Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 46 (1890)
- Issue
- 2 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Ur. 2. — 46. Jahrgang. 1890. Inhalt: was fehlt dem Judentum? — Aus dem Nachlaß eines Heimgegangenen. — Briefe an einen Israeliten IT. — Kürze Misstonsnachrichten. — Matth. I—\2. — Empfangsbescheinigung. — Zeugnis eines Arztes. Was fehlt dem Judentum? vor mehreren Jahren ließ der geschäftsführende Ausschuß der Union jüdischer Gemeinden in Amerika 200 Rabbiner um schriftliche Äußerungen über den gegenwärtigen Zustand des amerikanischen Judentums ersuchen. Zn allen Zuschriften, die ihm infolgedessen zukamen, wird dieser Zustand als ein bedenklicher bezeichnet. Nur in der Angabe der Heilmittel weichen sie von einander ab. Die wichtigsten findet man in der zu Lleveland erscheinenden „Reformierten Kirchenzeitung" von \885. Lsiowizi von Minneapolis meint: „Unser Unglück ist Unwissenheit, wir müssen unsre Kinder lehren, die jüdische Geschichte recht zu verstehen. Die Wunder in den heiligen Schriften sind dem jungen Amerikaner anstößig. Da muß eine verstandesmäßige Auslegung drüber hinweg helfen. Der junge Jude muß tüchtig in die jüdische Litteratur eingeführt werden, um seine Gleichgültigkeit zu überwinden. Unser Krebsschaden ist der Mangel an Autorität: doppelt fühlbar bei den Emporkömmlingen unter uns, die unter amerikanischem Schein ihren Mangel an Bildung, ihren Unglauben und ihre Lüste verbergen, viele unserer Rabbiner genießen nicht die Achtung, die sie verdienen, und manche verdienen nicht den Schatten von Achtung, den sie genießen. Und wie stehen diese Lehrer Israels gegen einander? Wie können wir erwarten, daß die Laien und die Jugend uns achten und uns folgen werden, wenn wir sie abstoßen mit den kleinlichen Streitigkeiten, die wir unter uns haben?" — „wenn es den einflußreichen Lehrern unter uns", schreibt Davidson, „wirklich zu thun ist um Befreiung von der Knechtschaft des Atheismus, des Mammonsdienstes und der Gleichgültigkeit: dann laßt uns beten um einen zweiten Moses, der uns vierzig Jahre in die wüste führe, bis die Alten sämtlich tot und begraben sind, und bis die Jüngeren gelernt haben, daß der Tempel kein Theater und die Sabbathschule kein Platz ist für ehrfurchtsloses Treiben." — Mannheimer, Lehrer an einem hebräischen Institut, bekennt: „Man mag noch starrorthodox sein oder fortschrittlich der Reform huldigen: in jedem Lall muß man beklagen, daß Materialismus und Gleichgültigkeit am innersten Leben unsrer Religion nagen. Zuweilen kann uns eine besondere Beredsamkeit entzücken und täuschen, als stände es sehr gut mit unserer Sache. Aber wenn wir nüchtern beobachten, wie es im Alltags-