Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 9 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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r ibke Wmech. mm Mn Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Ur. 9. — 46. Jahrgang. — 1890. Inhalt: Aus meiner Reisemappe. — Lin Laubhüttenfest in Algier. — In der Jß. Stunde. — Ld. Riggenbach über Röm. 9—Jß (Schluß). — Kleine jüdische Chronik. — Zu Luk. \9, Hl u. 13, 3H f. — Anerbieten. — Anzeige. — Berichtigung. Aus meiner Keifemappe. I. An der schönen alten Abteikirche zu werden a. d. Ruhr befindet sich oben am Kranze des Daches, mitten zwischen den anderen Steinen, ein steinernes Lämmlein. Lin einfaches Schästein, aus Stein gemeißelt, ist es nur, ohne allen weiteren Schmuck, welche Bewandtnis hat es hiermit? An derselben Stelle, wo jetzt das eingemeißelte Schästein zu sehen ist, saß einst ein Dachdecker fröhlich und wohlgemut bei seiner Arbeit. Aber der Strick, der seinen Korb hielt, riß entzwei, und der Mann stürzte in die Tiefe. Lr hätte das Genick brechen oder sonst übel Schaden nehmen können, umsomehr als unten eine Menge Steine und Felsblöcke umherlagen, da in jenen Tagen an der Kirche gebaut wurde. Aber — o Wunder! — der Dachdecker steht heil, gesund und munter auf: nicht den geringsten Schaden hat er gelitten, wie ist das geschehen? Lin Lämmlein, sanft und fromm, weidete unten, sich die Grashälmchen suchend, die hier und da hervorlugten. Auf dies Lamm fiel der Dachdecker sänftiglich und weich. Das arme Tier wurde zwar durch den schweren Fall zerschmettert, aber dem Dachdecker rettete es sein Leben. Gerührt und aus Dank gegen Gott für diese wundersame Erlösung vom Tode, ließ er das Schästein in Stein meißeln, und nun sitzt der Stein hoch oben unterm Kirchendach, weithin verkündend, daß Großes und wundersames hier geschehen ist. Da dacht' auch ich gerührt daran, Schon sank ich schier zur tzöll' hinab, Was Großes hier der HLrr gethan, Doch seine Gnade mich umgab; Und meiner Seele trat nun nah' Und sieh', aus großer Todesnot Das stille Lamm von Golgatha. Erstrahlte neues Morgenrot. II. Auf meiner Reise nach St. berührte ich auch die Stadt £;., und mein Auge wanderte hin bis vor ein großes Haus — bis zum Gefängnis. Vor meine Seele aber trat eine stille Zelle, die einen schrecklichen Verbrecher barg. Allen in der Anstalt hatte er das Leben sauer gemacht, keiner blieb vor seiner Bosheit verschont. Alle Strafen, alle Maßregeln, auch die schärfsten, fruchteten nichts. Da warf ihn Gott aufs Krankenlager, von dem er nicht wieder aufstehen sollte. Was in seiner Seele inzwischen vorgegangen, — kein Mensch weiß es, aber ahnen