, sagte er: „Ich habe keine Furcht." Dann wies er auf ein Neues Testament hin und bekannte, dasselbe habe ihn von aller Furcht befreit. Bald darauf verschied er friedlich. — Missionar Richter in Surinam wurde im Oktober I889 von dem frommen Gouverneur dieser holländischen Kolonie besucht. Derselbe bekannte seinen Glauben vor den Offizieren und dein Kommissar des Paradistriktes, einem Israeliten. Letzterer gestand, er wünsche sich auch einen solchen Glauben, denn es müsse herrlich sein, so mit einem Gott und Heiland zu stehen. Da forderte ihn der Gouverneur auf, das 5. Buch Mose recht aufmerksam durchzulesen: dort habe er selbst seinen Glauben an das Wort Gottes gefunden. (M.-Bl. a. d. Brüderg.) Kviefkasten. Fr. D.-Z. Die Frage, ob ich die Behauptung Tranzschels unterschreibe, der sel. Delitzsch sei „die Seele der Mission unter Israel in der gesamten heutigen Christenheit" gewesen („Saat a. ■£)." *890, S. *39), kann ich bei aller hohen Verehrung für den Heimgegangenen, im Blick auf die Wirklichkeit nicht bejahend beantworten. Ich halte jenen Ausspruch ebenso für eine Übertreibung wie denjenigen Müllers (a. a. O. S. *68), nach welchem die „frühere Wirksamkeit" der meisten Iudenmissionsvereine „kurz als Proselytenmacherei zu charakterisieren" ist. Herausgeber: Pastor w. Becker, Breslau, Brüderstraße 3F I. — Preis des Jahrgangs (\2 Nummern): 60 Pfennig. Druck und Rommissionsrrerlag von Larl Dülfer, Breslau, Palmstraße 5.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.