Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 8 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Gin Wonatsblatt für Israeliten und'Freunde Israels. Ar. 8. — 46. Jahrgang. — 1890. Inhalt: Kaiser Trajan und Rabbi Iosua. — Lin Aufruf an Israel. — Im Krankenhause zu Brighton. — Aus dem Leben des Missionars Zukertort. — Ld. Riggenbach über Röm. 9—U. Aus Palästina. — Empfangsbescheinigung. — Gottesdienste. Kaiser Erajan und Kabln Josua. „So zeig' mir Gott, o Rabbi Iosua! An allen Orten weil' er, thätst du sagen, Und sonderlich sei deinem Volk er nah'." — „Herr, solch' Begehr woll' aus dem Sinn dir schlagen, Denn Gott ist nicht zu seh'n. Ls würd' auch traun Rein ird'sches Auge seinen Glanz ertragen." — Trajanus aber sprach: „Ich will ihn schau'n!" Da hieß ans Fenster Iosua ihn gehen, Das Aussicht bot auf Himmel, Flur und Au'n. „Du siehst im Mittag dort die Sonne stehen, versuch's, zu schau'n in ihr Hell' hinein!" — „Mein Aug' vermag es nicht, dorthin zu sehen." — „Sieh', eines göttlichen Geschöpfes Schein Ist deinem Blick, o Kaiser, schon zu klar! vernichtend wahrlich würd' es für dich sein, Nähmst du in seinem Licht den Schöpfer wahr." A. Meier („Gedichte", Detmold *888, S. 39). Ein Aufruf an Israel. Ihr alle aus Abrahams Samen, untersucht doch einmal mit allem Lrnst das prophetische Wort! Das dürft Ihr doch wohl thun. Rein Rabbiner kann Luch das verbieten. Denn es handelt sich um die Schriften Lurer Väter, deren Söhne ihr Luch so gerne nennt. Im Namen des Gottes Israels haben sie geredet. Wäre es nicht traurig, der Abkunft von Abraham sich zu rühmen, ohne ein geistiger Sohn Abrahams zu sein und ohne den Gott Abrahams zu kennen? Wißt Ihr nicht, daß schon Ieremia klagt: „Alle Heiden haben unbeschnittene Vorhaut, aber das ganze Haus Israel hat ein unbeschnittenes Herz"? Ist etwa Luer sittlicher Zustand heutzutage besser als zur Zeit des Mannes von Anathoth? Ist es denn nicht der Mühe wert, über diese Dinge einmal ernstlich nachzüdenken und Luch vor des allwissenden Gottes Angesicht zu fragen, woher es komme, daß ihr seit mehr als s800 Jahren keinen Tempel und keinen Priester mehr habt und aus der Heimat verbannt, über die ganze Lrde zerstreut seid? Wenn Ihr diese Verbannung mit der früheren vergleicht, müßt Ihr dann nicht nachdenklich werden und auf die Frage kommen: Woran liegt es, daß unsere Väter um der Abgötterei willen nur 70 Jahre in Babel ge-