Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 2 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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\6 Matth. 14, 1-12. Sie hatten geschwelgt beim üppigen Mahl, Am wein sich berauscht aus goldener Schal'. Sie halten gelauscht auf weichem Pfühl Der Flöten Klang und dem Saitensxiel. Den Rosenkranz im duftenden Haar, Plaudert der schmeichelnden Gäste Schar. Schon mancher Wimper nahet der Schlaf, Da lüftet den seidenen Vorhang der Sklav'. Und mit leichtem Schritt und mit leichtem Sinn Tritt ein die Tochter der Königin. Und wie sie sich neigt und schwebet im Tanz, Da funkeln die schläfernden Augen im Glanz Lüsterner Blicke. Und laut im Kreis Erschallt der anmutigen Tänzerin Preis. „Du hast es mir angethan zur Stund'1 Nun sag', was begehrt Dein blühender Mund? Dir sei es gewährt. Heut' gilt es mir gleich, Und wär' es die Hälfte vom Königreich." Merodes schwört's. Das Mägdlein enteilt, Und wieder kehret es unverweilt. „Ich erbitte, Ihr habt mir die Gnade erlaubt, Auf einer Schüssel des Täufers Haupt." Und der König wird traurig und totenblaß. Leis' seufzt die Lippe: „Herodias!" Doch muß es geschehen, und wär' es auch nur, weil er's vor den Ohren der Gäste beschwur. Dort, wo Machärus Feste droht, Stirbt St. Johann Blutzeugentod. Ein Häuflein Jünger des Leichnams harrt, Die haben» zur Nacht ihn eingescharrt. Tot ist der Zeuge, warum erbebt Dein Herz noch, Merodes? — Die Wahrheit lebt! -- P. Nhs. in L. Gmpfarrgslrejcheiriigmrg. Prof. W.-L. u. Pr. Tr.-G. je o,60. Frl. K.-Dr. j,oo. Frl. Tl. M.-Gerl. 2,50. Fr. Prof. i}. u. Frl. W.-B. je 3. P. Fl.-N. B., P. St.-Gr. p. u. Hr. v. Schw. je 4. Hr. M.-St. 5. Frl. v. R. 9. Fr. Schl.-Str. jo. Herzlichen Dank! Zeugnis eines Arztes. Letzthin las ich das Testament eines Arztes. Er war ein Mann mit großen, weit geöffneten Augen. Dieser Mann nun, der während eines halben Jahrhunderts immer bei Sterbenden aus- und einging, schreibt: „Nichts hat während meines langen Amtslebens einen größeren Eindruck auf mich gemacht als der Akt des Sterbens. Beim Tode eines entschieden Ungläubigen sind Trostlosigkeit und verzweistung die vorherrschenden Erscheinungen, was mir besonders bei manchen sterbenden Juden auffallend gewesen ist. Ungewöhnlich starke Geister sterben auch wohl mit kalter Resignation; mit einer wirklichen Freudigkeit aber sterben nur Christen." — Also der unparteiische Arzt ist der Meinung, daß der lebendige Christenglaube zu einem freudigen Sterben verhelfen kann. So ist es auch. (Schles. Fam.-Anz.) Herausgeber: Pastor W. Becker, Breslau, Brüderstraße 3P I. — Preis des Jahrgangs (;2 Nummern): 60 Pfennig. Druck und Kommissionsverlag von Carl Dülfer, Breslau, ssalmstraße 5.