Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1890-01-01 · 3 (1890) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
46 (1890)
Issue
3 (1890)
Date
1890-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554970-2554974--08918-2564982
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

23 Die Londoner IndenrnMon in Kreslan 188S. Wieder war es dem Missionar vergönnt, sowohl in Breslau selbst als auch att andern Orten mit zahlreichen Israeliten in persönlichen Verkehr zu treten und ihnen die frohe Botschaft zu bringen, daß Jesus von Nazareth der verheißene Messias ist. Es waren Vertreter der verschiedensten Stände und Denkweisen, mit -denen Einzelunterredungen geführt wurden. Sieben Erwachsene begehrten im Lauf -es Jahres die Aufnahme in die christliche Kirche. Nur an zweien, einem Kaufmann und einem Fabrikarbeiter, von denen der eine aus der Provinz Posen, der andere aus Galizien gebürtig ist, konnte bis zum 3*. Dezember die Taufe vollzogen werden. Einer unserer ersten jüdischen Bekannten in Breslau starb im letzten Jahr als Selbstmörder. Er hatte oft Gelegenheit gehabt, das Heil der Welt kennen zu lernen, es aber leider nie ergriffen. Als nun häusliche und geschäftliche Sorgen ihn immer mehr niederzogen, da fehlte ihm das Gegengewicht, und er endete in Verzweiflung. — Manche Israeliten stellten sich bei der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums ein. Außer den Missionsgottesdiensten, die an jedem Sonntagnachmittag siattfanden, wurde ein solcher auch am Vorabend des Versöhnungstages, am 4. Oktober, abgehalten. Die eine der beiden Reden dieses Abends findet man in der Nr. \ des gegenwärtigen Jahrganges der „Dibre Emeth". Die andere suchte den von jüdischer Seite erhobenen Vorwurf zu entkräften, durch unsere Iom-Kixpurfeier werde das Judentum herabgesetzt. Es wurde nachgewiesen, wie der wahre Christ die Grundlagen der jüdischen Religion, die Lehren von dem Wesen Gottes, von dem Wesen des Menschen und von der Verbindung beider, ehren müsse,'da er bei einem Angriff auf dieselben in sein eigenes Fleisch schneide. Nicht das echte, d. h. das biblische Judentum, sondern nur das entstellte der sogenannten Aufklärung und des Talmuds könne sich durch unsere Feier verletzt fühlen. Es sei gerade die Ehrfurcht vor Mose und den Propheten, die zusammen mit dem Gehorsam gegen die Befehle des von ihnen geweissagten und zur festgesetzten Zeit erschienenen Messias uns bewege, eine solche Feier zu veranstalten und unsern israelitischen Mitbürgern 'zuzurufen: Bleibt bei Euren jetzigen gottesdienstlichen Ordnungen, auch bei Eurer jetzigen Feier des Versöhnungstags nicht stehen, sondern begehet den Jom-Kippur mit uns zum Gedächtnis der Versöhnung, die Israels Hohepriester einst vermitteln durften, dann aber auch zur Erinnerung an die durch ihren Dienst vorgebildete, durch den Sohn Gottes vollbrachte Versöhnung! Die Ansprache, welche sich an Dan. 9, 4—24 anschloß, lief in eine Fürbitte für das Volk des alten Bundes aus. Denselben Zweck wie die Predigtgottesdienste verfolgten die im Mai und Juni über die Klassiker der Christen (die Schriftsteller des Neuen Testamentes) und die im Oktober und November über die Geschichte und die Lehren des Talmuds gehaltenen Vorträge. Auf seinen Reisen, bei welchen 3* (darunter vier böhmische) Plätze berührt wurden, konnte der Missionar dreizehnmal öffentlich predigen oder eine Ansprache halten. Die meisten jüdischen Zuhörer hatte er in der evangelischen Kirche zu Norderney. — Mit der mündlichen Verkündigung des Evangeliums ging die Verbreitung christlicher Schriften Hand in Hand. An 9*8 verschiedene Adressen wurden *2 549 Exemplare der „Dibre Emeth" versandt. Außerdem verkaufte oder verschenkte die Mission *83 Bibeln oder Bibelteile, 4843 Traktate und andere Veröffentlichungen. Mit Einschluß der in der Sonntagsschule abgegebenen 2396 Schriften wurden 2047* Drucksachen verbreitet. Die Kasse der „Dibre Emeth" schloß mit einem Überschuß von 86,54 Mk. ab. Ihre Einnahmen betrugen 642,22 Mk., ihre Ausgaben 555,68 Mk. Der übrige Erlös ans dem Schriftenverkauf belief sich auf *97,8* Mk. vom März bis zum Juli waren nach einander zwei Kolporteure thätig, von denen der eine aus dem jüdischen Volk stammte. — Mehrfach veranlaßte die Zusendung von Schriften zu einem Briefwechsel mit den Empfängern. Ein Rabbiner aus Ungarn hatte es als „arrogant" bezeichnet, daß ihm einige Exemplare unserer Missionszeitschrift vorgelegt worden waren. Da konnte ihm entgegnet werden, daß eine Anzahl Israeliten und sogar Rabbiner um dies Blatt gebeten hätten. Im übrigen sei es Christenpflicht, Israel zu seinem Messias, dem Mittler zwischen Gott und den Menschen, zu führen. Selbst auf die Gefahr hin, zudringlich zu erscheinen, müsse

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.